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Rechtsextremen-Kreuzfahrt auf der Donau legt im Juni 2019 in Linz an

Als "Experte" mit dabei: Tommy Robinson, die Galionsfigur der britischen Rechtsextremen. Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger kündigte gegenüber den OÖN an, den Verfassungsschutz einzuschalten.

Rechtsextremen-Kreuzfahrt auf der Donau legt im Juni 2019 in Linz an

Von 9. bis 16. Juni findet auf der "Monarch Empress" ein Rechtsextremen-Treffen statt – ein Linz-Stopp ist geplant. Bild: (Gate 1)

Lounge, Sonnendeck, Fitness-Center, die musikalische Untermalung ist in Person eines extra engagierten Musikers garantiert – eine Donaukreuzfahrt mit der "Monarch Empress" ist ein Erlebnis. Von 9. bis 16. Juni 2019 wird das 2015/16 erbaute, unter deutscher Flagge fahrende Kreuzfahrtschiff aber nicht Touristen, sondern ganz spezielle Gäste von Regensburg nach Budapest schippern. Die kanadische Rechtsaußen-Newsplattform "The Rebel Media" lädt Gesinnungsfreunde aus der ganzen Welt zur "Rebel Cruise" ein. Auch ein Zwischenstopp in Linz ist geplant, ebenso in Passau, Salzburg und Wien.

Die Schiffsreise werde "viel mehr als Tourismus" sein. Zusätzlich zu geselligem Beisammensein und Tagesausflügen verspricht die Ausschreibung nämlich "ein einwöchiges, gemütliches politisches Seminar, geleitet von vier Rebel-Persönlichlichkeiten". Neben dem aus Calgary stammenden "The Rebel Media"-Gründer Ezra Levant, dem islamfeindlichen US-Historiker Daniel Pipes und der ehemaligen "The Sun"-Boulevardjournalistin Katie Hopkins (Zitat: "In Südafrika gibt es einen Völkermord an den Weißen")" ist mit dem politischen Aktivisten Tommy Robinson auch die Galionsfigur der britischen Rechtsextremen mit an Bord.

Reaktionen aus der Politik

Der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer (VP) stellte in einer Reaktion am Freitag zur geplanten "Rechtsextremisten-Kreuzfahrt" fest: "Ich bin davon absolut nicht begeistert."Man freue sich über viele Urlaubsgäste, "aber nicht über solche", betonte er.

"Aber wir leben in einem Rechtsstaat und da zählt nicht meine persönliche Einstellung, sondern ob etwas rechtlich zulässig ist oder nicht. Das haben jetzt die zuständigen Sicherheitsbehörden zu untersuchen."

Er halte diese Kreuzfahrt für entbehrlich, sagt Bürgermeister Klaus Luger (SP) am Freitag im Gespräch mit den OÖN. Gleichzeitig kündigte er an, den Verfassungsschutz einzuschalten.

„Diese Kreuzfahrt ist nichts was mich betrifft oder interessiert“, sagt Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FP) auf Anfrage: „Solange es aber keine Bedenken seitens der Sicherheitsbehörden gibt, sehe ich keinen Anlass, etwas zu verbieten oder zu verhindern, so viel Reise- und Meinungsfreiheit muss eine moderne Demokratie schon aushalten.“

„Linz darf keine Pilgerstätte für Rechtsextreme werden. Mit so einer Schifffahrt würde eine rote Linie überschritten. Es reicht“, sagt Sophia Hochedlinger, Gemeinderätin der Grünen Linz, in einer Aussendung.

Die SP-Nationalratsagbeordnete Sabine Schatz teilte mit, dass sie sich erwarte, dass Kanzler Sebastian Kurz (VP) und seien Regierung  „alle Mittel und Wege prüfen, um diesen Extremisten-Trip quer durch Österreich zu unterbinden“.

"Kämpfer" für die freie Rede

Tommy Robinson, der eigentlich Stephen Christopher Yaxley-Lennon heißt, ist eine der umstrittensten politischen Persönlichkeiten in Großbritannien. 2009 gründete der heute 35-Jährige die rechtsextreme "English Defence League", seither inszeniert sich Robinson mit Vorliebe als Kämpfer für die freie Meinungsäußerung. Im Mai 2017 wurde der selbsternannte "Bürgerjournalist" zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt, weil er in illegaler Weise über ein laufendes Strafverfahren wegen Vergewaltigung berichtet hatte. Aufgrund von Verstößen gegen seine Bewährungsauflagen – er hatte einen Prozess wegen Kindesmissbrauchs in Leeds gestört – wurde er im Mai dieses Jahres wegen Landfriedensbruch und Aufhetzung inhaftiert. Für seine radikalen Anhänger ist er ein Held, für die anderen ein gewissenloser Aufrührer außerhalb des demokratischen Konsenses. "Er ist kein Märtyrer der Meinungsfreiheit", schrieb der "Guardian", "sondern ein Karriere-Krimineller mit einer Geschichte aus Mietbetrug, Hooliganismus und Körperverletzung".

Karibik-Kreuzfahrt abgesagt

Ähnlich sah dies im vergangenen Jahr offenbar auch die norwegische Reederei NCL. Diese sagte eine geplante "Rebel Cruise" durch die Karibik ab. Aus diesem Grund findet die Bootsfahrt 2019 auf der Donau statt. Die Veranstalter freuen sich darauf, auf dem Weg mit "lokalen politischen Führern, die die westliche Zivilisation und deren Werte bewahren", in Kontakt zu treten. Wer dabei sein will, sollte aber genug Kleingeld mitbringen: die günstigste Kabine kostet 3088 Euro, die teuerste 4200 Euro. Auch werden Spenden an The Rebel Media erwartet, um "unseren unabhängigen Journalismus weiterführen zu können".

Das sind die rechtsextremen "Experten" an Bord:

Tommy Robinson: Der unter Pseudonym tätige Politaktivist aus Luton stieg in kurzer Zeit vom Sonnenstudio-Betreiber zur Ikone der Rechtsextremen auf.

Das sind die rechtsextremen "Experten" an bord:

 

Daniel Pipes: Der 68-jährige Historiker aus Boston ist Gründer der islamfeindlichen Denkfabrik "Middle East Forum". Er war Berater von Rudolph Giuliani.

Das sind die rechtsextremen "Experten" an bord:

 

Katie Hopkins: Die ehemalige Kolumnistin von "The Sun" und zuletzt "Daily Mail" wurde im Oktober 2017 nach etlichen rassistischen Ausfällen gekündigt.

Das sind die rechtsextremen "Experten" an bord:

 

Ezra Levant: Der 46-Jährige gründete im Februar 2015 die Webseite "The Rebel Media". Der Jurist war auch als Journalist, Lobbyist und YouTuber tätig.

Das sind die rechtsextremen "Experten" an bord:
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Artikel Lukas Luger 07. September 2018 - 12:32 Uhr
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