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Papst Franziskus bat um Vergebung für die Sexualverbrechen eines Priesters

SANTIAGO DE CHILE. Bei seinem Besuch in Chile traf der Pontifex Missbrauchsopfer, betete und weinte mit ihnen.

Papst Franziskus bat um Vergebung für die Sexualverbrechen eines Priesters

Bei seinem Chile-Besuch oftmals bejubelt: Papst Franziskus Bild: APA/AFP/VINCENZO PINTO

Wie ein dicker Schleier liegt das Thema Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche über dem Chile-Besuch von Papst Franziskus. Der Pontifex sprach die Problematik jedoch selbst an und traf auch Opfer. Franziskus habe sich für die zugefügten "irreparablen Schäden", die die Missbrauchsopfer erlitten hätten, entschuldigt, teilte der Vatikan-Sprecher Greg Burke mit. Der Papst habe sich die Erfahrungen der Missbrauchsopfer angehört, mit ihnen gebetet und geweint. Nähere Details über das Treffen wurden nicht bekannt.

Franziskus hatte zuvor um Vergebung für Kindesmissbrauch durch katholische Priester gebeten. Er empfinde Schmerz und Scham darüber, dass Diener der Kirche Kindern auf diese Weise Schaden zugefügt hätten, sagte der Papst vor chilenischen Würdenträgern. Hintergrund der Entschuldigung ist der von der Kirche lange vertuschte Missbrauchsskandal um den prominenten chilenischen Priester Fernando Karadima. Er wurde 2011 vom Vatikan schuldig befunden, über Jahrzehnte hinweg Dutzende Minderjährige missbraucht zu haben.

Gegen den Niedergang der Kirche

Die wohl längste Ansprache während seines Chile-Besuches hielt Franziskus vor Priestern und Ordensleuten. Er weiß, dass er sie mobilisieren muss, um den Niedergang der katholischen Kirche aufzuhalten. Aber das Personal ist verunsichert. Und die größte Versuchung, sagte Franziskus vor rund 3000 Geistlichen in Santiagos Kathedrale, ist, im Grübeln über die eigene Hoffnungslosigkeit stecken zu bleiben. Dann hätte das "Unkraut des Bösen" gesiegt und seine bitteren Samen "Skandale und Glaubensabfall".

Die Säkularisierung galoppiert. Bekannten sich in Umfragen vor zwei Jahrzehnten noch fast drei Viertel der Chilenen zur katholischen Kirche, so sind es laut dem Meinungsforschungsinstitut Latinobarometro aktuell noch 45 Prozent. Und nicht etwa, weil die Menschen zu vielleicht attraktiveren evangelikalen Gemeinschaften abwanderten – der Glaube interessiert sie einfach nicht mehr. 38 Prozent, mehr als in jedem anderen lateinamerikanischen Land, nennen sich religionslos.

Besonders der 2011 aufgebrochene Skandal um Karadima gab vielen den letzten Anstoß, der Kirche den Rücken zu kehren. Die nationale Bischofskonferenz reagierte. In Sachen Prävention liegt Chiles Kirche nach dem Urteil des Kinderschutzzentrums der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom heute an der Spitze in Lateinamerika. Doch die Ernennung des Karadima-Zöglings Juan Barros zum Leiter der Diözese Osorno 2015 löste erneut Unmut aus. Beschuldigen ihn doch manche der Mitwisserschaft in Sexualdelikten.

Schmerzhaftes Übel überwinden

"Ich kenne den Schmerz, den die Missbrauchsfälle bei Euch ausgelöst haben. Und ich verfolge mit Interesse, was Ihr tut, um dieses schwere und schmerzhafte Übel zu überwinden", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. "Schmerz wegen des Schadens und des Leidens der Opfer und ihrer Familien, die in ihrem Vertrauen betrogen worden sind, das sie in die Diener der Kirche gesetzt hatten. Schmerz wegen des Leidens der kirchlichen Gemeinschaften, aber auch Schmerz für Euch, Brüder, der bei einigen zu Zweifeln, Angst oder einem Mangel an Vertrauen geführt hat."

Während seines Besuches wird Franziskus auch noch Opfer der Pinochet-Diktatur sowie Vertreter der indigen Mapuche treffen, die seit Jahrzehnten um die Rückgabe ihrer Ländereien kämpfen.

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Artikel OÖN 18. Januar 2018 - 00:04 Uhr
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