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Experten einig: Kraftfutter lässt EHEC-Keime sprießen

WIEN/MÜNSTER. Zu viel Kraftfutter in der Massentierhaltung sei für das Auftreten gefährlicher EHEC-Stämme verantwortlich, sagt der deutsche „EHEC-Papst“ Helge Karch (Universität Münster). Eine Ansicht, der sich auch Josef Böhm, Tierernährungsexperte der Veterinärmedizinischen Universität Wien, anschließt.

Experten einig: Kraftfutter lässt EHEC-Keime sprießen

»EHEC-Papst« Helge Karch Bild: dpa

Helge Karch (58) ist Direktor des Instituts für Hygiene an der Universität Münster in Westfalen, sein Forscherteam konnte jetzt das Erbgut des EHEC-Serotyps „0104:H4“, dem in Deutschland schon 25 Menschen zum Opfer gefallen sind, entziffern und dabei zahlreiche Gene feststellen, die zu Resistenz gegen Antibiotika führen.

Laut Karch sind schon früher gefährliche EHEC-Stämme auch im Menschen nachgewiesen worden, deren Ursprung der Experte in den Fütterungsmethoden bei der Massentierhaltung sieht. Vor allem Getreide-Kraftfutter-Mischungen würden die Verbreitung aggressiver EHEC-Varianten begünstigen: „Sie werden im Magen der Tiere nur unvollständig abgebaut und gelangen unverdaut in den Darm. Dort beginnt die Nahrung zu gären, die enthaltenen EHEC-Erreger gewöhnen sich ans saure Milieu und werden dann auch gegen die menschliche Magensäure immun.“

Außerdem enthalte der Darminhalt der Rinder, die mit Getreide-Kraftfutter ernährt werden, zehnmal so viele EHEC-Zellen wie bei Tieren, die Heu oder Gras bekommen. Neue Erregerstämme, die auf diese Art entstehen, würden über die Fäkalien der Rinder verbreitet.

Ein gesellschaftliches Problem

„Da ist sicher etwas dran“, sagt Josef Böhm (56) von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Laut Böhm zahlt die Gesellschaft jetzt den Preis für ihre Abkehr von der traditionellen Landwirtschaft. „Früher wurden Gülle und Jauche getrennt fermentiert und ein Jahr gelagert, heute wird das meiste frisch ausgebracht, zu kurz, damit gefährliche Keime aus dem Dünger eliminiert werden könnten.“

Das Problem beginne schon bei der Siliertechnik: „Silageproben, die wir heute untersuchen, sind schon nach wenigen Stunden ‚hin‘, früher hielten sie oft tagelang – aber es muss halt alles schnell gehen und soll wenig kosten“, sagt der Professor. Dennoch sei die Situation bei uns nicht so problematisch wie in Norddeutschland: „Dort betreiben die Bauern Rindermast, meist mit billigem Kraftfutter aus Übersee, bei uns steht die Milchviehzucht im Vordergrund, da kommt mehr faserhaltiges Basisfutter zum Einsatz“. Und das wirke der EHEC-förderlichen Übersäuerung im Pansen entgegen.

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Artikel Alfons Krieglsteiner 09. Juni 2011 - 00:04 Uhr
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