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Huawei: Sicher nicht sicher?

Sicherheitsbedenken bringen den chinesischen Hersteller weltweit unter Druck.

Huawei: Sicher nicht sicher?

Sind sie sich zu nahe? Chinas Staatspräsident Xi Jinping (l.) bei einer Werksbesichtigung mit Ren Zhengfei. Bild: Reuters

Ren Zhengfei steht nicht gern im Rampenlicht. Der 74-jährige Gründer des chinesischen Smartphone- und Netzwerkgiganten Huawei meidet öffentliche Auftritte, Interviews mit der westlichen Presse sind eine Seltenheit. Doch dieser Tage hat er keine Wahl. Seine Tochter Meng Wanzhou, ihres Zeichens Finanzchefin bei Huawei, wurde Anfang Dezember in Kanada festgenommen. Die amerikanische Justiz wirft Huawei vor, die Sanktionen gegen den Iran nicht einzuhalten und Industriespionage von Mitarbeitern zu fördern. Zuvor hatten die USA bereits die behördliche Nutzung von Huawei-Produkten untersagt, verbündete Länder planen ähnliche Schritte.

Gebrochenes Schweigen

Ren Zhengfei hat also gute Gründe, sein Schweigen zu brechen. Auch er ist in der westlichen Welt nicht unumstritten. Schließlich hat Ren enge Bindungen zur chinesischen Regierung, ist seit 1978 Parteimitglied. In einem Interview mit der Financial Times betonte Ren, dass seine Nähe zur Kommunistischen Partei kein Grund zur Sorge sei: "Ich liebe mein Land und unterstütze die Kommunistische Partei. Ich sehe aber keine enge Verbindung zwischen meinen politischen Ansichten und den Geschäften von Huawei." Er würde "niemals etwas tun, das irgendeinem Land der Welt schadet".

Doch selbst wenn Ren nicht mit der chinesischen Regierung zusammenarbeiten möchte, könnte ihn das neue Überwachungsgesetz genau dazu zwingen. Der recht vage formulierte Gesetzestext verlangt auf Wunsch der Behörden die absolute Kooperation von Bürgern und Firmen bei nationalen Sicherheitsbedenken.

Dies ist auch der Hauptgrund, warum Huawei in einigen Ländern beim lukrativen Aufbau des kommenden 5G-Netzes nicht teilnehmen darf. Australien und Neuseeland haben dies auf Wunsch der USA hin bereits fixiert, in Deutschland wird gerade darüber diskutiert. Huawei ist dort einer der Hauptausrüster von T-Mobile.

Österreichische Gelassenheit

In Österreich sieht man die Bedenken gegen Huawei entspannter. Der für Technologie zuständige Verkehrsminister Norbert Hofer sagte, dass die Regierung die Vorbehalte anderer Staaten nicht im gleichen Ausmaß teile. Auch die heimische Telekombehörde RTR hat keine Sicherheitsbedenken. Denn bei allen Vorwürfen gegen Huawei ist die Beweislage dünn. Öffentlich gibt es keine Belege für Spionageaktivitäten des Unternehmens.

Für Privatnutzer, die Angst vor Spionage haben, ist es jedenfalls schwierig, Huawei zu meiden. Denn selbst wenn das eigene Smartphone nicht vom zweitgrößten Handyhersteller der Welt stammt, ist dessen Netzwerktechnik bei den meisten Netzbetreibern im Einsatz. Auch viele Router und Modems stammen aus dem Hause Huawei. Konkurrent ZTE ist ebenfalls chinesisch. Auf der anderen Seite stehen amerikanische Hersteller. Doch wie Edward Snowden 2013 enthüllt hat, hat etwa Cisco nachweislich Hintertüren für amerikanische Geheimdienste in seine Router eingebaut.

Chance für europäische Firmen

Es gibt zwei europäische Ausrüster für mobile Netzwerke, die von den Sicherheitsbedenken gegen chinesische und amerikanische Ausstatter profitieren könnten: Nokia und Ericsson. Früher Weltmarktführer im Telekommunikationsbereich, sind beide Firmen hinter die internationale Konkurrenz zurückgefallen. Der bevorstehende Aufbau des 5G-Netzes bietet nun aber eine große Wachstumschance.

Showdown in Barcelona

Der politisch motivierte Kampf um die mobile Infrastruktur verleiht auch dem kommenden Mobile World Congress, der wichtigsten Handy-Messe der Welt, besonderes Gewicht. Die USA werden eine wesentlich größere Delegation als sonst nach Barcelona schicken, um Netzbetreiber davon zu überzeugen, nicht in Huawei-Technik zu investieren.

Huawei selbst hofft, die öffentliche Diskussion mit seinem neuen Handy in andere Bahnen zu lenken. Das Gerät ist eines der ersten mit faltbarem Display. Und ganz nebenbei ist das Smartphone mit dem neuem 5G-Chip von Huawei ausgerüstet.

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Artikel Leander Bruckbög 09. Februar 2019 - 00:04 Uhr
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