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Wikipedia: Welches Wissen darf rein und welches fliegt raus?

Wikipedia ist das umfangreichste Internet-Nachschlagewerk der Welt. Doch welche Begriffe sind es wert, im Online-Lexikon gesucht und gefunden zu werden? Unter den „Wikipedianern“ tobt eine heftige Debatte über die Relevanz von Inhalten.

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Die deutschsprachige Wikipedia-Ausgabe verzeichnete zu Weihnachten ihren einmillionsten Beitrag, der einem unbekannten US-Botaniker namens Ernie Wasson gewidmet wurde. Als der Beitrag online gegangen war, entbrannte unter den registrierten Autoren eine – häufig vorkommende – Diskussion über die Relevanz des Artikels. Überspitzt ging es darum: Soll in dem Online-Lexikon jeder „Schmarr’n“ stehen? Oder ist es arrogant, Wissen nach subjektiven Empfindungen zu zensieren? Ätzend meinten einige Wikipedia-Autoren, die Relevanz des Beitrags über den Botaniker erschöpfe sich darin, dass dieser Eintrag eben zufällig der einmillionste sei.

Auf 29 Seiten sind in der Wikipedia „Relevanzkriterien“ beschrieben, die ein Beitrag erfüllen soll. Tausende Artikel wurden schon wegen angeblicher Irrelevanz von den Nutzern mit Administratorenrechten gelöscht.

Diskussion und Löschen

„Erscheint ein Artikel, kann sofort jeder registrierte Wikipedia-User einen Löschantrag stellen“, sagt Hans Koberger, Maschinenbautechniker aus Niederneukirchen. Der Hobby-Segler ist seit fünf Jahren als Wikipedia-Autor aktiv. Der Oberösterreicher kommt auf rund 30.000 Beiträge, die er mitgestaltet oder verbessert hat.

Eine Woche lang können die Wikipedianer in einem Forum über den Löschantrag diskutieren. Im Endeffekt bleibt es eine Entscheidung der Administratoren, die keine thematischen Fachleute sein müssen, und damit eine Geschmacksfrage. „Es gab einen Artikel über ein unbekanntes amerikanisches Model, über das unabhängig voneinander zwei ähnliche Beiträge geschrieben wurden“, sagt Koberger. In einem Fall genehmigte der Administrator den Beitrag, im zweiten Fall sagte ein anderer nein. „Löschungen sind kein wirklich demokratischer Prozess“, sagt Koberger.

In Deutschland spielte sich im Herbst eine heftige Diskussion über die Löschung des Eintrags über den Verein „Missbrauchsopfer gegen Internetsperren“ ab. In einem Weblog wurden die Artikel-Löscher als „Gartenzwergzüchter-Blockwarte“ kritisiert.

Zur Relevanzdiskussion entwickelten sich unter den Wikipedia-Autoren zwei Denkschulen. Die „Inklusionisten“ wollen die Relevanz-Schwelle für Inhalte möglichst niedrig anlegen, um möglichst vieles zuzulassen. Hingegen wollen die „Exklusionisten“ das Lexikon als professionelle Enzyklopädie positionieren, nach dem Vorbild käuflicher Nachschlagewerke.

Koberger sieht sich als „Inklusionist“: „Man kann darüber streiten, wen die Inhaltsangabe einer Episode von Doctor House interessiert. Andererseits: Was mich nicht interessiert, schlage ich ohnehin nicht nach.“

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Artikel Von Robert Stammler 13. Januar 2010 - 00:04 Uhr
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