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Mo 3.08. | 02:55 - 04:25 | ORF 3
zeit.geschichte
Österreich II: Die Ära Kreisky 1 - Die Reformen (30/32)
Die Ära Kreisky beginnt mit dem Wahlsieg der SPÖ 1970 - erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik erringt sie die relative Mehrheit im Nationalrat. Und noch in der Wahlnacht sucht Bruno Kreisky Kontakt mit dem Vorsitzenden der FPÖ, Friedrich Peter, um sicherzustellen, dass es zu keiner bürgerlichen Koalition kommt. Er verspricht Peter eine Wahlrechtsreform, die der FPÖ mehr Mandate bei gleicher Anzahl von Wählerstimmen bringen würde. Kreisky bildet eine Minderheitsregierung, in Österreichs Innenpolitik ein völlig neues Phänomen, ermöglicht durch die Unterstützung der FPÖ - der Dank für die Wahlrechtsreform. Die kurze Regierungszeit nutzt Bruno Kreisky zu populären Reformen: Verkürzung der Dienstzeit beim Bundesheer, 15 000 Schilling-Prämien für Neuvermählte, Gratisschulbücher, Gratisschülerfahrten, Herabsetzung des Wahlalters. Diese Ereignisse stehen am Beginn dieser Doppelfolge von "Österreich II" die sich mit der Regierungszeit Bruno Kreiskys befasst. Eine Rekonstruktion der damaligen Ereignisse, spannend wie ein Krimi, belegt mit bis dahin noch nie gezeigten Filmberichten, Dokumenten und Aussagen von Zeitzeugen. Und spannend geht es weiter: Die nächste Wahl 1971 bringt Kreisky prompt die absolute Mehrheit. Die gefestigte Regierung zieht nun große Reformen durch - Familienrechtsreform, Strafrechtsreform, Schulreform, Universitätsreform. Große gesellschaftliche Veränderungen werden damit eingeleitet: Erstmals werden Mann und Frau in der Familie gleichberechtigt, die Abtreibung innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate wird straffrei. Die Fristenlösung führt zu schweren Auseinandersetzungen, insbesondere mit vielen Katholiken und mit der Kirche. Die "Aktion Leben" führt ein Volksbegehren gegen die Fristenlösung durch, das von mehr als einer Million Menschen unterschrieben wird. Überall im Land kommt es zu großen Demonstrationen. Unbestritten ist, dass die Reformen der ersten Kreisky-Jahre große Modernisierungsschübe mit sich bringen, in der Gesellschaft und in der Wirtschaft. Aber es gibt auch immer wieder Aufregung: Der Ausschuss des populären Schistars Karl Schranz von den Olympischen Winterspielen in Sapporo löst helle Empörung aus, führt aber auch zu einem triumphalen Empfang von Schranz in Österreich. Dazu Kreisky im O-Ton: "Das jagt mir kalte Schauer über den Rücken." Aufregung gibt es auch um eine Zwischenlandung des amerikanischen Präsidenten Richard Nixon in Salzburg (auf seinem Weg zu Breschnew nach Moskau). Nixon und dessen Frau werden vom Kanzlerehepaar Kreisky herzlich begrüßt, während Sohn Peter Kreisky, aber auch Günther Nenning, Josef Cap, Zukunfts-Aktivist Robert Jungk und viele andere heftig gegen den "Mörder Nixon" protestieren, der den Krieg in Vietnam fortsetzt. "Österreich II" zeigt die dramatischen Szenen auf dem Salzburger Flughafen. Ein Terroranschlag richtet sich gegen jüdische Emigranten aus der Sowjetunion und löst einen schweren Konflikt zwischen Kreisky und der Ministerpräsidentin Israels, Golda Meir, aus. Der damalige Sekretär von Golda Meir erklärt in dieser Folge von "Österreich II", dass die Ministerpräsidentin Kreisky damals Unrecht getan habe. Hingegen sah sich der damalige Landeshauptmann von Kärnten, Hans Sima, von Kreisky im Stich gelassen, als er die Aufstellung zweisprachiger Ortstafeln in Kärnten anordnete und auch bereit war, diese Maßnahme gegen härtesten Widerstand Deutschkärntner Kreise aufrechtzuerhalten.
Dokumentationsreihe, A 2015
Dauer: 90 min.
Kategorie: Dokumentationsreihe