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"Wunderheiler" Hamer und der Fall Olivia

WIEN. Aufsehen erregte im Juli 1995 der Fall der sechsjährigen krebskranken Olivia, deren Eltern eine schulmedizinische Behandlung ablehnten und sich mit ihrer Tochter in Spanien versteckt hatten.

Fall Olivia

Vater Helmut Pilhar (l.) vertraute auf die Heilung durch den deutschen Mediziner Ryke Geerd Hamer. Bild: (EPA)

Der Tod eines 18-jährigen Mädchens erschüttert die Italiener: Ein Paar hatte seiner krebskranken Tochter die Chemotherapie verweigert, weil es sie nach den Theorien des deutschen Mediziners  Ryke Geerd Hamer behandeln lassen wollte (nachrichten.at berichtete). In Österreich wurde Hamer, Vertreter der sogenannten Neuen Medizin, in den 1990er-Jahren durch den "Fall Olivia" in Österreich bekannt.

1995 hatte sich das Elternpaar Helmut und Erika Pilhar - Anhänger Hamers - geweigert, die krebskranke Tochter Olivia mit Zytostatika behandeln zu lassen. Sechs Kilogramm Tumormasse hatten sich - ausgehend von der rechten Niere - im Bauchraum des kleinen Mädchens angesammelt. Ursache für die Größe der Geschwulst war die dem Kind rund zwei Monate vorenthaltene Chemotherapie.

Dem Paar wurde das Sorgerecht entzogen und der Bezirkshauptmannschaft Wiener Neustadt übertragen. Nach einer Flucht nach Spanien und tagelangen Verhandlungen mit den Eltern nach deren Rückkehr wurde Olivia schließlich ins AKH eingeliefert. Ihre Überlebenschancen betrugen damals in etwa fünf bis zehn Prozent.

Der Tumor drohte die Atmung zu blockieren, weswegen die "Chemo" zusätzlich durch eine Strahlentherapie unterstützt wurde. Nach wenigen Behandlungswochen war die Geschwulst von 6.000 Milliliter auf 450 geschrumpft, Metastasen, die in Lunge und Leber aufgetaucht waren, nicht mehr nachweisbar. So schritt man zur Operation mit anschließender Chemotherapie. Sie gilt heute als geheilt.

Die Eltern wurden später unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt. Auch Hamer wurde mehrmals verurteilt – aber nicht wegen des Falls Olivia.

Der "Fall Olivia" hatte für ein gewaltiges Medienecho gesorgt - und zwar weit über die Grenzen von Österreich hinaus.

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Artikel nachrichten.at/apa 02. September 2016 - 13:28 Uhr
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