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Schweizer Minister spricht sich gegen Sanktionen aus

Von nachrichten.at/apa   03. August 2014 09:24 Uhr

Johann Schneider-Amman (L)

BERN / MOSKAU / BRÜSSEL. Der Schweizer Bundesrat prüft nach Angaben von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann weitere Maßnahmen, damit die Schweiz nicht zur Umgehung von Sanktionen gegen Russland missbraucht wird. Aber eine Übernahme der EU-Sanktionen lehnt Schneider-Amman derzeit ab.

Der Bundesrat stelle sicher, dass die Schweiz nicht als Umgehungsplattform genutzt werden könne, sagte der FDP-Bundesrat im Interview mit der Zeitung "Schweiz am Sonntag". "Das muss bis auf Weiteres unsere Politik bleiben."

Er verweist darauf, dass die Schweiz - vor allem auch wegen der OSZE-Präsidentschaft - ihre Vermittlerdienste in der Ukraine-Krise anbieten wolle und deshalb nicht Partei ergreifen wolle. "Diese Rolle würden wir mit dem simplen Nachvollzug der EU-Sanktionen schwächen." Im Bundesrat zeige sich "große Einhelligkeit" bei Diskussionen zum Thema.

Etwas ändern an der Ausgangslage bezüglich Sanktionen könnte sich nach Schneider-Ammanns Ansicht, falls sich erweisen sollte, dass Russland für den Abschuss von Flug MH17 mitverantwortlich ist. Aber auch dann brauche es eine Gesamtbeurteilung. "Auf die Dauer betrachtet braucht Europa ein geordnetes Verhältnis mit Russland", gibt er zudem zu bedenken.

Der Schweizer Wirtschaftsminister zeigt sich kritisch zu den Sanktionen gegen Russland, die aus seiner Sicht mit den jüngsten Verschärfungen "eine neue Dimension" erreicht hätten. Er warnt auch vor Folgen für die Schweiz: In einem "Dominoeffekt" könnten auch westliche Unternehmen betroffen sein, wenn russische Firmen in Schieflage gerieten. "Das beträfe dann auch unsere Volkswirtschaft."

Auch die von Russlands Präsident Wladimir Putin angedrohte Erhöhung der Energiepreise wäre in der Schweiz indirekt spürbar, da Energiepreise in den Preis für Produkte oder Dienstleistungen eingerechnet würden, sagte Schneider-Ammann. "Am Schluss bezahlt der Konsument." Kostenschübe könnten zudem bereits existierende soziale Spannungen, etwa in Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit, noch verschärfen.

Schneider-Ammann plant im Oktober eine offizielle Reise nach Russland. Ob es dazu kommt, werde er spätestens Ende August definitiv entscheiden, sagte er. "Ich mache die Reise nur, wenn sie unter Abwägung aller wirtschaftlichen, politischen und diplomatischen Aspekten opportun erscheint."

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