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Rumäniens "Roma-König" ist tot

BUKAREST/ANTALYA. Der selbst ernannte "Roma-König" Florin Cioaba, der nach eigenen Angaben eine drei Millionen starke Volksgruppe anführte, ist am Sonntag im Alter von 58 Jahren gestorben.

Am Freitag war er nach einem Herzversagen in der Türkei dort einer Operation unterzogen worden, die laut Medienberichten an sich erfolgreich verlaufen war.

Cioaba hatte seinen offiziell nicht anerkannten Titel von seinem Vater, dem 1997 verstorbenen Bulibascha Ion Cioaba, der sich zum "internationalen Roma-König proklamiert hatte", in dynastischer Manier geerbt. In den 60er Jahren siedelte sich die Familie Cioaba in der zentralrumänischen Stadt Sibiu (Hermannstadt) an, wo Florin nach Roma-Tradition mit erst 14 Jahren heiratete. Auch seine minderjährige Tochter wollte der Roma-König noch zur Heirat zwingen. Unter politischem Druck änderte er jedoch seine Einstellung.

Nach Abschluss eines Seminars wurde er freikirchlicher Pfingstprediger und bekehrte anschließend seine gesamte Familie und große Teile der lokalen Roma-Gemeinschaft. Er leitete das Christliche Roma-Zentrum in Sibiu, im Rahmen dessen er als Lektor tätig war. Wegen seines Reichtums, seiner Ansichten zur Minderheitenpolitik und seiner wirtschaftlich-politischen Beziehungen umstrittene, trug der "Roma-König" zwar bei Zeremonien eine Krone und ein Zepter aus Massivgold und Edelsteinen, betonte jedoch, dass "meine wichtigste Funktion jene eines bescheidenen Boten des Herren Jesus Christus ist". Seine Gemeinschaft blieb im Gegensatz zu seiner Familie äußerst arm und sozial geächtet.

Cioaba plädierte, zumindest unter politischem Druck, gegen die Zwangsheirat Minderjähriger, die Tradition der Goldmünzenketten, durch die Mädchen erkauft wurden, oder die Tätigkeit von Wahrsagerinnen. Er bemühte sich um eine rasche Integration der Roma und kritisierte die sich abwechselnden rumänischen Regierungen wiederholt für ihre seiner Ansicht nach oberflächlichen Integrationsmaßnahmen. Innerhalb seiner Gemeinschaft setzte er sich - auch durch das Beispiel seines eigenen Sohnes - dafür ein, dass die Roma ihre Kinder in die Schule schicken, und setzte zusammen mit seiner Familie Initiativen wie jene der Herstellung der inzwischen weltweit bekannten Roma-Puppen.

Cioaba forderte zudem, dass sowohl die Roma als auch die jüdische Gemeinschaft als Opfer des Holocausts in Rumänien anerkannt werden und verlangte von Deutschland Entschädigungszahlungen für die Vernichtung der Roma in Auschwitz und Birkenau. In einem viel diskutierten Dokumentarfilm trug Cioaba dazu bei, dass durch Holocaust-Überlebende und Archivbilder auf die Verfolgung der Roma in der Nazi-Zeit aufmerksam gemacht wurde.

Cioaba war ab 1996 Kreisratsmitglied in Sibiu und kandidierte im Jahr 2000 für den Bürgermeisterposten. Seine Nähe zu Staatspräsident Traian Basescu wurde in den Medien oft kritisiert. Er war Vizepräsident der Weltorganisation der Roma und Mitglied des Europäischen Roma-Forums. Wirtschaftlich betreibt die Familie Cioaba zahlreiche Firmen, vor allem im Bereich der Metallverarbeitung.

Cioabas Leichnam wird am Montag nach Sibiu gebracht, wo auch die Bestattung stattfinden wird.

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Artikel nachrichten.at/apa 18. August 2013 - 17:35 Uhr
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