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Österreicher und Alkohol: Lebenslanges Trinken

Von nachrichten.at/apa   12. Juni 2013 11:05 Uhr

Bier

WIEN. Dass der Alkoholismus tatsächlich eine Krankheit ist, darüber herrscht in Fachkreisen heute kein Zweifel mehr. Eine Krankheit, die schon rund 360.000 Österreicher betrifft.

Österreicher und der Alkohol: "In Österreich spielt der Alkohol eine extrem große Rolle. (...) Wir sind immer im Spitzenfeld. Da schaffen wir jede Europameisterschaftsqualifikation locker. Zumeist wird der Alkohol ab dem 25./30. Lebensjahr massiv gebraucht - und dann lebenslang bis zu den 70- bis 90-Jährigen." Dies stellte Dienstagabend der Leiter des Anton Proksch Instituts, Michael Musalek, bei einem Presseseminar in Wien fest. Frühdiagnose und modifizierte Behandlungsstrategien sollen in Zukunft mehr Betroffenen helfen.

"750.000 Menschen sind gefährdet. 360.000 Menschen sind tatsächlich alkoholkrank", sagte Barbara Degn von der Österreichischen Gesellschaft für Familien- und Allgemeinmedizin. Den Hausärzten käme vor allem in der Frühdiagnose einer Gefährdung und der Begleitung der Betroffenen entscheidende Bedeutung zu: "Wir kennen die Betroffenen, wir kennen die Familien. Wir haben eine um das 15-fache höhere Kontaktdichte als die spezialisierten Kliniken."
Dafür sei vor allem Zeitaufwand beim Arzt notwendig. Das österreichische Gesundheitswesen gebe in diesem Bereich vergleichsweise wenig aus. Die Allgemeinmedizinerin: "Für 430.000 Diabetespatienten betragen die Gesundheitskosten pro Jahr 1,7 Milliarden Euro oder acht Prozent der Ausgaben. Es gibt 95 Diabetesambulanzen." Da gelte es noch viel aufzuholen, was die Betreuung von Alkoholgefährdeten und Alkoholkranken (fünf Prozent der Bevölkerung) angehe.

Rund 750.000 Gefährdete

Eine Möglichkeit eröffnet sich mit der neuen amerikanischen Einteilung für psychische Erkrankungen (DSM-5), der auch in die internationale Einteilung der Krankheiten (ICD-Code) mehr oder weniger übernommen werden dürfte. Da wird der problematische Alkoholkonsum mit den in Österreich rund 750.000 Gefährdeten als Frühstadium der Alkoholkrankheit eingestuft. Das gibt die Möglichkeit zu einer früheren Diagnose und einem früheren Eingreifen. Musalek: "Je früher die Erkrankung diagnostiziert wird, desto besser sind die Heilungschancen. Wir haben rund 70 Prozent Heilungsraten, wenn jemand in Behandlung bleibt." Das Problem liege bei den Abbrechern. Doch auch da lägen die spontanen Heilungsraten noch bei zehn Prozent.

Der Experte: "Die Internisten wären stolz, wenn sie bei ihren chronischen Erkrankungen (Diabetes, Bluthochdruck etc.) Spontanheilungsraten von zehn Prozent hätten. Was unsere Patienten wollen, ist ein kompetenter Gebrauch des Alkohol. Im Frühstadium haben wir dazu noch eine gute Möglichkeit, das zu vermitteln." Totale Abstinenz bleibe in späteren Stadien unumgänglich, sei aber in früheren Stadien aber nur die zweitbeste Wahl. In Zukunft soll - auch in Österreich - ein Medikament, eigentlich auf der Basis älterer Beobachtungen, vor allem Gefährdeten Patienten mit hohem Alkoholkonsum ohne körperliche Abhängigkeit helfen, die Trinkmengen zu reduzieren.

Einen Schnelltest, ob man selber gefährdet ist, finden Sie hier.

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