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Missbrauch in Diözese Graz: Opfer wollte Schweigegeld

Von apa/nachrichten.at   24. Februar 2010 11:48 Uhr

In der Steiermark ist ein Fall von mutmaßlich mehrfachem sexuellen Missbrauch durch einen Pfarrer aus den 1970er Jahren bekannt geworden, von dem die Diözese Graz-Seckau wusste. Allerdings sei seitens des einen bekannten Opfers nie eine Schmerzensgeld-, wohl aber eine Schweigegeldforderung gestellt worden.

Der Fall, der einen bereits verstorbenen Pfarrer und Religionslehrer aus dem Stift Admont betrifft, wurde über ein heute 46 Jahre altes Missbrauchsopfer in der „Kleinen Zeitung“ aufgerollt. Nach Angaben des Mannes sei es auf einem Jugendlager auf der Alm zu den Übergriffen gekommen, ihm seien mindestens zehn weitere Opfer bekannt. Weil er von den anderen wie auch von den eigenen Eltern keine Unterstützung fand, habe er Jahrzehnte geschwiegen.

Abt und Bischof wussten Bescheid

Sowohl der heutige Abt von Admont, Bruno Hubl, als auch Diözesanbischof Egon Kapellari bestätigten, Kenntnis von dem Fall und den Vorwürfen zu haben. Allerdings, so wird Hubl zitiert, habe das Opfer ihm gegenüber von dritten Personen gesprochen. Ähnliches berichtet auch Birgit Posch-Keller von der Ombudsstelle der Diözese: Der Mann habe 2007 Kontakt aufgenommen, sich aber nie selbst als Opfer zu erkennen gegeben. Er überlege, ein Buch über ihm bekannte Missbrauchsfälle zu schreiben und habe gemeint, „er könne sich die Mühe und der Kirche den Skandal ersparen, wenn sie bereit sei zu zahlen“.

Opfer forderte eine Millione Euro

Die Forderung nach einer Million Euro sei zurückgewiesen worden, angeboten sei ihm eine Psychotherapie worden. „Der Vorschlag des Beschuldigers, ein Schweigegeld zu bezahlen, wurde von uns als unmoralisch zurückgewiesen. Wir kehren nichts unter den Teppich, dürfen uns aber zum Schutz aller Beteiligter auch nicht unter Druck setzen lassen“, erklärte dazu der Bischof.

Kapellari bekannte sich grundsätzlich dazu, alles tun zu wollen, um Schaden wieder gut zu machen. Der Bischof meinte außerdem, die Bischöfe würden bei der nächsten Bischofskonferenz selbstverständlich über das Thema beraten. Bereits vor Jahren eingeführte Schutzmaßnahmen wie Ombudsstellen würden überprüft und verbessert. Er, Kapellari, halte übereinstimmende Standards für alle kirchlichen Institutionen für geboten. Schon vor einigen Tagen hatte Kapellari in der „Kathpress“ gemeint, die Kirche müsse lernen, mit Fällen sexuellen Missbrauchs „ehrlich und ohne falsche Rücksichtnahme“ umzugehen. Der Missbrauch sei „eine tiefe Wunde“.

15 Fälle seit 1996 bekannt

Wie die Psychotherapeutin Posch-Keller sagte, seien seit 1996, der Einrichtung der Ombudstelle, 15 Fälle behandelt worden, in etwa der Hälfte sei es um Kindesmissbrauch gegangen. Bei den meisten seien wiederum Internate die Schauplätze gewesen. Gemeinsam sei allen Fällen, dass sie 40 bis 50 Jahre zurücklägen. Dass sich die aktuelle Situation verbessert habe, sei zu hoffen, „die Hand ins Feuer legen“ würde sie dafür aber nicht. Das Thema sei noch immer gesellschaftlich tabuisiert und der Widerstand, mit denen redende Opfer zu rechnen hätten, auch in kirchlichen Gemeinden groß.

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