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Migranten benachteiligt

Von apa/nachrichten.at (cs)   15. Oktober 2009 12:29 Uhr

Migranten

WIEN. Migranten-Kinder haben es am heimischen Arbeitsmarkt trotz gleicher Ausbildung deutlich schwerer als Inländer. In Österreich und Deutschland bekommen das vor allem Höherqualifizierte sehr stark zu spüren. In der Schweiz hingegen gelingt die Arbeitsmarktintegration der "zweiten Generation" vergleichsweise gut. Dies ergab eine international vergleichende OECD-Studie, die heute, Donnerstag, in Paris vorgestellt wurde.

Besonders groß ist der Abstand zwischen Migranten-Kindern und Inländern bei Akademikern und Absolventen einer höheren Berufsausbildung. "Dieser Befund überrascht, da beide Gruppen ihre Bildungsabschlüsse in der Regel im Inland erworben haben. Eine Erklärung könnte sein, dass in Deutschland und Österreich auf dem Arbeitsmarkt die Erwartung vorherrscht, dass Migranten und deren Nachkommen eher gering qualifiziert sind. Bildungserfolge von Migranten und deren Nachkommen werden entsprechend noch nicht ausreichend honoriert", so der OECD-Migrationsexperte und Studienautor Thomas Liebig.

Der Anteil der Geringqualifizierten unter Einwanderer-Kindern ist deutlich überrepräsentativ. In Österreich ist unter den 20- bis 29-Jährigen mit Migrationshintergrund der Anteil der schlecht Ausgebildeten ohne Matura oder abgeschlossener Berufsausbildung dreimal so hoch wie in der gleichen Altersgruppe ohne Migrationshintergrund. In Deutschland ist der entsprechende Anteil doppelt so hoch.

Auch bei den PISA-Studien zeige sich laut Studie ein ähnliches Bild: Der hohe Anteil an gering qualifizierten Jugendlichen mit Migrationshintergrund korrespondiere in Österreich und Deutschland mit den schwachen schulischen Leistungen dieser Gruppe. In Deutschland dürfte jedoch das Berufsbildungssystem die schulischen Defizite etwas auffangen, denn der Rückstand bei den Ausbildungsabschlüssen sei geringer, als der Rückstand von Migrantenkindern bei der PISA-Studie erwarten ließ. Anders verhält es sich hingegen in Österreich: Hier führen große schulische Defizite zu noch größeren Defiziten bei der Berufsausbildung.

Schweiz ist Vorreiter

Anders ist die Situation in der Schweiz: Hier zeigt die PISA-Studie bei Migranten-Kindern ebenfalls schulische Defizite. Allerdings ist der Anteil der Geringqualifizierten bei Einwanderer-Kindern genauso groß wie bei den Inländern.

In den meisten Ländern, vor allem aber in Belgien, Frankreich und den Niederlanden, gibt es für gering qualifizierte Einwanderer-Kinder im Vergleich zu Personen mit ähnlichem Abschluss ohne Migrationshintergrund große Probleme am Arbeitsmarkt. In Österreich und Deutschland hingegen seien diese Niedrigqualifizierten dagegen vergleichsweise gut in den Arbeitsmarkt integriert, heißt es in der OECD-Studie.

Besonders häufig sind Einwanderer-Kinder im Handel und im verarbeitenden Gewerbe beschäftigte. Deutlich unterrepräsentiert sind sie dagegen in Deutschland in der öffentlichen Verwaltung.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verglich in der Studie erstmals Daten aus 16 OECD-Ländern zur Arbeitsmarktintegration von Migrantenkindern. Die beiden Studienautoren sind Thomas Liebig und Sarah Widmaier.

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