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Lokführer streiken deutschlandweit

Von nachrichten.at/apa   18. Oktober 2014 21:10 Uhr

Deutsche Bahn Streik
 

BERLIN. Die deutsche Lokführergewerkschaft GDL hat mit einem 50-stündigen Streik die Reisepläne von Millionen Bahnkunden durchkreuzt. Tausende Mitglieder beteiligten sich seit dem frühen Samstagmorgen an dem Ausstand, mit dem die Deutsche Bahn zum Einlenken im Tarifkonflikt bewegt werden soll.

Der Staatskonzern legte einen Notfahrplan auf und konnte nach eigenen Angaben zunächst 30 Prozent der Fernverkehrszüge auf die Gleise schicken. Die Sicherung des Verkehrs auf Hauptlinien sei gelungen, erklärte die Bahn. Der Verkehr sei zwar eingeschränkt, aber stabil. Auf einigen Nebenstrecken führen jedoch keine oder nur wenige Züge. Ersatzverkehr gebe es zum Teil mit Bussen. Von dem Streik sind auch Regionalzüge, S-Bahnen, der Güterverkehr und einige Sonderzüge zu den Bundesliga-Fußballspielen betroffen.

Die Bahn wollte den Ausstand am Freitag noch mit einem neuen Angebot verhindern. Die GDL sprach jedoch von einem "mediengerechten Scheinangebot" und hielt am Arbeitskampf fest.

GDL-Chef Claus Weselsky erklärte, die zahlreichen Zugausfälle und eine hohe Streikbeteiligung unter den Lokomotivführern und Zugbegleitern zeigten sehr deutlich, dass das Zugpersonal in hohem Maße solidarisch sei und stehe in der Auseinandersetzung fest zusammenstehe. "Der Versuch der Deutschen Bahn, die Beschäftigen durch das unablässige Werfen von Nebelkerzen zu spalten, ist erneut kläglich gescheitert." Unabhängig vom Arbeitskampf sei die GDL aber jederzeit zu Hintergrundgesprächen bereit. Ab Montagmorgen 04.00 Uhr soll die Arbeit wieder aufgenommen werden.

Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn im Jahr bei kürzeren Arbeitszeiten. Kern des Konflikts ist aber, dass sie dies nicht mehr allein für die 20.000 Lokführer fordert, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Die Vertretung dieser Gruppe beansprucht aber die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für sich. Die Bahn lehnt konkurrierende Tarifabschlüsse ab. Ansonsten gäbe es für eine Berufsgruppe verschiedene Regeln für Bezahlung, Pausen und Schichten, sagte Bahnsprecher Achim Stauß.

Ein Streiktag kostet Millionenbetrag

Der Zeitpunkt des Streiks ist für viele Reisende besonders problematisch: An diesem Wochenende begannen in sieben deutschen Bundesländern die Herbstferien, während sie in Nordrhein-Westfalen und Thüringen enden. Bahnsprecher Stauß sagte, Millionen Menschen seien mit Kindern und Gepäck unterwegs. Tausende Mitarbeiter seien zusätzlich im Einsatz, um sich um Kunden zu kümmern. Die Bahn stellte auch Züge unter anderem in Frankfurt, Berlin, München und Hamburg zur Verfügung, in denen Reisende übernachten könnten. Noch ist unklar, welche finanziellen Belastungen genau auf den Konzern zukommen. Personalvorstand Ulrich Weber: "Ein Streiktag kostet schnell einen einstelligen Millionenbetrag."

Kritik am Vorgehen der GDL kommt auch von der EVG. Der Ausstand diene nicht dazu, Tarifforderungen zu untermauern, sagte der stellvertretende EVG-Chef Klaus-Dieter Hommel im WDR. Vielmehr handele es sich um eine "Mitgliederwerbeaktion". Ein Ende des Konfliktes ist nach seinen Worten nicht in Sicht. "Ich gehe davon aus, dass die Situation leider noch weiter eskalieren wird in den nächsten Tagen."

Das Auto dürfte für viele Reisende kaum eine Alternative sein. Wegen der Ferien warnen die Automobilclubs vor zahlreichen Staus, die wegen des Bahnstreiks noch umfangreicher werden dürften. Viele Reisende versuchten zudem auf Fernbusse auszuweichen. Deren Internetseiten waren zeitweise überlastet. Der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer, Matthias Schröter, sagte, es gebe deutlich mehr Anfragen als freie Plätze.

Die Bahn hatte Stauß zufolge am Freitag das fünfte Angebot in dem Konflikt vorgelegt und vorgeschlagen, die Löhne um fünf Prozent zu erhöhen und einen Einmalbetrag zu zahlen. Der Tarifvertrag soll nach Bahn-Vorstellungen eine Laufzeit von 30 Monaten haben. "Dieses Angebot ist abgeschmettert worden, ohne auch nur eine Minute mit uns zu reden", beklagte er. Die GDL-Führung habe jedes Maß verloren.

Die deutsche Bundesregierung will mit einem neuen Gesetz verhindern, dass es in Betrieben unterschiedliche Tarifverträge für einzelne Berufsgruppen gibt. Einen Entwurf will Arbeitsministerin Andrea Nahles im November vorlegen. Eine Lösung gilt als kompliziert, weil in Deutschland die Tarifautonomie im Grundgesetz garantiert ist. Nahles hatte sich zuletzt zuversichtlich gezeigt, einen Kompromiss zu finden, der auch vom Verfassungsgericht gebilligt würde.

Neben der Deutschen Bahn ist auch die Lufthansa von einem großen Tarifstreit betroffen. Piloten der Tochter Germanwings legten zuletzt am Donnerstag ihre Arbeit nieder. Die Spartengewerkschaft Vereinigung Cockpit kämpft gegen die Pläne der Konzernleitung für einen Ausbau der Billigableger sowie für die Beibehaltung einer Frührentenregelung für das Cockpitpersonal.

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