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Hirscher holte Gold in der Kombination

Von nachrichten.at/apa   08. Februar 2015 23:17 Uhr

Dritter WM-Titel fŸür den Salzburger
Marcel Hirscher

VAIL. Marcel Hirscher hat bei der Ski-WM in Vail/Beaver Creek die Goldmedaille in der Alpinen Kombination gewonnen und Österreich im fünften Rennen die vierte Medaille beschert.

Einen Tag nach der ÖSV-Abfahrts-Schlappe gewann der Salzburger nach einer famosen Abfahrt und Slalom-Bestzeit 0,19 Sek. vor Kjetil Jansrud Gold. US-Titelverteidiger Ted Ligety wurde Dritter, Pechvogel Romed Baumann Vierter.

Lange hatte Slalom-Weltmeister Hirscher gezweifelt, ob ein Start in der WM-Kombination sinnvoll sei. Selbst am Tag der Nominierung hatte sich der 25-Jährige selbst noch als "chancenlos" bezeichnet. Doch am Tag X lief vor den Augen seiner Freund Laura und Bruder Leon alles zusammen für Hirscher.

Nach Platz 30 in der Abfahrt sorgte er bei strahlendem Sonnenschein für die bisher größte Aufholjagd in einer WM-Kombination und carvte trotz 3,16 Sekunden Rückstand auf Jansrud dank Slalom-Bestzeit noch zum Sieg. Hirscher, der im Weltcup noch keine Kombi gewonnen hat, ist zehn Jahre nach Benjamin Raich nun der nächste österreichische Kombi-Weltmeister.

Es war Hirschers bereits fünfte Medaille und die erste von vier möglichen für ihn bei der WM 2015. Nächster Auftritt ist der Team-Bewerb am Dienstag, ehe mit Riesentorlauf und Slalom seine besten Disziplinen kommen. Weil drei der bisher vier ÖSV-Medaillen in Vail aus Gold sind, führt "Austria" nach fünf von elf Bewerben im Medaillenspiegel klar.

"Ich bin fertig mit den Nerven. Unglaublich, ich hätte mir nie vorstellen können, dass das funktioniert", jubelte Hirscher, als sein Triumph nach einer einsündigen Zitterei feststand. "Heute hat einfach alles perfekt mitgespielt", sagte er.

Hirscher hatte sich in der Abfahrt mit seiner bisher besten Leistung auf der "Birds of Prey" eine sehr gute Ausgangsposition erarbeitet. Bei 3,16 Sekunden Rückstand auf den norwegischen Speed-Dominator Jansrud aber nur 0,52 Sek. auf Topfavorit Alexis Pinturault hatte der vorher noch so skeptisch gewesene Österreicher plötzlich alle Chancen.

Dazu kam, dass sich mit dem französischem Wengen-Zweiten Victor Muffat-Jeandet ein starker Konkurrent schon in der Abfahrt verabschiedet hatte. Das alles entscheidende Ereignis war aber der schwere Sturz von Ondrej Bank in der Abfahrt.

Der mit der 25. Zeit bewusstlos ins Ziel gerutschte Tscheche wurde wegen eines Torfehlers disqualifiziert, Hirscher rückte damit in der Abfahrtswertung von 31 auf 30 vor und bekam wegen der umgedrehten Startreihenfolge der Top-30 damit im Slalom die Eins. "Mir wäre lieber, er hätte sich nicht wehgetan. Nie würde ich das tauschen", gab sichHirscher sportlich.

Bei fast zehn Grad plus auf fast 3.000 Meter Seehöhe war die Nummer eins bei der am Nachmittag auf bereits sehr "griffigen" Piste fallenden Entscheidung aber optimal. "Ein Riesenvorteil", gestand Hirscher-Coach Michael Pircher ein. "Marcel muss trotzdem alles auf eine Karte setzen und voll riskieren", sagte er vor dem Slalom.

Das tat Hirscher dann auch. Dem Salzburger "Testpiloten" gelang zwar im vom Schweizer Coach Jörg Roten für Beat Feuz und Carlo Janka sehr flüssig gesetzten "Speed-Slalom" (Hirscher) kein fehlerfreier Lauf, aber sofort nach ihm blieben Asse wie Ligety und der kroatische Olympia-Zweite Ivica Kostelic klar zurück.

Der Reihe nach bissen sich auch Asse wie Pinturault und Silvan Zurbriggen die Zähne an der Hirscher-Zeit aus. Nach den ersten 15 führte Hirscher vor Ligety und Pinturault.

"Ich habe voll riskiert und einen Fehler eingebaut, der Rest war aber gut", erklärte Hirscher da. "Ich trau mich zwar nichts zu sagen, aber ich habe mir keinen Vorwurf zu machen. Ich habe ihn voll runtergetreten, alles probiert und gegeben."

Pech für Baumann

Die Podest-Reihung Hirscher, Ligety, Pinturault war auch gegeben, als es auf bereits tiefen Spuren in die Entscheidung ging. Als auch Wengen-Sieger Janka trotz 1,99 Sek Vorsprung zurück blieb, zeichnete sich eine Medaille für Österreich ab, denn danach kamen Mayer und Baumann. Abfahrts-Olympiasieger Mayer war auf der "Slalom-Bobbahn" chancenlos, Baumann fuhr hingegen bärenstark zunächst auf Platz drei und stieß Pinturault vom Podest.

Nur noch drei standen da am Start. Als Jared Goldberg (USA) mit großem Rückstand ins Ziel kam, war die Hirscher-Medaille fix. Feuz verlor trotz 3,07 Sekunden Vorsprung alles und wurde auf Platz 14 durchgereicht. Jansrud behielt hingegen die Nerven und sicherte sich Platz zwei. "Damit bin ich brutal zufrieden", sagte der Norweger, der sich mit Hirscher auch um den Weltcup-Gesamtsieg matcht.

Nicht nur in der Gold-Wertung liegt Österreichs Ski-Team ganz klar voran. Neben dreimal Gold und einmal Silber gab es für den ÖSV auch schon viermal den ungeliebten vierten Platz. "Ich hatte es selbst in der Hand, es zu richten", sagte der Tiroler, der dennoch stolz auf seine Leistung war.

In der Kombi-Abfahrt war der WM-Kombi-Dritte 2013 lange Zeit auf Kurs Richtung Bestzeit gelegen. Ein schwerer Fehler im unteren Teil kostete dann aber mehrere Zehntel. Zehntel, die dem 29-Jährigen unterm Strich schmerzhaft abgingen. Am Ende fehlten 0,08 Sekunden auf den drittplatzierten US-Amerikaner Ted Ligety, der Rückstand auf seinen Landsmann und Goldgewinner Marcel Hirscher betrug 0,38 Sekunden.

"Wenn Baumann diesen Fehler nicht macht, dann ist er sogar ein Anwärter auf Gold. Es tut mir wirklich sehr leid für ihn, er ist super gefahren", meinte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. Auch Baumann selbst wusste: "Es waren weit mehr als die Hundertstel relativ leicht zu finden. Aber im Nachhinein ist man immer gescheiter. In zwei Tagen interessiert niemanden mehr, dass ich einen Fehler gemacht habe."

Im Slalom konnte sich Baumann dann gar nichts vorwerfen. "Das war ein Top-Slalom für einen Abfahrer, der in diesem Winter vier Tage Slalom trainiert hat. Ich hab mich wirklich nicht verstecken müssen." Unterm Strich habe er "eine sehr gute Leistung abgeliefert". "Ich habe an diesem Tag zu den besten Skifahrern am Berg gezählt, darauf bin ich stolz. Im Endeffekt wurde es Platz vier, es gibt schlimmere Sachen im Leben", so Baumann.

Für den Allrounder aus Hochfilzen ging damit eine eher unglückliche WM zu Ende. Davor hatte er in der teaminternen Qualifikation für die WM-Abfahrt den Kürzeren gezogen. Vor Baumann hatten in Vail/Beaver Creek auch schon Matthias Mayer (Super-G), Nicole Schmidhofer (Abfahrt) und Cornelia Hütter (Super-G) Platz vier belegt.

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