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Haiti: Banditen plündern die Stadt

Von nachrichten/apa   15. Januar 2010 13:07 Uhr

Erdbeben Haiti

PORT-AU-PRINCE. Tag drei nach dem Erdbeben in Haiti. Nur wenige internationale Helfer sind in den verwüsteten Straßen von Port-au-Prince zu sehen.

Dominikaner, Franzosen und Mitarbeiter von US-Organisationen stehen vor riesigen logistischen Hindernissen bei der Bergung von Opfern und der Verteilung von Nahrungsmitteln. Vor allem erschweren bewaffnete Banden und Plünderer ihre Arbeit. „Das größte Problem ist die Unsicherheit“, sagt Delfin Antonio Rodriguez, Chef des Zivilschutzes der Dominikanischen Republik. „Gestern wäre uns fast ein Lastwagen gestohlen worden“, berichtet Rodriguez.

Deswegen hätten die Helfer aus dem Nachbarland im Ostteil der Karibikinsel Hispaniola heute an bestimmten Orten nicht mehr arbeiten können. „Es gibt Plünderungen und bewaffnete Menschen, weil Haiti ein sehr armes Land ist und die Menschen verzweifelt sind“, beschreibt Rodriguez die Situation. Weil die wichtigsten Krankenhäuser zerstört oder beschädigt sind, müssten die Helfer ein Feldlazarett unter freiem Himmel aufbauen.

Doch wegen der schlechten Sicherheitslage und möglicher Plünderungen sei das momentan unmöglich, beklagt Rodriguez: „Wenn wir das Lazarett in der Nacht aufbauten, wäre es am nächsten Morgen nicht mehr da“, befürchtet er. Der Stellvertreter von Rodriguez bemängelt die fehlende Koordination der Hilfseinsätze mit den örtlichen Behörden. „Wir können nicht unsere gesamte Ausrüstung hierher transportieren und in Port-au-Prince gibt es nichts mehr“, sagt Jose Cavallo.

„Alles braucht viel mehr Zeit.“ Durch das Erdbeben wurde praktisch die komplette Infrastruktur zerstört, es gibt kaum Ansprechpartner für die Helfer. Während es die beiden Dominikaner schafften, sehr schnell nach Port-au-Prince zu kommen, sitzt ein Großteil der internationalen Helfer derzeit am Flughafen der Hauptstadt fest. Der Luftraum über Haiti ist angesichts der vielen Hilfslieferungen überfüllt. „Hilfe trifft ein, aber sie kann nicht verteilt werden“, sagt Rodriguez.

Die Anweisungen für die Helfer sind sehr strikt. Die Rettungskräfte müssen unbewaffnet sein und können daher aus Angst vor Angriffen nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr arbeiten. Das dominikanische Team wird zwar von bolivianischen Soldaten der UN-Blauhelmmission in Haiti (MINUSTAH) geschützt. Die Blauhelmsoldaten verhinderten auch, dass bestimmte Häuser oder gar Leichen geplündert würden, sagt ein Blauhelmsoldat.

Doch auch die MINUSTAH ist unbewaffnet - „manchmal wäre es besser“, Waffen zu haben, sagt der Bolivianer. Unter widrigen Umständen bargen die Dominikaner am Donnerstag 17 Überlebende aus den Trümmern, Dutzende weitere Opfer konnten nur noch tot herausgezogen werden. Sobald die Helfer auftauchen, werden sie sofort von verzweifelten Männer und Frauen umringt, die Verletzte zu ihnen bringen.

Andere wollen sie zu einer eingestürzten Schule führen, wo sie Hilferufe aus den Trümmern gehört haben. „Wir werden versuchen, morgen in aller Früh hierher zu kommen, aber jetzt ist es zu gefährlich“, sagt ihnen ein dominikanischer Feuerwehrmann. Und rät den Menschen noch, sie sollten in der Zwischenzeit versuchen, den Verschütteten wenigstens ein bisschen Wasser zu reichen.

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