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Gery Keszler am Life Ball: "Habe mich mit HIV infiziert"

Von nachrichten.at/apa/nieg   17.Mai 2015

Eröffnung Lile Ball Gery Keszler
Life Ball-Organisator Gery Keszler im Rahmen der Ersöffnung des "Life Ball" am Samstag am Wiener Rathausplatz.

Mag der Life Ball noch so schrill sein, spätestens bei der Rede von Organisator Gery Keszler am Samstagabend ist der tatsächliche Hintergrund des Events für alle Besucher greifbar geworden. Völlig unerwartet berichtete Keszler unter Tränen davon, sich selbst in Australien in seinen 20ern mit dem HIV-Virus infiziert zu haben. "Ich war einer der ersten in Österreich, der sich mit Aids infiziert hat", sagte er.

"Will Betroffenen Mut machen"

Mit jedem, der ihn gefragt hat und der ihm wichtig war, habe er "offen und ehrlich" darüber gesprochen. "Es hat sich nichts Großartiges geändert", sagte Keszler.

Warum er gerade jetzt die Erkrankung bei einem breiten Publikum öffentlich gemacht hat, lag an dem unerwarteten Tod von Horstl, eines Freunds, der jahrelang am Life Ball gearbeitet hat. "Ich denke, ich war im Vorfeld des Life Balls emotional durch die Beerdigung vor zwei Wochen. Weil hier ein Mensch aus meinem Umfeld einen so sinnlosen Tod gestorben ist. Heute braucht keiner mehr an Aids sterben", sagte Keszler später gegenüber der APA.

Denn viele Menschen würden aufgrund ihrer Krankheit ausgegrenzt, benachteiligt und in Scham leben. Doch für Menschen mit HIV ist eine regelmäßige Medikamenteneinnahme enorm wichtig. "Die Medizin hat hier so wahnsinnig viel erreicht", sagte Keszler. "Aber diese Dinge passieren nach wie vor, nicht nur in Asien, Afrika und Lateinamerika, sondern auch in Österreich. Es war schlimm, dass es jemand aus der Life-Ball-Community war."

"Es ging mir nicht darum zu sagen, ihr müsst mir helfen, ich bin betroffen", erklärte Keszler. "Ich bin Obmann eines Vereins (der Verein Aids Life steht hinter dem Life Ball, Anm.). Mein Privates soll nicht die Spielregel für den Life Ball sein."

Nach seiner Rede bekam er "enorm viele liebe Messages". Auch während des Interviews kamen immer wieder Ballbesucher zu ihm und gratulierten ihm zu seinen Worten. "Wir hatten Tränen in den Augen", sagte etwa ein junger Mann im Ritterkostüm.

Es gehe ihm gut mit seiner Krankheit. Und: "Ich will den Betroffenen Mut machen." Ob er kommendes Jahr die Gala brauche, wisse er nicht, doch er dankte den Gästen für die enorme Unterstützung. Damit habe er die Gala in der Hofburg gemeint, stellte Keszler im Anschluss beim Radio-Interview klar. "Egal, was man ist (...), herzlich willkommen beim Life Ball", rief er weiter unter tosendem Applaus. Viele Besucher hatten die Rede aber gar nicht mitbekommen.

Angesichts dieser sehr emotionalen Rede sind nachfolgende Reden anwesender Promis in den Hintergrund gerückt. Dies habe er mit seinem überraschenden Outing aber nicht beabsichtigt, sagte der langjährige Life-Ball-Organisator. Er habe sich selbst nie in den Vordergrund rücken wollen, sagte Keszler in einem anschließenden Radio-Interview. Er wolle nicht "Opferlamm" sein oder die "Karte ausspielen, ihr müsst mir helfen". Seine Rede über die eigene Aids-Infizierung sei aber eine "logische Reaktion" gewesen.  Es gehe ihm darum, den Menschen "begreiflich zu machen, dass eine unfassbare Ignoranz noch immer existiert". 

Ob das Outing für ihn selbst überraschend kam? Er habe "spontan entschieden", es zu thematisieren, sagte Keszler.  "Für mich war nichts surprising", sagte Keszler. "Ich mache immer alles spontan." Auf die Reaktionen auf seine sehr emotionale Rede angesprochen, gab der Life-Ball-Organisator an, dass "zuerst einmal Schweigen auf meinem Handy" geherrscht habe. Sein Freund sei "total ausgeflippt", dass er ihm im Vorfeld nichts über die Rede gesagt habe. Dies sei aber seine, Keszlers, Sache, sagte er. 

"Unerwartete Katastrophe"

Keszler widmete den Ball dem erst kürzlich an Aids verstorbenen Freund Horstl, ein langjähriger Mitarbeiter des Life Ball-Teams, dessen Tod für Keszler eine "unerwartete Katastrophe" war. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich 2015 den Ball einem Freund widmen muss. Den goldenen Life Ball widme ich dir, Horstl!", sagte Keszler.

Das Charity-Event, das seit Jahrzehnten enorme Geldsummen für die Aidshilfe sammelt, ist Samstagabend in seiner 23. Ausgabe gewohnt opulent über die Bühne gegangen. "Viele lieber wäre es mir, dass das Fest gar nicht notwendig ist, weil wir Aids besiegt haben", sagte Keszler.

Prominente Gäste

An der fulminanten Eröffnungsshow unter den nachgebauten Kuppel der Wiener Secession unter dem Motto "Ver Sacrum" haben Stars wie Charlize Theron, ihr Verlobter Sean Penn, Sängerin Mary J. Blige, Brigitte Nielsen und Kelly Osbourne teilgenommen. Nielsen und Penn haben erst kurz vor dem Event zugesagt. Beide waren Teil der Eröffnungsshow, Nielsen trat als Mars in Erscheinung, Penn als Repräsentant der Aidshilfeorganisation Clinton Health Access Initiative (CHAI). Bill Clinton konnte in diesem Jahr aufgrund des Wahlkampfs seiner Frau nicht dabei sein. Dafür reisten aber erneut Schauspielerin Carmen Electra, Burlesque-Tänzerin Dita von Teese und zum ersten Mal Sängerin Paula Abdul zu dem Charity-Event nach Wien.

Eine Woche vor dem in Wien stattfindenden Song Contest bezauberte auch Vorjahresgewinnerin Conchita Wurst erneut auf der Life Ball-Bühne mit "You are unstoppable". Die Interpretin wurde mit tosendem Applaus der Zuseher begrüßt. "Ich bin ein Kind des Life Balls", sagte Wurst im Anschluss.

Zum Thema "Gold" in Anlehnung an "Ver sacrum", dem Leitbild der Wiener Secessionisten, lud die Eröffnung zu einer historischen Reise durch den Klimt'schen Beethovenfries. Dazu diente die Nachbildung der Secession als Bühne. 200 Debütanten - die Damen mit opulenten Blätterhüten, die Herren in goldenen Masken - zogen mit brennenden Fackeln über den Magenta Carpet. Für ihren Auftritt zeichnete sich erneut Thomas Schäfer-Elmayer und Dominik Truscher verantwortlich.

Durch den Abend führte Moderatorin Alice Tumler, flankiert von dem irischen Comedian Graham Norton sowie Kabarettist Andreas Vitasek und Schauspieler Jürgen Maurer, die in verschiedenste Rollen schlüpften. So spielte etwa "Vorstadtweiber"-Star Maurer bei der Verleihung des mit 100.000 Euro dotierten Preises "Crystal of Hope" den Tod und ließ sich in einer Kutsche, gezogen von einem schwarzen Lipizzaner vom Rathausplatz kutschieren.

Die Auszeichnung, die vom Tiroler Kristallkonzern gestiftet und von Nadja Swarovski sowie Opernsänger Juan Diego Florez und Dita von Teese überreicht wurde, ging an die vom britischen Prinzen Harry von Wales und Prinz Seeiso von Lesotho gegründete Organisation "Sentebale", das Hirtenbuben eine Ausbildung ermöglicht. Prinz Seeiso kam persönlich nach Wien, um bei der Auszeichnung dabei zu sein, Prinz Harry ließ sich entschuldigen, schickte jedoch eine Videobotschaft.

R&B-Interpretin Mary J. Blige überraschte mit dem U2-Hit "One", ehe die vom französischen Modedesigner Jean Paul Gaultier gestaltete Modeschau über die Bühne ging. Der Designer richtete exakt 20 Jahre nach seinem ersten Auftritt im Jahr 1995 erneut die Schau bei der Eröffnung aus.

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