Lade Inhalte...

Aktuelle Meldungen

Forscher: Selfies sind beachtenswerte kulturelle Praxis

Von nachrichten.at/apa   22. April 2015 09:28 Uhr

BRITAIN-ELECTION/
Besonders beliebt sind Selfies mit Prominenten

MARBURG. Millionen Menschen lichten sich per Smartphone selbst ab und teilen ihre Fotos mit der Welt. Warum? Das fragen sich auch Wissenschafter und nehmen an der Universität Marburg in Hessen das Selfie-Phänomen unter die Lupe.

Auf einem internationalen Kongress werden am Donnerstag und Freitag (23./24. April) Herkunft, Bedeutung und weitere Entwicklung der Schnappschüsse diskutiert. Denn das sei "nicht einfach nur irgendein vorübergehender Hype der Netzkultur, sondern eine beachtenswerte kulturelle Praxis".

"Selfies gibt es ja schon länger", sagt Jens Ruchatz, Medienwissenschaftler und Mitorganisator der Tagung. Doch erst seit etwa 2012/2013 seien sie ein viel beachtetes Medienphänomen. Laut einer US-Medienpsychologin sind digitale Selbstbildnisse unter dem Namen Selfie erstmals 2004 im Internet aufgetaucht.

"Zur Popularität hat sicherlich auch beigetragen, dass es das Oxford Dictionary zum Wort des Jahres 2013 gemacht hat, sowie das "Oscar-Selfie" - dass also Stars diese Praxis übernommen haben", sagt Medien-Professor Ruchatz. Dieses Bild, auf dem sich Hollywood-Stars wie Julia Roberts, Brad Pitt und Jennifer Lawrence knubbeln, teilte die Internetgemeinde millionenfach.

Bislang gebe es nur wenige Forschungsarbeiten zum Thema, sagt Ruchatz. Deshalb soll es bei der Konferenz, zu der fast 30 Wissenschaftler unter anderem aus Kanada, Israel und Italien erwartet werden, erst einmal um Grundlegendes gehen.

Etwa: Sind Selfies einfach nur eine neue Form des Selbstporträts? "Man kann natürlich Selbstporträts als Vorläufer betrachten", meint Ruchatz. "Aber haben Selfies wirklich noch etwas damit zu tun? Es geht hier weniger um ein gültiges Bild einer Persönlichkeit als um den Akt der Kommunikation, indem ich das Bild und meine Erfahrungen unmittelbar mit anderen teile."

Eine andere Frage wäre: Sind die Eigen-Fotos nur etwas für Selbstdarsteller? "Typisch ist es, ein neues Medium erst einmal zu pathologisieren", sagt Ruchatz. "Selfies sind dann der Ausdruck von Narzissmus und Selbstverliebtheit. Das gibt es natürlich auch. Aber meiner Meinung nach haben Selfies als breites Phänomen erst einmal nichts mit Narzissmus zu tun. Sie werden ja häufig beiläufig gemacht - und ich lasse damit Menschen an meinem Leben teilhaben."

Und das wohl noch eine ganze Weile: Das Phänomen werde länger bleiben, meint der Marburger Forscher. Aber: "Selfies werden sich wie viele andere Internetphänomene eher normalisieren. Eine Frage wird sein, ob es so experimentierfreudig bleibt."

Lädt
turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

turned_in

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

1  Kommentar expand_more 1  Kommentar expand_less