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Ex-Minister Guttenberg: Ohne Doktortitel in die Denkfabrik

Von nachrichten.at/apa   29. September 2011 18:31 Uhr

Guttenberg-Gedenkfeier der CSU

Er hat zwar keinen Doktortitel mehr, aber für eine Denkfabrik reicht offenbar sein Renommee als ehemaliger deutscher Verteidigungsminister: Nach länger andauernden Spekulationen hat sich nun bestätigt, dass Karl-Theodor zu Guttenberg in den USA eine neue Aufgabe gefunden hat.

Der frühere CSU-Politiker wird sich in Washington dem politischen Forschungszentrum Center for Strategic and International Studies (CSIS) - einem sogenannten Think Tank, auf Deutsch Denkfabrik - anschließen.

Zu Jahresbeginn vermuteten noch viele, dass in diesem Herbst dem damaligen Senkrechtstarter der deutschen Politik ein weiterer Aufstieg gelingen könnte. Übernächstes Wochenende steht turnusmäßig die Wahl zum CSU-Chef bevor und manch einer sah eine Kampfkandidatur zwischen Guttenberg und Horst Seehofer kommen - mit "KT" als Sieger. Viele sahen in ihm auch den nächsten Kanzlerkandidaten der Union. Doch dann lasen sich zwei Juristen die Dissertation des Dr. jur. genauer durch und entlarvten ihn als Täuscher - zwei Wochen später zog sich Guttenberg aus der Politik zurück.

Ein neues Kapitel in Guttenbergs Geschichte?

Ist die Geschichte vom beispiellosen Aufstieg eines nicht mal 40-Jährigen zum beliebtesten deutschen Politiker und dem folgenden tiefen Fall damit schon zu Ende? Oder fängt nun weit von der alten Heimat ein neues Kapitel an? Guttenberg wird in seiner Funktion in Washington an der Spitze eines neuen transatlantischen Dialogforums stehen. Das zu den renommierten Think Tanks gehörende CSIS begründete diese Berufung mit Guttenbergs Leistungen als Verteidigungsminister bei der Bundeswehrreform sowie mit seinem langjährigen Einsatz für die transatlantischen Beziehungen.

Als "Distinguished Statesman", je nach Übersetzung "angesehener" oder "herausragender" Staatsmann, wird Guttenberg von dem politisch in der Mitte orientierten CSIS beschäftigt. Für das Institut, in dem der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger im Kuratorium sitzt, ist Guttenberg ein alter Bekannter. Drei Wochen nach seiner Ernennung zum Verteidigungsminister hielt er dort im November 2009 eine Rede zur Zukunft der transatlantischen Beziehungen. Bei der Begrüßung zeigte sich CSIS-Chef John Hamre damals in launischen Worten über das große Interesse an dem deutschen Gast verwundert - normalerweise würden die Zuhörer dort nach dem vorher gehenden Essen zum Einschlafen neigen.

"Energie, Enthusiasmus und tiefe Hingabe"

Nun preist Hamre in einem Brief "Karl-Theodors Energie, Enthusiasmus und tiefe Hingabe zur transatlantischen Partnerschaft" als Gründe für die Berufung. Geld verdienen wird Guttenberg nicht - aber er erhält Zutritt zu einem Netzwerk von unschätzbarem Wert. In den USA sind Think Tanks weit verbreitet und hoch angesehen, gerade die großen bestimmen die politische Agenda mit.

Und es sind auch beliebte "Parkplätze" für Politiker und politische Berater: Während in Deutschland die Parteien oder deren Stiftungen Politiker nach einer verlorenen Wahl mit Jobs versorgten, seien es in den USA die Think Tanks, sagt der Berliner Forscher Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Dabei gebe es in den USA immer auch die Möglichkeit zur Rückkehr auf politische Positionen.

"Wir werden voneinander hören und ich werde mich melden"

Guttenberg ist indes nicht der erste bekannte deutsche Politiker, der in die USA ging. Nach einer Affäre um Flugmeilen war der Grüne Cem Özdemir beim "German Marshall Fund of the US" unter gekommen, einer bei weitem nicht so renommierten Denkfabrik wie das CSIS. Ein Jahr später zog Özdemir ins Europaparlament ein und ist heute Grünen-Chef.

Ob Guttenberg, gegen den in Hof noch immer Ermittlungen wegen des Verdachts auf Urheberrechtsverletzungen laufen, ebenfalls in die Politik zurück will, ist allerdings ungewiss. Bis heute meidet er jedes öffentliche Wort, weshalb eine sechs Monate alte Botschaft an seine Facebook-Freunde seine jüngste öffentliche Äußerung ist: "Wir werden voneinander hören und ich werde mich melden", hieß es da. Danach kam nichts mehr. Nach vielen Gerüchten rund um den USA-Umzug ist jetzt immerhin klar, was er dort machen will.

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