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Costa-Kapitän Schettino - "Als würde er einen Ferrari fahren"

ROM. Waghalsig und draufgängerisch, dann zaudernd und feig, als er das Ausmaß der Katastrophe zu erahnen begann und das Schiff verließ, während die Evakuierung noch voll im Gange waren: Das sind die Zuschreibungen, die den Kapitän der Costa Concordia", Francesco Schettino, seit dem Unglück begleiten.

Francesco Schettino Kapitän Costa Concordia

Der Kapitän des Kreuzfahrtschiffes wurde festgenommen. Bild: EPA

Er habe "mit Bravour gehandelt und dafür gesorgt, dass viele Menschenleben gerettet wurden, sagt sein Anwalt. Unbestritten ist: Schettino ist die Schlüsselfigur der Tragödie vor der Toskana, die Experten schon als 11. September der Kreuzfahrtbranche bezeichnen.

Seit 2006 Kapitän

Der 52-Jährige aus der süditalienischen Meeresstadt Sorrento an der Amalfiküste begann seine Karriere bei der italienischen Fährgesellschaft Tirrenia und avancierte dann zum Kapitän auf den Öltankern des italienischen Ölkonzerns Agip. Nach dem Wechsel zur Kreuzfahrtgesellschaft MSC hatte sich Schettino 2002 für die Genueser Rederei Costa Crociere entschieden. Dort war er zunächst Sicherheitsoffizier und ab 2006 dann Kapitän.

Als "egozentrisch und schwierig" bezeichnen die Kollegen den braun gebrannten Kapitän, der mit einem waghalsigen und nicht vorgesehenen Manöver die Costa Concordia auf den Felsen vor der Insel Giglio zum Sinken brachte. Schettino verhielt sich, als würde er "nicht einen Luxusdampfer, sondern einen Ferrari fahren", sagte ein Kollege.

15 Jahre Haft drohen

Schettinos Verhalten ist ein Rätsel für die Staatsanwälte der toskanischen Stadt Grosseto, die nun ermitteln. Stundenlang befragten sie am Dienstag den Kapitän, dem wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, des Schiffbruchs und des Verlassen des Schiffes vor Ende der Evakuierungsaktion jetzt bis zu 15 Jahren Haft drohen. Vollkommen unklar ist, warum er sich mit der Costa Concordia so extrem nahe dem Ufer der Insel Giglio genähert hat. Vermutet wird, dass der Kapitän ein Manöver namens "Die Verneigung" unternehmen wollte, bei dem das Schiff in voller Beleuchtung und mit Schiffsirenen die Küstenbewohner grüßt. Nicht ausgeschlossen ist, dass er damit einem aus Giglio stammenden Oberkellner eine Gefälligkeit erweisen wollte.

"Kleines Problem"

Nachdem das Schiff havariert war, nahm die Katastrophe ihren Lauf. Passagiere alarmierten die Polizei, die Küstenwache musste den Kapitän wiederholt nachdrücklich drängen, einen Alarmruf abzusetzen. Aus seiner Sicht hatte das Schiff bloß ein "kleines Problem". Auch die Evakuierung befahl ihm die Küstenwache - gut eine Stunde nachdem das Unglück begonnen hatte. Er selbst saß offenbar schon um Mitternacht in einer Schaluppe. Dem Hafenamt erzählte er, es seien nur noch 200 bis 300 Menschen an Bord, während es in Wirklichkeit an die 4.000 waren. Schettino weigerte sich auch, wieder an Bord zu gehen, um seine Kapitänspflichten zu erfüllen und sitzt deshalb jetzt in Haft.

"Der Kapitän ist bestürzt, konsterniert und erschüttert ", berichtete Schettinos Rechtsanwalt Bruno Leporatti. Sein Mandant stehe unter psychologischer Betreuung und ständiger Aufsicht. Die Justizbehörden befürchten, er könne Selbstmord begehen. Vor dem Gericht in Grosseto warteten die Angehörigen auf das Ende der Befragung. Seine Schwester Giulia ging auf die Journalisten los. "Lasst uns in Ruhe, ihr beschmutzt eine lange Karriere. Mein Bruder wird beweisen, dass er schuldlos ist", sagte die Frau.

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Artikel nachrichten.at/apa 17. Januar 2012 - 15:53 Uhr
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