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Castor-Transport: Tränengas gegen Demonstranten

Von nachrichten.at/apa   07. November 2010 17:19 Uhr

Castor-Transport

LEITSTADE/ GORLEBEN. In Deutschland sind die Proteste gegen den Castor-Transport mit Atommüll ins Zwischenlager Gorleben am Sonntag im Wendland erstmals in gewaltsame Auseinandersetzungen umgeschlagen.

Als tausende Atomkraftgegner in einem Waldgebiet nahe Hitzacker die Schienen stürmen wollten, setzte die Polizei Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Demonstranten zündeten nach Angaben von Augenzeugen ein panzerähnliches Räumfahrzeug der Polizei an der Castor- Transportstrecke an. Der Zug kam auch in Folge merhmals zum Stehen, weil sich Demonstranten an die Gleise gekettet hatten

Mit großer Verspätung Lüneburg erreicht

Der Zug mit den elf Atommüllbehältern rollte nach mehreren Blockaden und einem planmäßigen Zwischenstopp bei Hannover am Vormittag weiter in Richtung Wendland. Kurz nach 16 Uhr erreichte der Transport Lüneburg. er Zug mit elf Castor-Behältern mit hochradioaktivem Atommüll sollte von dort auf dem letzten 54 Kilometer langen Gleisabschnitt zur Umladestation Dannenberg weiterfahren. Dort versuchten am Nachmittag nach Polizeischätzung mehr als 5.000 Demonstranten, die Gleise zu erreichen.

„Es beteiligen sich deutlich mehr Menschen, als wir gedacht haben“, sagte ein Sprecher des Lagezentrums der Polizei in Lüneburg. Die Gesamtlage vor Ort sei „aggressiver als wir uns das erhofft haben“. Die Initiativen der Atomkraftgegner gingen von noch mehr Aktivisten aus und schätzten, dass bereits 5.000 Demonstranten direkt am Gleis sind. Dies bestätigte die Polizei aber nicht. Es habe am Nachmittag erneut Ausschreitungen gegeben aber nicht in dem Ausmaß wie am Morgen, sagte der Sprecher weiter.

Räumfahrzeug ging in Flammen auf

Sonntag früh begann die heiße Phase des Atomprotests. Nahe Hitzacker an der Elbe sei ein Räumfahrzeug mit Teer übergossen und angezündet worden, möglicherweise mit Molotowcocktails, berichtete ein dpa-Fotograf.

Steine aus Gleisbett entfernt

Tausende Atomkraftgegner machten sich am Sonntagmorgen von ihren Camps aus in Richtung Schienen auf. Zunächst sei es 250 Demonstranten gelungen, mit dem Entfernen von Steinen aus dem Gleisbett zu beginnen, sagte der Polizeisprecher. Sie wollen so die Zugstrecke für die hoch radioaktive Fracht unpassierbar machen. 3000 bis 4000 Demonstranten standen der Polizei gegenüber, die massiv Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzt, um die Demonstranten von den Gleisen fernzuhalten. Die Atomkraftgegner sprachen von mehreren Verletzten. Die Polizei soll auch Wasserwerfer eingesetzt haben, aber nicht gezielt auf Demonstranten gerichtet.

Traktor-Blockade

Sicherheitskräfte lösten außerdem eine Traktor-Blockade von Bauern auf der möglichen Castor-Strecke auf. Die vier in Dannenberg-Splietau ineinander verkeilten Traktoren seien sichergestellt worden, sagte ein Polizeisprecher. Zudem sollten 50 Traktoren, die an der Straße standen, entfernt werden.

Die elf Castor-Behälter mit Atommüll müssen in Dannenberg für den letzten 19 Kilometer langen Abschnitt auf der Straße auf Lastwagen umgeladen werden. Vor dem Zwischenlager in Gorleben ließen sich laut Polizei noch einmal rund 1.500 Demonstranten zu einer Sitzblockade nieder. Wegen der stundenlangen Umladezeit in Dannenberg dürfte der Transport aber frühestens am Montag im Laufe des Tages am Atommüll-Zwischenlager Gorleben eintreffen.

Am Samstag hatten in Dannenberg zehntausende Menschen aus ganz Deutschland gegen die schwarz-gelbe Atompolitik demonstriert - so groß war der Castor- Protest im Wendland noch nie. Mehr als 16 000 Polizisten sind im Einsatz.

50.000 Demonstranten gegen einen Castor-Transport

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