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Cadel Evans ist Gesamtsieger der Tour de France

PARIS. Cadel Evans, der sich nach dem Gewinn des Weltmeistertitels 2009 enorm verbessert hat, hat sich doch noch im bedeutendsten Radrennen der Welt durchgesetzt. Nach zweiten Plätzen 2007 und 2008 feierte der 34-Jährige seinen wichtigsten Erfolg: Evans wurde am Sonntag in Paris erster australischer Gesamtsieger der Tour de France.

Cadel Evans

Evans ist der Gesamtsieger der diesjährigen Tour de France Bild: Reuters

Der Rad-Straßen-Weltmeister von 2009, der erst am Vortag nach starker Leistung im Einzelzeitfahren ins Gelbe Trikot geschlüpft war, hatte nach 21 Etappen und 3.430 Kilometern in der Schlusswertung 1:34 Minuten Vorsprung auf den Luxemburger Andy Schleck, der damit zum dritten Mal in Folge auf dem Ehrenplatz landete, und 2:30 auf dessen Bruder Fränk Schleck.

Der letzte Abschnitt von Creteil nach Paris (95 km) wurde auf den Champs Elysees im Massensprint eine Beute des Briten Mark Cavendish, der zum dritten Mal in Folge auf der 21. und letzten Etappe triumphierte und sich erstmals das Grüne Trikot des Punktebesten sicherte. Sein HTC-Highroad-Team, in dem der Steirer Bernhard Eisel als Kapitän fungierte, fuhr insgesamt sechs Siege ein - fünf durch Cavendish selbst und einen Erfolg durch den Deutschen Tony Martin im Zeitfahren. Eisel hatte sich stets in den Dienst von Cavendish gestellt und beendete die Rundfahrt mit mehr als dreieinhalb Stunden Rückstand.

Evans hatte sich schon in der ersten Woche der Tour in den Vordergrund geschoben. Mit seinem BMC-Team belegte er im Zeitfahren den zweiten Platz und gewann die vierte Etappe. Während einige Mitfavoriten wie der Brite Bradley Wiggins und der Slowene Janez Brajkovic (und auch der Kasache Alexander Winokurow) zur Aufgabe gezwungen waren, blieb der einstige "Sturzpilot" von schlimmen Zwischenfällen verschont.

Nach Attacken der Rivalen bzw. einem Defekt in der Etappe nach L'Alpe d'Huez hielt er den Rückstand in Grenzen und kämpfte sich wieder zurück. Im entscheidenden Einzelzeitfahren am Samstag verwandelte er als Tages-Zweiter einen Rückstand von einer knappen Minute gegenüber den Schleck-Brüdern in einen respektablen Vorsprung und "erlegte" so die "Leoparden", wie es die "Equipe" am Sonntag zeichnerisch darstellte. "Ich habe immer an mich geglaubt und viele Leute in meinem Umfeld auch. Jetzt haben wir es geschafft", freute sich Evans mit Tränen in den Augen.

Tour-Direktor Christian Preudhomme war mit Evans als Sieger sehr zufrieden. "Ich schätze es, dass wir einen Gesamtsieger haben, der von März bis Oktober präsent ist und der sich bei der Tour ab der ersten Woche vorne gezeigt hat", erklärte der Tour-Chef. "Es ist eine tolle Entschädigung für eine lange Karriere eines Fahrers, der sich auf die Tour perfekt vorbereitet hat", sagte Preudhomme. Seiner Meinung nach hatte es sich bezahlt gemacht, dass Evans beim Dauphine-Criterium im Gegensatz zu den Schleck-Brüdern die Zeitfahr-Strecke bereits abgefahren war.

Ex-Mountainbike-Weltcupsieger Evans, der 2001 mit einem Sieg in der Österreich-Rundfahrt in seine Straßen-Karriere gestartet war, durfte im Herbst seiner Laufbahn auf dem Tour-Podest endlich ganz oben stehen, er triumphierte als ältester Fahrer der Nachkriegszeit. Andy Schleck hätte auf eine Premiere hingegen gerne verzichtet. Noch nie war ein Radprofi dreimal in Folge Zweiter gewesen. Sein zweiter Rang von 2010 könnte aber noch in den Sieg umgewandelt werden, falls das Oberste Sportgericht den Spanier Alberto Contador wegen Clenbuterol-Dopings bestraft.

Dass erstmals ein Brüderpaar auf dem Podest stand, tröstete die Kapitäne des Teams Leopard-Trek ein wenig. Andy Schleck erwies sich denn auch als fairer Verlierer. "Du hast es verdient", twitterte er nach dem Zeitfahren in Richtung Evans. "Ich habe die Tour verloren, aber ich fahre nicht niedergeschlagen nach Hause", bilanzierte Andy Schleck, "wir haben alles versucht. Ich bin stolz, mit Fränk auf dem Podium zu stehen."

Contador, der den heuer enorm schwierigen Giro d'Italia gewonnen hatte, musste sich erstmals seit 2007 und nach sechs Siegen in dreiwöchigen Rundfahrten geschlagen geben und wurde Fünfter (+3:57) hinter dem Franzosen Thomas Voeckler (3:20). Der 28-Jährige aus dem Team Saxo Bank war dreimal in Stürze verwickelt und in den Pyrenäen wegen einer Knieblessur angeschlagen gewesen. Auf der Fahrt zur Bergankunft auf dem Galibier vergab er seine Chance endgültig, der Griff nach dem Etappensieg in L'Alpe d'Huez nach starker Leistung ging ins Leere. "Natürlich wäre es gut, wenn ich in Paris auf das Podium gefahren wäre, aber man kann nicht immer so erfolgreich sein", sagte Contador. "Cadel ist der Stärkste im Feld gewesen."

zur Person:

CADEL EVANS (34):

Geb.: 14.2.1977 in Katherine/Northern Territory (AUS)

Größe/Gewicht: 1,74 m/64 kg

Familienstand: Verheiratet mit Chiara

Wohnsitze: Barwon Heads/Victoria (AUS) und Stabio (SUI)



Straßenrennen: Profi seit 2001

Teams: Saeco (2001), Mapei-QuickStep (2002), Telekom/T-Mobile

(2003-2004), Davitamon-Lotto/Predictor-Lotto/Silence-Lotto

(2005-2009), BMC (seit 2010)



Größte Erfolge (25 Siege):

Rundfahrt-Siege: Tour de France 2011 (1 Etappensieg), Tour de

Romandie 2006 und 2011, Tirreno-Adriatico 2011, Internationale Woche

Coppi e Bartali 2008, Österreich-Rundfahrt 2001 und 2004 (jeweils

Etappensieg Kitzbüheler Horn), Gesamtsieger UCI-ProTour 2007



Gesamt-Zweiter Tour de France 2007 (1 Etappensieg nach

Disqualifikation Winokurow) und 2008, Gesamt-Dritter
Spanien-Rundfahrt 2009, Gesamt-Vierter Tour de France 2006, Gesamt-7.

Tour de France 2005



Siege Tagesrennen: Weltmeister 2009, Etappe Giro d'Italia 2010,

Fleche Wallonne 2010, Etappe Uniqa-Classic 2002, Einzelzeitfahren

Commonwealth Games 2002



Besonderes: Hat als einer von wenigen Fahrern Führungstrikots in

allen drei großen Landesrundfahrten (Tour de France, Giro d'Italia

und Vuelta a Espana) sowie das Regenbogentrikot des Weltmeisters

getragen




Mountainbike: Weltcupsieger 1998 und 1999


 

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Artikel nachrichten.at/apa 24. Juli 2011 - 17:33 Uhr
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