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Autor Henning Mankell ist gestorben

Der schwedische Autor Henning Mankell ist heute, Montag, Morgen in Göteborg gestorben. Er wurde 67 Jahre alt.

urn:newsml:dpa.com:20090101:140129-99-01082

Der schwedische Autor Henning Mankell Bild: Inga Kjer (APA/dpa/Inga Kjer)

Die Diagnose Krebs riss Henning Mankell Anfang 2014 kurzzeitig den Boden unter den Füßen weg. Das Buch, das er über die Erfahrung schrieb, wurde jedoch keines über Tod und Verfall - "sondern darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein". Kurz nach Erscheinen von "Treibsand" ist der schwedische Autor und Theaterregisseur, berühmt für seine Wallander-Krimis, nun seinem Krebsleiden erlegen.

Mit einer vom Arzt verkündeten "Atempause" und der freudigen Erwartung "neuer begnadeter Augenblicke" endet Mankells letztes und persönlichstes Buch, in dem er seine Krebserkrankung verarbeitet, sich mit seinen Ängsten konfrontiert und über die großen Fragen des Lebens sinniert. Damit, den Krebs zu besiegen, rechnete der rastlose Schreiber, Afrika-Liebhaber und streitbare Friedenskämpfer zuletzt in einem Interview mit dem Magazin "Stern" nicht. Aber geschrieben hat er nach eigenen Angaben bis zuletzt. Von einem Mann, der im Dunkeln arbeitet, sollte sein neuer Roman "Die Nacht" handeln. "Das Buch wird nicht nur dunkel werden, keine Sorge", sagte er. "Ich werde Kerzen anzünden."

Das werden nun vermutlich auch die Millionen Mankell-Fans rund um den Globus tun. 1948 in Stockholm geboren, veröffentlichte der Skandinavier seit seinem Romandebüt 1973, "Bergsprängaren", beinahe jährlich einen neuen Roman. Mehr als 40 Millionen Mal wurden seine Bücher verkauft und in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Am erfolgreichsten wurde seine Krimireihe rund um Kurt Wallander: Der eigenwillige, mürrische Kommissar aus der schwedischen Provinzstadt Ystad katapultierte seinen literarischen Vater regelmäßig an die Spitze von Bestsellerlisten und machte ihn zu einem der meistgelesenen Krimiautoren weltweit. Zahlreiche der Romane wurden mitunter mehrfach verfilmt, unter anderem mit dem Briten Kenneth Branagh.

Doch Wallander als Mankells Lebenswerk zu bezeichnen, greift viel zu kurz. Immer war der Schwede mit mehreren Projekten gleichzeitig beschäftigt - schrieb einen neuen Thriller, drehte eine Serie für das schwedische Fernsehen, produzierte ein neues Theaterstück. In Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, wo er neben Schweden lebte, leitete er das Teatro Avenida.

Afrika, der Kontinent, den er als Mittzwanziger erstmals bereiste, widmete er mehrere Bücher. Auch sein politisches Engagement gegen Armut und Analphabetismus vor Ort nahm einen großen Teil seiner Zeit in Anspruch. "Meine Zeit zwischen Afrika und Europa aufzuteilen, hat mir Perspektiven und Distanz geschenkt, und ich glaube, es hat mich zu einem besseren Europäer gemacht", schrieb Mankell, der mit Eva Bergman, einer Tochter von Filmregisseur Ingmar Bergman verheiratet war, auf seiner Webseite. "Beide Orte sind mein Zuhause." Neben seiner Ehefrau hinterlässt Mankell auch einen Sohn, Jon.

Solidarität mit Menschen in Not und Gesellschaftskritik ziehen sich durch das Schaffen Mankells, der schon in der 68er-Bewegung in Schweden politisch aktiv war. Solidarisch zeigte sich der überzeugte Sozialist auch mit der Sache der Palästinenser. 2010 machte der Richtersohn die Reise der "Gaza-Hilfsflotte" Richtung Palästina mit, die von israelischen Soldaten mit einem blutigen Einsatz gestoppt wurde. Neun türkische Mitreisende starben. Nach seiner mehrtägigen Internierung warf der Autor Israel "Seeräuberei und Kidnapping in internationalen Gewässern" vor.

Mit dem bösartigen Tumor, der kurz nach Neujahr 2014 in seiner Lunge entdeckt wurde, ging Mankell stets offen um. Als er seine Erkrankung in der Zeitung "Göteborgs Posten" öffentlich machte, ereilten ihn Genesungswünsche aus aller Welt, es folgte eine eigene Kolumne über den Kampf gegen den Krebs und schließlich "Treibsand". An den wieder kehrenden Albtraum, im Treibsand zu versinken, habe ihn die Krebsdiagnose erinnert, schreibt er darin. Nur das Nachdenken über die großen Fragen holte ihn daraus. Und die Überzeugung, dass das Leben trotz privater und globaler Katastrophen lebenswert ist: "Leben ist im Grunde nichts anderes als Überlebenskunst."

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Artikel nachrichten.at/apa 05. Oktober 2015 - 11:30 Uhr
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