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Kaiser Maximilian I. - Herrscher über den eigenen Ruhm

Von Josef Achleitner   12.Januar 2019

Herrscher über den eigenen Ruhm
Maximilian-Denkmal

Die markante Hakennase kennt jedes Schulkind. Darauf war Maximilian von Jugend an stolz, und er legte Wert darauf, dass Porträtisten sein Markenzeichen gut zur Geltung brachten, schließlich gab es ihm das Profil eines starken Adlers. Auch den Beinamen "Der letzte Ritter" pflegte er. Freilich vermuten Wissenschafter heute, dass es erst romantische Dichter des frühen 19. Jahrhunderts mit ihrem verklärten Blick auf die Vergangenheit waren, die den Habsburger zum Inbegriff des verloren gegangenen ritterlichen Lebensstils machten.

Am 12. Jänner 1519 ist Kaiser Maximilian I. in der Welser Burg gestorben. Wie schon seit vier Jahren hatte er seinen Sarg mit im Tross, als er per Schiff und Wagen von Innsbruck nach Wels reiste. Bereits beim Reichstag in Augsburg im Jahr zuvor war aufgefallen, dass der noch nicht 60-Jährige fahl im Gesicht und merkbar schwach war. Er dürfte einen Schlaganfall hinter sich gehabt haben, letztlich aber an Darmkrebs gestorben sein.

Herrscher über den eigenen Ruhm
Albrecht Dürers Maximilian-Porträt

Der Mann, der über Jahrzehnte hoch zu Ross Schlachten geführt und riskante Turniere geritten hatte, musste sich in den Monaten vor seinem Tod immer öfter mit der Sänfte tragen lassen. Eine Erniedrigung für ihn, der sich zeitlebens als Universalherrscher der Christenheit gefühlt hatte, und wohl auch ein Hinweis, sich dem Unausweichlichen zu fügen.

Als Büßer wollte er aus der Welt gehen, dem Toten sollten die Zähne ausgeschlagen, er sollte gegeißelt werden. Ob das so geschehen ist, ist nicht sicher. Der Leichnam sollte mit Asche bestreut in Wiener Neustadt, seinem Geburtsort und der Residenz seines Vaters, aufgebahrt werden. Das Porträt eines anonymen Malers zeigt jedenfalls den toten Kaiser, als sei es so geschehen.

Herrscher über den eigenen Ruhm
Der Münzsammlerverein Wels hat zum 500. Todestag Maximilians eine Gedenkmünze in Auftrag gegeben – erhältlich u.a. im Shop des Stadtmuseums Wels und unter www.muenzsammlervereinwels.at in Silber (39 Euro) und in Bronze (69 Euro).

Ein Büßer nur im Tod

Zeitlebens war Maximilian alles andere als ein Büßer. Der Sohn von Kaiser Friedrich III. führte dessen machtvergrößernde Heiratspolitik fort. Er heiratete Maria von Burgund, die Tochter des zuvor verstorbenen Herzogs Karl des Kühnen, was ihm Zugriff auf reiche Regionen wie Flandern und Brabant versprach. Freilich ergab sich das erst nach langen Kriegen mit Frankreich und gegen den Willen der niederländischen Stände, die ihn 1488 einmal sogar in Brügge für mehrere Monate ins Gefängnis steckten. Seine Gegner nützten den frühen Tod Marias von Burgund bei einem Jagdunfall, mit dem das burgundische Erbe eigentlich an seinen Sohn Philipp fiel und Maximilian nur noch als Vormund regieren konnte.

Der Wunsch, nachdem er schon zum römischen König gewählt worden war, vom Papst zum Kaiser gekrönt zu werden, blieb ihm wegen der in Norditalien einflussreichen Franzosen und der feindlich gesinnten Venezianer versagt. Der traditionelle Zug nach Rom wäre nicht machbar gewesen. So proklamierte er sich 1508 zum "Erwählten Römischen Kaiser", was eigentlich römisch-deutscher Kaiser bedeutete.

Weltmacht für den Enkel

Als Heiratspolitiker hatte Maximilian mehr Erfolge denn als Krieger. Mit Burgund gehörte im Westen ein Gebiet von der Nordsee bis Lyon zum Haus Habsburg, was freilich auch eine Erbfeindschaft mit Frankreich auslöste. Seine beiden ehelichen Kinder Philipp und Margarethe sicherten durch Heirat den spanischen Thron samt den Kolonien, sodass sein Enkel Karl V. von einem Reich sprechen konnten, "in dem die Sonne nicht untergeht". Und über die Enkel gelang es Maximilian auch, Ungarn und Böhmen per Heirat für die Zukunft zu sichern. Er selbst heiratete in zweiter Ehe die Mailänder Herzogstochter Bianca Maria Sforza. Sie füllte ihm eine Zeitlang die Kassen, blieb aber unbeachtet. Maximilian hielt es lieber mit "Schlafweibern", mit denen ihm mindestens ein Dutzend Kinder nachgesagt werden.

Nachruhm nach seiner Regie

Maximilian war überzeugt davon, dass er selbst dafür sorgen musste, dass seine Zeit entsprechend gewürdigt wird. "Wer im Leben kein Gedächtnis hat, der hat nach seinem Tod kein Gedächtnis und desselben Menschen wird mit dem Glockenton vergessen, und darum wird das Geld, das ich auf Gedächtnis ausgebe, nicht verloren", sagte er und ließ trotz ständiger Geldknappheit Wissenschafter, Künstler und Literaten für sich arbeiten und förderte sie.

Herrscher über den eigenen Ruhm
Das Totenbild Maximilians

An einigen Werken schrieb er selbst mit – am "Ambraser Heldenbuch" mit Ritterdichtungen, am "Weißkunig" über sich selbst und seinen Vater oder am "Theuerdank" über seine Brautfahrt nach Burgund. Die Bücher waren mit aufwendigen Holzschnitten von Künstlern ersten Ranges versehen.

Namen wie Albrecht Altdorfer, Albrecht Dürer oder Hans Burgkmair erstellten den "Triumphzug", eine aus 109 Holzschnitten bestehende prachtvolle Eloge auf den Herrscher, wobei man es mit der Wahrheit nicht so genau nahm. Auch was dem Kaiser nicht gelang oder was er gar nicht versucht hatte, wurde ihm zugeschrieben. Bei all dem aufwendigen Leben – Kriege, Feste, Turniere, Kunstwerke – dachte Maximilian wohl wenig ans Geld. Selbst die Einnahmen aus den reichen Tiroler Silber- und Kupfergruben reichten nicht, die Bergwerke waren an die Augsburger Fugger verpfändet. "Alles, was Geld getragen hat, ist versetzt gewesen", hieß es nach seinem Tod.

 

Maximilian-Jahr: Die drei Hauptschauplätze

  • Stadtmuseum Wels: Als Sterbeort von Maximilian wartet Wels mit der Sonderausstellung zum 500. Todesjahr unter dem Titel „Kaiser Reformer Mensch“ auf, die am 21. März von Karl Habsburg eröffnet wird und bis 27. Oktober läuft. Machtpolitik, Reformen, die Polheimer als Freunde, Jagd und Turniere sowie die Verklärung der Person werden in der von Ingrid Micko kuratierten Schau dargestellt. Das Jahr über stehen Gastspiele, Konzerte, ein Mittelalterfest sowie die Ausgabe einer Gedenkmünze im Zeichen Maximilians, entworfen von Medailleur Thomas Pesendorfer.
  • Innsbruck: Der wichtigste Sitz des Kaisers war Innsbruck, einen festen hatte er nie. An ihn erinnern das Goldene Dachl, die Hofburg und die Hofkirche mit den Schwarz-Mandern, 28 überlebensgroße Bronzestatuen rund um das – leere – Hochgrab. Maximilian wollte dann doch im Geburtsort Wiener Neustadt begraben werden. Seit Jahresbeginn läuft eine Sonderausstellung im Museum Goldenes Dachl. Die Tiroler feiern den Kaiser mit über 300 Veranstaltungen – etwa mit einem Musiktheater-Festival und der Verleihung des Maximilian-Preises für Europa-Projekte.
  • Wiener Neustadt: In Niederösterreich ist das Maximilianjahr Teil der diesjährigen Landesausstellung in Wiener Neustadt, wo Maximilian nach seinem Tode hin überführt und unter den Altarstufen der St.-Georgs-Kapelle in der Wiener Neustädter Burg begraben wurde, so wie er es in Wels verfügt hatte. Der neugestaltete Altarraum mit dem Grabmal wird präsentiert. In der Militärakademie, einer Gründung Maria Theresias, die in der Burg untergebracht ist, wird eine Ausstellung über das Leben Maximilians gezeigt. Die Landesausstellung selbst steht unter dem Motto „Welt in Bewegung“.

 

Maximilian und Wels: Jagd, gute Freunde, Ort des Todes

Vom Anlass her, dem 500. Todestag von Kaiser Maximilian I., ist Wels dieses Jahr eigentlich der Zentralpunkt des Gedenkjahres. Die Historikerin Ingeborg Micko hat die Ausstellung in der Welser Burg kuratiert, die am 21. März eröffnet wird.

Mit Kaiser Maximilian verbindet man in Österreich schon vom Geschichtsunterricht her den „letzten Ritter“, also den Mann des Übergangs zur Neuzeit. Hat sich in der Beurteilung inzwischen Neues aufgetan?

Es wirkt bei Maximilian in der breiten Öffentlichkeit noch die romantische Verklärung aus dem 19. Jahrhundert nach. Das ist in Richtung eines heldenhaften, volksnahen, nur guten Kaisers gegangen. Die Person ist sehr schwer zu fassen, es tut sich immer wieder Neues auf, und sie wird heute auch sehr unterschiedlich beurteilt. Das geht im Positiven bei ihm bis zum Begründer eines Weltreiches.

Ausstellungskuratorin Ingeborg Micko

500 Jahre nach seinem Tod steht Maximilian auch als Mann der Medien, der damaligen, im Blickpunkt. Passt die Bezeichnung auf einen Mann seiner Zeit?

Ja, es rückt immer mehr das Thema Selbstdarstellung in den Vordergrund. Und damit auch die Frage: Wie präsentierte er sich, stimmt der Inhalt der Heldengeschichten eigentlich mit dem überein, was wirklich war? Da waren natürlich Übertreibungen dabei, und – wie etwa im „Triumphzug“ von Albrecht Altdorfer – Taten und Siege, die Maximilian gewünscht, aber nie verwirklicht hat. So etwa der Kreuzzug ins Heilige Land oder ein Sieg über die Osmanen. Die Bilderserie des Triumphzuges wird auch im Mittelpunkt unserer Ausstellung stehen, aufgewertet durch Digitalisierung.

Hat sich diese Selbstinszenierung für den Herrscher auch bezahlt gemacht?

Er hat es selbst für gut gehalten. Er hat gesagt, das Geld dafür sei die Garantie dafür, dass er nicht vergessen wird: Wer sich im Leben kein Gedächtnis macht, hat auch nach dem Tod kein Gedächtnis. Maximilian hat sich als von Gott eingesetzter Herrscher und als Führer und Vorbild der christlichen Welt gesehen. Einmal hat er sogar seiner Tochter geschrieben, wie gerne er Papst sein würde. Diese Selbstüberhöhung ging so weit, dass er erwartet hat, er würde nach seinem Tod als Heiliger verehrt werden. In diese Richtung hat er auch verfügt, dass seine Leiche gegeißelt, mit ausgeschlagenen Zähnen und mit Asche bestreut aufgebahrt werden soll. Er wollte im Tod auch als Büßer und eine Art Märtyrer im Gedächtnis bleiben.

Wels war ja auch abgesehen vom Tod Maximilians in der Burg ein nicht unwichtiger Ort für den Kaiser.

Maximilian hatte nach der mittelalterlichen Tradition noch keine fixe Residenz. Sein wichtigster Sitz war Innsbruck, das ihn als Jäger und Bergfreund begeisterte, andererseits strategisch günstig lag. Er war an die 20 Mal in Wels, hat sich die Burg wohnlicher umbauen lassen und ist gerne auf die Jagd gegangen. Überdies waren die beiden Adeligen Wolfgang und Martin von Polheim wohl jene, die ihm auch persönlich am nächsten gestanden sind. Sie halfen ihm finanziell aus und waren auch diplomatisch im Einsatz.

 

Maximilian - Der Tod des Jägers

Maximilian war Zeit seines Lebens ein Jäger; nicht nur als besessener Waidmann, auch auf der Jagd nach Ruhm, der den Tod überdauern sollte.

Ebenso erfolgreich war Maximilian auf der Suche nach Gold und Geld für seine Feldzüge und kostspieligen Abenteuer. Zudem war er der erste Herrscher der Neuzeit, der meisterhaft nicht nur Erzählungen und Lieder des Volkes, sondern vor allem auch die Erfindung des Buchdrucks zur Vermehrung seines Ansehens und dem des Hauses Habsburg einsetzte. Drei großartige Bücher zeugen davon.

Das Turnierbuch „Freydal“ blieb unvollendet, wurde erst im 19. Jh. publiziert. Ebenso der „Weißkunig“. Er schildert Maximilians Jugendjahre, seine Ausbildung für Turniere, Jagd und Waffenkunde, seine Lehrjahre in Latein und deutscher Sprache. Seine geliebte Mutter, die portugiesische Königstochter Eleonore, sprach nur schlecht Deutsch. Aber ihr fröhliches Wesen übertrug sich auf den Sohn, legte den Grundstein für Maximilians Verständnis von Kunst und Kultur, die seinen Umgang mit den großen Malern, Musikern und Wissenschaftern seiner Zeit prägen sollte.

Maximilian Der Tod des Jägers
Jagdszene mit Kaiser Maximilian in Oberösterreich

Das bedeutendste und einzige vollendete Werk ist der „Theuerdank“. Konzeption und Vorgaben für die Texte des Versepos stammen von Maximilian, die Zusammenstellung der Texte besorgten drei Vertraute. Das Buch wurde 1517 in einer ersten Auflage von 40 Exemplaren auf Pergament und 300 auf Papier gedruckt, aber erst nach Maximilians Tod ausgeliefert. Ein Exemplar führte der Kaiser während seiner letzten Reisen stets in seinem Sarg mit sich.

Überlieferte Jagdleidenschaft

Vier große Themen bestimmen die 118 bebilderten Kapitel des Buches: die Werbung des jungen Kaisersohns um Maria von Burgund, die überstandenen Gefahren in Turnieren und Feldzügen, die politische Auseinandersetzung mit den Niederlanden und der geplante, aber nie realisierte Kreuzzug gegen die „Heiden“ – 1453 hatten die Türken Konstantinopel und danach Teile des Balkans erobert. Durch das ganze Werk zieht sich die Jagdleidenschaft Maximilians. 34 der 118 Holzschnitte zeugen davon; zwölf schildern die Hatz auf Hirsch, Bär und Wildschwein, 22 gelten der Gämsenjagd. Nicht nur rund um Innsbruck gab es reiche Gamsreviere; die Sage von der wunderbaren Rettung des Kaisers während einer missglückten Gämsenjagd in der stadtnahen Martinswand berichtet davon.

Während seiner zahlreichen Reisen jagte Maximilian auch im Salzkammergut, so am Schafberg und am Traunstein, den er am 14. November 1506 bestieg. Besonders interessant ist eine bisher kaum beachtete Bildtafel: Sie zeigt den Absturz seines mit Steigeisen ausgerüsteten Leibjägers auf einem Gletscher, während der als „Theuerdank“ glorifizierte Maximilian heil ins Tal zurückkehrt. Laut Melchior Pfinzing, der die Endredaktion des Buches besorgte, habe diese Jagd im Fürstentum Steyr, also im heutigen Gebiet Oberösterreichs, stattgefunden.

Verbindung zu Oberösterreich

Des Kaisers Verbindung zum Salzkammergut wurde im Lauf der Jahre immer enger. Schließlich wollte er dort auch seine letzte Ruhe finden. 1504 war das Gebiet um das Benediktinerkloster Mondsee mit dem Wallfahrtsort St. Wolfgang dem Kaiser als Dank für seine Beteiligung am Bayerischen Erbfolgekrieg zugesprochen worden. 1513 forderte er Wolfgang Haberl, den befreundeten Abt von Mondsee auf – „weil wir des Willens und Fürnehmens, daß wir gern unser Begräbniß bei unserm Leben aufrichten und ordnen wollten“ –, einen Mönch zur Testamenterstellung nach Linz zu senden.

Bis zur Fertigstellung des bereits in vielen Plänen ausgearbeiteten Grabmals solle sein Leichnam in Wr. Neustadt beigesetzt werden. Die Grabkirche inmitten einer Wehranlage möge vom Ausseer Salzverweser Hans Herzheimer, Freund und einstiger Waffengefährte, auf Kosten des Salzamtes, das Grabmal selbst auf Kosten der Herrschaft Steyr erbaut werden. Herzheimer kannte auch den Ort, an dem Maximilian seine letzte Ruhe finden wollte: „von dannen ist sein Majestät zu Sanndt Wolfgang gezogen, als man sagt der meinung, sein begrebnuß auf dem valkenstein zu erstellen“. Über den Falkenstein am Nordufer des Wolfgangsees führt seit Jahrhunderten ein Pilgerweg von St. Gilgen nach St. Wolfgang.

Kirchliche Intrigen und die lebenslange finanzielle Notlage des Kaisers verhinderten schließlich Bau und Ausstattung des Grabmals. Gemäß seines Testaments wurde Maximilian im Ornat des gegen die Türkengefahr gegründeten St.-Georg-Ritterordens in Wr. Neustadt beigesetzt. Sein Herz aber ruht in der Liebfrauenkirche zu Brügge, im Sarkophag seiner ersten Frau und großen Liebe Maria von Burgund. Die weltberühmten „Schwarzen Mander“, überlebensgroße Statuen seiner Vorfahren, wachen in der Innsbrucker Hofkirche zwar über ein prächtiges, aber leeres Grab.

 

 

 

 

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19. September 2019