Spezial

Menü
Facebook Twitter Google+ E-Mail

Impfungen im Kleinkindalter werden empfohlen.   Bild: (colourbox)

"Jedes Kind hat das Recht auf die beste Medizin-Versorgung"

RIED. Rieder Primar der Kinderheilkunde und ein Pathologe über ihre Ansichten zum Thema Impfung: Ja oder Nein? Ungeimpfte profitieren von den Geimpften, nur ist ihnen dieser Umstand nicht immer bewusst.

Von Roman Kloibhofer, 18. Januar 2018 - 17:04 Uhr

Impfen – ja oder nein? Diese Frage stellt sich nicht nur zur Grippezeit. Zahlreiche Infektionskrankheiten sind derzeit auch bei uns wieder auf dem Vormarsch, etwa Keuchhusten oder Masern. Mediziner und Gesundheitsbehörde empfehlen Eltern ihren Kindern schon im Kleinkindalter zahlreiche Impfungen. Das lehnen Gegner und Skeptiker ab. Aus medizinischer Sicht eine zumindest fragwürdige Haltung, wie der Leiter der Pathologie und Mikrobiologe Milo Halabi und Kinderarzt Andreas Wimmer, Primar der Kinderabteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Ried, im OÖN-Gespräch sagen. Nicht zuletzt deshalb würden ausgerottet geglaubte Infektionskrankheiten wieder häufiger (siehe dazu auch Infokasten rechts).

"Krank sein ist gefährlicher"

"Die Statistiken der Medizin zeigen eindeutig, dass Impfungen sinnvoll und notwendig sind. Der Erfolg, nämlich die Reduzierung von Krankheiten, gibt uns in dieser Frage recht", sagt Andreas Wimmer. Dass Impfen riskanter sei als zu erkranken, sei nicht der Fall, beteuert Wimmer: "Die Risiken bei einer Impfung sind weitaus geringer als die Risiken bei einer Erkrankung." So wurden 2016 in Österreich bei dreieinhalb bis vier Millionen Impfungen nur 158 vermutete Nebenwirkungen gemeldet. Bei einem Ausbruch von zum Beispiel Masern würde es viel mehr Komplikationen geben.

Die häufiger werdende Impfmüdigkeit sei auch ein Phänomen der Wahrnehmung, sagt Milo Halabi: "Krankheiten, gegen die geimpft wird, gibt es nicht mehr, man sieht daher auch nicht die Gefahr durch sie. Es herrscht ein gewisser Gewöhnungseffekt." Erst wenn Krankheiten wie Masern oder die Vogelgrippe auftauchen, werde vielen Menschen die Gefahr wieder bewusst. Eines sei aber klar: "Nichtgeimpfte Menschen profitieren von den geimpften, denn diese tragen dazu bei, dass Krankheiten nicht weiterverbreitet werden." Leider würden Nichtgeimpfte dieses Faktum nicht immer erkennen.

Phänomen der Ich-Gesellschaft

Das Plädoyer für Impfungen sei auch in einer UN-Konvention aus dem Jahr 1989 festgehalten, sagt Andreas Wimmer: "Jedes Kind hat das Recht auf die beste medizinische Versorgung. Dazu gehört auch der Schutz vor Erkrankungen, die durch Impfung vermeidbar sind." Er frage daher Eltern ungeimpfter Kinder im Krankenhaus, warum sie nicht impfen möchten. "Nach wenigen Worten weiß ich meistens, ob es Sinn macht, weiterzureden. Impfgegner outen sich meist sehr klar."

Für Milo Halabi ist dies auch Ausdruck einer "Ich-Gesellschaft", wie er erklärt: "Man nimmt für sich in Anspruch, selbst zu wissen, was für ein Kind das Beste ist: ‘Ich weiß das schon!’ Obwohl aus medizinischer Sicht in Impffragen alles eindeutig geklärt ist, wie die Statistiken zeigen."

Hilfreich ist zur Information ein Impfplan mit Impfempfehlung – ausgearbeitet von einer Kommission des Gesundheits- und Sozialministeriums. Dieser gibt Aufschluss über Impfungen für Kinder und Erwachsene.

Informationen unter: www.bmgf.gv.at

 

 

 

Krankheit & Impfung

Andreas Wimmer und Milo Halabi über Infektionskrankheiten, deren Häufigkeit und die Risiken:

Milo Halabi: „Jede Impfung ruft im Körper des Geimpften den gleichen Prozess hervor wie bei einer Erkrankung - allerdings ohne dass man erkrankt. Es werden Antikörper und Immunität aufgebaut.“

Keuchhusten (Pertussis)

Andreas Wimmer: „Die Zahl der Erkrankungen nimmt österreichweit stark zu, im Vorjahr waren es rund 1200 Fälle. Auch wir hatten 2017 zahlreiche Fälle von Keuchhusten, zum Teil sehr schwere Erkrankungen mit ausgeprägter Atemnot. Das kann bis zum Atemstillstand und Tod führen.“

Masern

„Es gab bei uns im Vorjahr einen Masern-Fall, das war ein Asylwerber. Viele sind aber geimpft, daher kam es zu keiner Epidemie“, sagt Andreas Wimmer. Nach Kontakt mit Infizierten bestehe innerhalb von 72 Stunden die Möglichkeit einer „Abriegelungsimpfung“. Halabi: „Wer an Masern erkrankt ist, trägt das Risiko, bis zu zehn Jahre später an subakuter sklerosierender Panenzephalitis (SSPE) zu erkranken. Diese Gehirnerkrankung verläuft tödlich, es gibt keine Heilung.“

Röteln

Wimmer: „Röteln sind vor allem ein Thema für Schwangere. Die Krankheit selbst ist nicht schwer, aber das Risiko einer Missbildung des Kindes ist für schwangere Frauen sehr hoch.“

Mumps

Halabi: „Wir hatten schon länger keine Mumps-Fälle mehr, aber ausgerottet ist die Krankheit in Europa noch nicht. Mumps kann dauerhaft unfruchtbar machen.“

Polio (Kinderlähmung)

Wimmer: „Diese Krankheit ist aufgrund der hohen Durchimpfungsrate praktisch verschwunden.“

FSME

Halabi: „Die Impfung gegen FSME (Frühsommermeningoenzephalitis, Gehirnhautentzündung, hervorgerufen durch Zeckenstich) ist die häufigste Impfung in Österreich. Und das, obwohl hier bei einer Erkrankung kein Risiko einer Ansteckung anderer Menschen besteht.“

Ansteckend: Personen im Umfeld finden, Ungeimpfte absondern
Amtsärztin Karoline Neuländner  
Bild: (mora)

Ansteckend: Personen im Umfeld finden, Ungeimpfte absondern

Ein Schulmitarbeiter in Friedburg, der an TBC erkrankt ist; einige Rötelnfälle in Eggelsberg: Das waren jüngst die aufsehenerregendsten Fälle von ansteckenden Krankheiten im Bezirk Braunau. Aber nicht die einzigen meldepflichtigen Erkrankungen. „Das gibt´s jeden Tag“, sagt die Braunauer Amtsärztin Karoline Neuländner. 42 meldepflichtige Krankheiten sind im Epidemiegesetz angeführt, für einen Teil gilt sogar schon der Verdacht auf Erkrankung.

Meistens melden Labors, die Blut oder Stuhlproben untersuchen, den Verdacht oder die Erkrankung, manchmal auch Ärzte, Lehrer oder Kindergärtnerinnen. Es gibt dafür ein Formular und ein elektronisches Meldesystem, manche rufen aber auch einfach an. Was die Amtsärzte dann zu tun haben, ist gesetzlich genau geregelt. „Wir erheben zunächst, ob die Personen im Umfeld des Erkrankten geimpft sind“, erklärt die Ärztin. Es gebe dafür Datenbanken, die seit 2000 befüllt werden. Das sei von Vorteil, denn Betroffene wissen im Akutfall oft nicht, ob sie Impfschutz haben, oder finden ihren Impfpass nicht gleich.

Die Ansteckung sei schon vor der Erkrankung möglich, weist Neuländner hin, dass umfassend erforscht werde, mit welchen Menschen der Kranke im fraglichen Zeitraum Kontakt hatte, besonderes Augenmerk werde dabei auf Personen gelegt, die mit Kindern, alten und kranken Menschen arbeiten. Gegebenenfalls werden Befunde erhoben, um eine eindeutige Diagnose stellen zu können.

„Der Zeitraum, in dem Ansteckung möglich ist, wird genau ausgerechnet und je nach Bedarf Absonderung angeordnet“, erklärt die Ärztin. Röteln sind 21 Tage ansteckend. In Eggelsberg seien Personen, die Kontakt mit Patienten, aber keinen Impfschutz hatten, abgesondert worden. „Viele davon haben in dieser Zeit Röteln gekriegt“, weiß Neuländner. Röteln seien für Schwangere sehr gefährlich, Masern können bei Erwachsenen einen schweren Verlauf haben, betont sie. „Ich verstehe nicht, warum Eltern ihre Kindern diese Krankheiten durchmachen lassen, wenn es doch seit den 80er-Jahren die Impfung gibt“, bezieht Karoline Neuländner Stellung. Und findet diese Impfmüdigkeit auch unsolidarisch: „Wie kommen andere dazu, dass sie angesteckt werden?“

Sie bedauert, dass in der öffentlichen Wahrnehmung zu wenig vorkommt, was Impfungen auch schon verhindert haben: „Pocken und Kinderlähmung gibt es bei uns nicht mehr“, nennt sie ein Beispiel. Die Dreifachimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln wird Kindern in zwei Teilen im Alter von etwa einem Jahr verabreicht.

Kinderlähmung, Lebensmittelvergiftungen, Masern, Bissverletzungen durch wutverdächtige Tiere, Diphtherie, Gehirnhautentzündung, Malaria, Röteln sind einige der anzeigepflichtigen Krankheiten.

Neue Studie: "Nicht geimpfte Kinder sind gesünder"
Dr. Wolfgang Schachinger  
Bild: privat

Neue Studie: "Nicht geimpfte Kinder sind gesünder"

Wenig bis gar nicht geimpfte Kinder sind im Allgemeinen gesünder. Zu dieser Erkenntnis kam eine Pilot-Studie – es war die erste ihrer Art – der amerikanischen Jackson-State-University (Mississippi). Bei den durchgeführten Untersuchungen wurden 261 ungeimpfte mit 405 Kindern verglichen, die entweder teilweise oder vollständig geimpft waren. Beurteilt wurde die allgemeine Gesundheit der Probanden. Am deutlichsten zeigte sich der Unterschied bei Lungenentzündungen, Heuschnupfen, ADHS, Mittelohrentzündungen und chronischen Allergien.

Wenig überraschend sind diese Ergebnisse für Dr. Wolfgang Schachinger, Arzt für Allgemeinmedizin und Ayurveda-Arzt im Haus der Gesundheit in Ried. Er plädiert für einen bewussten Umgang mit Impfungen.

„Grundsätzlich gilt: Weniger Impfstoffe pro Impfung und längere Abstände. Ich selbst impfe Kinder im ersten Lebensjahr meist nur ein Mal.“ Viele seiner Klienten seien Mütter, die die Sinnhaftigkeit der im Mutter-Kind-Pass empfohlenen Sechsfach-Impfungen bezweifeln. „Diese Mütter versorge ich mit Informationen. Aber ich überrede niemanden. Wenn Patienten oder Mütter Angst vor einer Krankheit haben, dann impfe ich, denn Angst wirkt sich immer negativ aus“, ist der Arzt überzeugt.

Er hat sich auf alternative Methoden spezialisiert, um Geist und Körper gesund und fit zu halten/machen. Ein wichtiger Teil dieser Philosophie sei eine gesunde Ernährung. „Es spielt eine große Rolle, was wir wann und in welchen Mengen essen. Grundsätzlich sollte man wissen, dass unser Körper mit Mangel besser klarkommt als mit Überfluss“, erklärt der Rieder Arzt. Wichtig für den Körper sei es auch, nicht jede Infektion sofort mit Antibiotika zu behandeln. „Es gibt viele Alternativen wie Wickel und Einläufe, die zur schnelleren Genesung beitragen“, ist Dr. Wolfgang Schachinger überzeugt.

Warum die Studie der Jackson-State-University trotz dieser Daten kaum Beachtung finden wird, sei laut Schachinger einfach erklärt: „Impfstoffe sind ein profitables Geschäft und die Impf-Lobby versteht es, den Leuten Angst und ein schlechtes Gewissen zu machen.“

Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden.
Was sagen Sie zum Thema? Jetzt kommentieren

Haben Sie bereits einen Benutzernamen? Dann melden Sie sich bitte hier an.
Um sich registrieren zu können müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort, Ihre E-Mail-Adresse und Ihre Handynummer mitteilen.
Gewünschter Benutzername
Gewünschtes Passwort
Wiederholung Passwort
E-Mail
Anrede
  Frau    Herr 
Vorname
Nachname
OÖNcard / Kundennummer (optional)
Handynummer
/

Sicherheitsfrage
Wie viel ist 10 x 2?