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Das Innviertel, der Nabel der Welt

INNVIERTEL. Serienstart für "Innviertel International" in der Rieder/Schärdinger Volkszeitung und der Braunauer Warte. Wir stellen zehn Menschen aus aller Welt vor, die hier bei uns im Innviertel leben und arbeiten.

Von OÖN, Monika Raschhofer, 04. Oktober 2018 - 17:04 Uhr

Menschen aus mehr als 200 verschiedenen Nationen weltweit leben im Innviertel – das zeigt eine Statistik der Gebietskrankenkassen, in der beitragspflichtige Versicherte aufgezählt werden. Das Innviertel ist längst schon zu einer dynamischen und starken Wirtschaftsregion angewachsen. Und das geht noch weiter. Die Konjunktur brummt. "Das ist kein Lüfterl, es sieht so aus, als ob dieser große Aufschwung nachhaltig sein wird", prognostiziert Braunaus Wirtschaftskammer-Leiter Klaus Berer. Weltweit agierende Firmen aus dem Innviertel wie KTM, AMAG, B&R, Fill, FACC oder EVG brauchen geschultes Personal. Und dieses ist gewillt, aus allen Ecken und Enden der Erde ins Innviertel zu ziehen, um sich hier bei namhaften Firmen beruflich zu verwirklichen.

Die Vielfalt der Nationen bringe verschiedene Vorteile mit sich, sagt Team 7-Eigentümer Georg Emprechtinger aus Ried. Verhandlungen, die etwa mit Partner in Moskau durch russische Native Speaker geführt werden können, seien wesentlich effizienter. Viele kommen zwar aus anderen Gründen, bleiben aber, weil es hier Arbeitsplätze gibt und sie in der Region längst eine zweite Heimat gefunden haben.

Genau solche Menschen wollen wir in einer eigenen Serie vorstellen. Unter dem Titel "Innviertel International" werden wir in den nächsten Ausgaben der Braunauer Warte und der Rieder/Schärdinger Volkszeitung Personen aus zehn verschiedenen Ländern vorstellen, die im Innviertel ihre Zelte (dauerhaft) aufgeschlagen haben. Die Bandbreite reicht vom nigerianischen Pfarrer über einen chinesischen Ingenieur im Prozessentwicklungsteam bei EVG bis hin zur Inhaberin von KTM-Fahrrad, Carol Urkauf-Chen aus Taiwan – siehe Infobox unten. Sie alle werden ihre (Lebens)Geschichte erzählen und geben einen Einblick, wie es ausländischem Personal im Innviertel geht. Henrik Wiese aus Schweden beginnt.



PDF Datei (4.08 MBytes.)

Diese zehn Kandidaten stellen wir ihnen in den nächsten Wochen in Warte und Volkszeitung vor

Yixuan Liu, China
Sein Beruf als Process Technology Engineer hat den 37-jährigen Chinesen in die Gemeinde St. Florian/I. verschlagen. Liu arbeitet seit 2012 im EVG-Prozessentwicklungsteam.

Lizeth Außerhuber-Camposeco
Aus Guatemala nach Braunau hat es Lizeth Außerhuber-Camposeco verschlagen. Sie ist Leiterin der Volkshochschule, Grünen-Stadträtin und Integrationsbeauftragte der Stadt Braunau.

Arturo Gallego Alcaide, Spanien
Der Spanier ist bei der Firma Fill in der Software-Automation tätig und wohnt mit seiner Frau und seiner 14 Monate alten Tochter in der Stadt Ried.

Tsuguo Sekiguchi, Japan
Der Musiklehrer aus Japan wohnt seit 34 Jahren im Bezirk Braunau. Einst ist er der Liebe wegen hergezogen, wegen der Musik ist er geblieben. Er unterrichtet Gitarre, E-Gitarre und E-Bass.

Nijo Sebastian, Indien
Um die Gäste im Schärdinger Kurhaus kümmert sich Ayurveda-Meister Nijo Sebastian. Die Barockstadt ist für den Schnitzel-Fan zur neuen Heimat geworden.

Carol Urkauf-Chen, Taiwan
Carol Urkauf-Chen ist die Eigentümerin der Mattighofner Firma KTM-Fahrrad. Sie hat es vor vielen Jahren durch den Handel mit Fahrradrahmen von Taiwan nach Europa verschlagen.

Maximus Oge Nwolisa, Nigeria
Der 33-Jährige Priester aus Nigeria ist seit 1. September Seelsorger in Braunau – er kennt das Innviertel also erst kurz. Österreich kennt er aber, er lebte vorher in Innsbruck und Perg.

Natalya Maier, Ukraine
Der Innviertler Dialekt gefällt Natalya Maier besonders. Die 42-jährige Ukrainerin hat vor sieben Jahren den Betreiber des „Wirt z’Kubing“, August Maier, geheiratet.

Axel Schiermeyer, Deutschland
Seit 14 Jahren arbeitete der Deutsche aus Nordrhein-Westfalen bei Team 7 in Ried. Schon während seines Studiums der Holztechnik wurde er auf die Firma aufmerksam.

Henrik Wiese, Schweden
Mit seiner Frau ist der Schwede nach Munderfing gezogen, weil er Projektleiter bei KTM-Motorrad wurde. Mit ihm beginnt unsere Serie.

 

Nochmal etwas Neues und mehr mit Technik: Schwede fand Aufgabe bei KTM und will bleiben
Halbleer ist die Motorrad-Garage gerade – Henrik Wiese hat zwei von vier Bikes bereits auf einen Anhänger verladen für das nächste Rennen.  
Bild: mora

Nochmal etwas Neues und mehr mit Technik: Schwede fand Aufgabe bei KTM und will bleiben

Abteilungsleiter bei KTM-Motorrad: Diese Arbeit gefällt Henrik Wiese, weil sie wieder mehr mit Technik zu tun hat, seiner ursprünglichen Ausbildung. Im Laufe seines Berufslebens habe die ökonomische Seite immer mehr Gewicht bekommen, erklärt der 55-Jährige, der seit zwei Jahren mit seiner Frau Ingela im Innviertel lebt – zuerst in Kirchberg mit schönem Ausblick in die Berge, jetzt im eigenen Haus in Munderfing mit kurzem Weg in die Arbeit.

„Das Haus in Schweden haben wir verkauft. Sonst wäre es zu einfach, aufzugeben und zurückzusiedeln. Wenn man keine andere Möglichkeit hat, versucht man mehr, sich zu integrieren“, sagt der Ingenieur, der in Stockholm studiert hat. Die Sprache ist für ihn der Schlüssel zur Integration. „Mit Grammatik bin ich nicht so gut. Die Präpositionen kommen bei mir eher wie von der Tombola“, merkt er selbstkritisch an, besteht aber darauf, dass die Kollegen mit ihm deutsch reden, nicht englisch. Denn er will lernen, wenn ihn auch der Dialekt – „Für mich ist das eine ganz andere Sprache“ – mitunter überfordert, Missverständnisse inbegriffen. In der Grundschule hatte er Deutsch als zweite Fremdsprache: „Zu wenig ernst genommen, schade.“ Der Vater, der aus Travemünde stammt – daher auch der deutsche Nachname –, habe leider kein Wort deutsch geredet daheim.

Schweden – Asien – Innviertel

Stockholm, Dalarna, Oxelösund, Lomma, Malmö – das waren Wieses Stationen in Schweden, bevor es ihn und seine Frau in die weite Welt hinaus zog. „Als die zwei Söhne aus dem Haus waren, haben wir gesagt, dass wir jetzt machen können, was wir wollen.“

Für das Unternehmen Thule war der Ingenieur mit ökonomischer Zusatzausbildung damals viel in Asien unterwegs. Statt dauernd hin und her zu fliegen, könnte man doch auch drüben wohnen, war die Überlegung. Und so ging´s für einen befristeten Auftrag nach Hongkong. „Wir haben versucht, ein bisschen Kanton, die Sprache dort, zu lernen, weil es unhöflich ist, das nicht zu tun“, erzählt Henrik Wiese. Im Jänner 2016 hat er noch für Thule in Schweden gearbeitet, ab 8. Februar war er bereits für KTM tätig.

 

 

 

„Es war die einzige Stellenausschreibung, für die ich mich auf Englisch bewerben konnte“, nennt Wiese einen praktischen Grund. „Vom Herz her bin ich ein Ingenieur“, deshalb hat ihn die Aufgabe auch gereizt. Und mit Motorrädern hatte er als Hobbyrennfahrer schon länger Erfahrung und sogar mit einem Freund in Schweden eine Firma in diesem Sektor – für Racing Simulationen. Ein Sohn lebt mittlerweile auch im Innviertel, der andere in Schweden.

Nur Meer und Wind fehlen

„Ich habe keine anderen Pläne, ich habe noch zehn Jahre bis zur Pension“, kündigt er an, im Innviertel zu bleiben. Ingela Wiese arbeitet in der Therme Geinberg und seit kurzem auch als Schwedisch-Lehrerin an der Uni Salzburg. Eine Terrasse haben die beiden gebaut: „Schweden sitzen immer draußen, wenn es nur ein wenig geht. Hier ist das anders, obwohl das Wetter fast immer gut ist.“

Fürs Radfahren und Tischtennisspielen hat Henrik Wiese bereits passende Vereine gefunden. Nur das Meer fehlt ihm in Österreich und ausreichend Wind zum Segeln.

 

Am häufigsten kommen Deutsche zu uns

Mehr als 2600 Deutsche haben sich laut OÖ-Gebietskrankenkasse im Innviertel niedergelassen (Stichtag 30.6.2018). Sie führen die Versichertenliste Nicht-Österreicher an. Gefolgt von Rumänen (ca. 2200). Rang drei besetzen die rund 1500 Menschen mit bosnischer Staatsbürgerschaft, gefolgt von Ungarn (rund 1400) und Türken (rund 1200). Aber auch drei Menschen aus Haiti, zwei aus Jamaika und zwei aus Luxemburg und zwei aus Israel sind laut Gebietskrankenkasse im Innviertel gemeldet.

Diese Zahlen beziehen sich auf alle Versicherungsverhältnisse inklusive Erwerbstätige, Selbstversicherungen, Pensionisten, Leistungsbezieher und Asylwerber. Nicht berücksichtigt sind mitversicherte Angehörige, also zum Beispiel die Kinder.

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