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"Skandalprinz" der Boulevardmedien – aber hoch angesehen daheim im Almtal

Ein Bild aus dem Jahr 2005 – als Prinzessin Caroline noch an der Seite Ernst Augusts im Almtal lebte. Bild: Fellner

"Skandalprinz" der Boulevardmedien – aber hoch angesehen daheim im Almtal

GRÜNAU. Prinz Ernst August von Hannover ist für die Krawallpresse der schrille, unberechenbare Exzentriker, doch in Grünau kennt man den Welfenprinzen von einer ganz anderen Seite.

Von Edmund Brandner, 11. August 2018 - 00:05 Uhr

Haus Hannover

 

 

Goldesel der Krawallpresse

Am 20. Juli 1999 wurde im Almtal vorzeitig die Jagdsaison eröffnet. An diesem Tag kam Alexandra Charlotte zur Welt, die Tochter von Prinz Ernst August von Hannover und Prinzessin Caroline von Monaco. Die Jäger waren Pressefotografen aus aller Welt. Abgesehen hatten sie es auf das Neugeborene, und sie belagerten, ausgerüstet mit langen Teleobjektiven, zu Dutzenden zuerst die Geburtsklinik in Vöcklabruck und dann das Jagdschloss des Welfenprinzen im Almtal. "Als der erste Schnappschuss gelang, kassierte der glückliche Kollege 300.000 Franc dafür (entspricht 46.000 Euro, Anm. d. Red.)", sagt ein oberösterreichischer Profifotograf, der dabei war. Er selbst fotografierte damals ein Handgemenge zwischen Mitarbeitern von Ernst August und einem anderen Fotografen. "Mit dem Bild verdiente ich auch ganz gut", sagt er.

Man muss sich solche Szenen vor Augen halten, um Ernst Augusts Aversion gegen die Klatschpresse zu verstehen. Dass der Welfenprinz einige Male selbst auf zudringliche Journalisten einschlug, brachte ihn vor Gericht und kostete ihn viel Geld. Der Boulevard schlachtete die Skandale genüsslich aus. "Prügelprinz" und "Prügelaugust" nannten Krawallblätter den Adeligen. Die Bild-Zeitung legte mit "Pinkelprinz" nach, woraufhin der Welfenprinz die Bild-Reporter als "Arschlöcher" titulierte.

Doch dort, wo Ernst August lebt, nämlich im Almtal, kennen die Menschen einen anderen Welfenprinzen. Einen stillen und zurückgezogenen. Jemanden, der Freunde in der Bevölkerung hat. Dessen Tochter mit Grünauer Mädchen und Buben im Kindergarten spielte.

Als er sich vor wenigen Wochen nach einem Spitalsaufenthalt bei den Krankenhausmitarbeitern in Gmunden bedankte, lud er die OÖNachrichten ein, dabei zu sein. Eine Interviewanfrage für diesen Artikel lehnte er freundlich ab. Er sei verhindert.

"Skandalprinz" der Boulevardmedien – aber hoch angesehen daheim im Almtal
Der Welfenprinz im Mai nach einem Spitalsaufenthalt.  
Bild: ebra

"Ernst August hat viel für Grünau getan, das Almtal liegt ihm am Herzen", sagt einer, der es wissen muss. Bernhard Lankmaier ist Geschäftsführer des Cumberland-Wildparks in Grünau, den es ohne den Prinzen nicht mehr geben würde. Die Anlage gehört der Cumberland-Privatstiftung und damit der Welfenfamilie. Weil der Park hohe Verluste erwirtschaftete, sollte er 2008 geschlossen werden. 70 private Almtaler Spender brachten gemeinsam Kapital auf, um den Wildpark zu retten. "Es war Ernst August, der den Stiftungsrat dazu bewegte, uns den Park für einen symbolischen Euro pro Jahr zu überlassen", sagt Lankmaier.

Während die Yellow Press sich brennend für das Liebesleben des Prinzen interessiert ("Er hat schon wieder eine Neue!"), interessiert dieser sich für seinen Wald und die Menschen, die dort für ihn arbeiten. "Als er zufällig einmal sah, wie sich die Forstarbeiter im Wald abplagten, befahl er spontan, ihnen einen neuen, stärkeren Traktor zu kaufen", sagt Lankmaier.

Der Wildpark floriert heute wieder, und wenn abends die letzten Gäste nach Hause gefahren sind, nutzt ihn der 64-Jährige manchmal für einsame Spaziergänge. Die Fotografen lassen ihn dort inzwischen wieder in Ruhe.
 

Aus der Familiengeschichte

Hannovers König Georg V., ein Cousin der englischen Königin Victoria, ließ sich nach einem verlorenen Krieg am Traunsee nieder.

gmunden. Die meisten Menschen glauben , mit dem Habsburg-Kaiser Franz Joseph I. und seinen Nachkommen hätte Bad Ischl das prominenteste Adelsgeschlecht des Landes im Talon. Das stimmt aber nicht. Wenn es um den Stammbaum geht (und um den geht es in blaublütigen Kreisen), haben Gmunden und das Almtal mit den Hannoveranern die Nase vorn.

 Aus der Familiengeschichte Ein König, der nach Gmunden flüchtete und die Stadt bis heute prägt
König Georg V. (1865–1936)  
Bild: Archiv

13 Jahrhunderte hinter sich

Das Haus Hannover ist eine Linie der Welfen – und entstammt damit einem der ältesten europäischen Fürstenhäuser, dessen Aufstieg bereits unter den Karolingern im achten Jahrhundert begann. Die Vorfahren der Habsburger molken zu dieser Zeit noch Kühe in der Schweiz.

An den Traunsee kamen die Hannoveraner 1867 dennoch mit Hilfe der Habsburger, und die Sache war Letzteren wohl ein wenig peinlich. Das Haus Hannover war ein Jahr zuvor an der Seite Österreichs in den Krieg gegen Preußen gezogen. Es schlug sich tapfer, doch die Österreicher verloren die Schlacht bei Königgrätz und damit den ganzen Krieg. Die Preußen bestraften danach aber auch König Georg V. von Hannover, den sie ins Exil nach Österreich jagten. 1868 ließ sich die königliche Familie in Gmunden nieder.

 Aus der Familiengeschichte Ein König, der nach Gmunden flüchtete und die Stadt bis heute prägt
Schloss Cumberland  
Bild: Fischbacher

Gmunden fuhr allerdings nicht schlecht mit den Hannoveranern. Nachdem diese zuerst Villen erwarben, errichtete Georgs Sohn Ernst August, der sich „Herzog von Cumberland“ nannte, auf einem Hügel über der Stadt das Schloss Cumberland im neugotischen Stil. Im 20 Kilometer entfernten Almtal erwarb der Welfe auch ein riesiges Forstrevier, um standesgemäß auf die Jagd gehen zu können. Sein Enkel Ernst August (siehe oben) lebt dort heute noch in seinem Jagdschloss.

In Gmunden selbst betätigten sich die Hannoveraner als Gönner. Mit finanzieller Unterstützung des protestantischen Adelshauses konnten zwischen 1871 und 1894 die evangelische Kirche sowie ein dazugehöriges Pfarrhaus errichtet werden. Aber auch profane Bauvorhaben und Straßenprojekte unterstützten die deutschen Exilanten. Die „Georgstraße“ und die „Cumberlandstraße“ zwischen der evangelischen Kirche und dem Schloss erinnern noch heute an sie.

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Bild: Archiv

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