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Ein genialer Grantler vor dem Herrn: The-National-Frontmann Matt Berninger Bild: VOLKER WEIHBOLD

Dunkle Wolken und düstere Melodien

The National demonstrierten bei der dritten Auflage des „Ahoi! Full Hit of Summer“-Festivals an der Linzer Donaulände ihre musikalische Extraklasse.

Von Lukas Luger, 12. Juli 2018 - 16:02 Uhr

Es ist die perfekte Musik für verregnete Novembernachmittage, die Matt Berninger und seine Kollegen von The National fabrizieren: düster, leicht mysteriös, ideal, um sich hoffnungslos darin zu verlieren. Passend also, dass beim Auftritt des US-Quintetts aus Ohio am Mittwochabend beim "Ahoi! Full Hit of Summer"-Festival immer wieder dunkle Wolken und Regenschauer die Besucher sekkierten. Der Stimmung unter den mehr als 4000 Fans tat dies aber keinerlei Abbruch. Ähnlich war die Gefühlslage auf der Bühne: "Hier sieht’s ja aus wie in Cincinnati. Das gefällt uns!", rief Berninger mit Blick auf die Donaulände.

Gab’s beim ersten Song – dem noch unveröffentlichten "Quiet Light" – noch einige windschiefe Töne zu ertragen, so darappelten sich The National im Laufe ihres Auftritts. Mit fulminanten Stücken wie "The System Only Dreams In Total Darkness", "I Need My Girl" und natürlich "Bloodbuzz Ohio" zeigten die begnadeten Frustschieber, wie elegant sie doch introspektive, die eigenen seelischen Dämonen sezierende Texte mit epischen Rock-Melodien zu vermählen vermögen. Der Schmerz, all die Wut und Verzweiflung verkamen hier nicht zur schalen Rock-’n’-Roll-Pose, sondern wurden zum tief empfundenen künstlerischen Antriebsmittel. The National beschworen innig Joy Division, Bruce Springsteen und Radiohead – und zogen dabei doch ihr eigenes Ding durch.

Präzise und nuanciert

Präzise und nuanciert, zumindest das Gros der Zeit, spielte sich die Band durch ein 17 Songs umfassendes "Ahoi!"-Set, dessen Schwerpunkt klar auf dem aktuellen Album "Sleep Well Beast" lag. Besonders schön gerieten an diesem Abend "Day I Die" und das famose "Rylan". Letzteres taucht seit Jahren regelmäßig in den Live-Shows auf, eine Veröffentlichung auf Platte haben The National der melancholischen Rocknummer über die Schattenseiten Kaliforniens bis dato nicht spendiert. Das kann sich nicht jede Band leisten.

Leisten konnte sich Frontmann Matt Berninger auch, in Linz auf die branchenüblichen Rockstar-Spompanadeln zu verzichten. Von zwei kurzen Spontanausflügen ins überraschte Publikum einmal abgesehen. Dass ihre Bühnenperformance streckenweise etwas kühl und distanziert wirkte, nahmen diese Helden des Herzschmerzes dabei sicherlich gerne in Kauf.

Seinen ersten "Ahoi!"-Auftritt des Abends absolvierte Berninger übrigens bereits vor dem The-National-Gig. Als Gaststar stand er beim Auftritt der Glasgower Electropop-Band Chvrches auf der Bühne und sang mit Lauren Mayberry den gemeinsamen Hit "My Enemy" – eine Live-Weltpremiere! Ein echter Höhepunkt, beileibe aber nicht der einzige im lässigen, mitreißenden Set der Schotten. Auch bei "Graffiti", "Bury It" oder "The Mother We Share" demonstrierte das Trio sein feines Händchen für quietschbunten Synthiepop.

Chvrches-Sängerin Lauren Mayberry  
Bild: VOLKER WEIHBOLD

Musikalisch ganz anders gepolt: Moses Sumney. Gebaut wie ein Türsteher, aber mit der zarten Falsettstimme eines Engels gesegnet, bezaubert der Newcomer aus Los Angeles mit seinem so eigenwilligen wie faszinierenden Kammermusik-Soulpop. Weniger zart besaitet gaben sich zum "Ahoi!"-Auftakt das Londoner Girl-Punktrio Dream Wife sowie das US-Rock-’n’-Roll-Duo Deap Vally. Ersteres lustiger und unterhaltsamer, zweiteres brachialer und technisch versierter.

Fazit: Auch die dritte "Ahoi!"-Auflage konnte vollends überzeugen, besonders die Headliner The National. Ein Festival, das sich mehr als 5000 Besucher verdient hätte.

 

OÖN-Umfrage: Was sagen die Besucher zum „Ahoi! Full Hit of Summer“-Festival an der Donaulände in Linz?

"Ich find’s toll, dass es so ein Festival gibt. Eines, für das ausnahmsweise die Wiener nach Linz kommen müssen." - Flo Ritt, Folkshilfe-Sänger aus Linz

"Das Gesamtpaket aus Bands und Location stimmt beim ‘Ahoi’ einfach. Ich bin als Stammgast zum dritten Mal da." - Katharina Pamminger, aus Linz

"Mir gefällt die zentrale Lage des Festivals, das ist ideal. Einen besseren Start in die Sommerferien kann ich mir kaum vorstellen." - Kieran Bates, aus Linz

"Ich bin aus Belfast hergeflogen. The National sind meine Lieblingsband, vor drei Wochen habe ich sie zuletzt in Dublin gesehen." - Michael McParland, aus Belfast

 

 

 

 

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