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Was Söhne von ihren Papas lernen

Von Claudia Riedler, Valerie Hader, Barbara Rohrhofer und Dietlind Hebestreit   09. Juni 2018 00:04 Uhr

Väter sind wichtige Vorbilder, was die Männlichkeit betrifft Psychologe rät ihnen, sich schon bei der Babypflege einzubringen.

Ob man hinaus in die Natur geht, eine Arztpraxis betreibt, sportelt oder kocht: "Gemeinsame Aktivitäten stärken die Beziehung zwischen Vater und Sohn", sagt Eduard Waidhofer. Der Linzer Psychologe und Psychotherapeut war viele Jahre Leiter der Männerberatungsstelle des Landes und hat ein Buch über die Erziehung von Buben geschrieben. ("Jungen stärken", Fischer&Gann-Verlag). Der Papa sei für die Buben ein Vorbild, so etwas wie das erste männliche Leitbild. "Die Buben schauen sich vom Vater das Mannsein ab. Männer sollten daher authentisch sein und nicht den Coolen spielen."

Es sei auch wichtig, dass die Väter eine eigenständige Beziehung zu ihren Kindern haben – unabhängig von der Mama, sagt Waidhofer. "Entscheidend ist außerdem das Bild, das die Mutter vom Vater vermittelt, das wirkt sich auch auf die Söhne aus."

77 Prozent der Väter sind laut marketagent-Umfrage der Ansicht, dass die Aufgabenverteilung zwischen ihnen und den Müttern gleich ist. Diese Auffassung teilen allerdings nur 44 Prozent der Frauen. Was die Väter vermitteln möchten ist Höflichkeit, Selbstbewusstsein, Humor, Verlässlichkeit und Disziplin.

"Väter beschränken sich oft auf die Freizeitaktivitäten, während sie die alltägliche Versorgung den Frauen überlassen", sagt Waidhofer. Er empfiehlt den Männern, sich schon bei der Babypflege einzubringen und nicht erst dann, wenn die Buben größer werden. "Studien zeigen, dass dadurch die emotionale Bindung zum Kind gestärkt wird und die Väter eine tiefe Beziehung aufbauen können." Söhne brauchen Körperkontakt zum Papa. "Sie sind gern aktiv, wollen mit dem Vater herumtollen, aber auch kuscheln."

Während kleine Buben stets ihrem Vater nacheifern, kann es in der Pubertät schon vorkommen, dass die Burschen rebellieren. "Das ist auch wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung", erklärt der Psychologe. Väter müssten akzeptieren, dass ihre Kinder einen anderen Weg einschlagen. "Sie sollten sich trotzdem in die Lebenswelt des Sohnes einfühlen, immer im Gespräch bleiben und eine Art Coach für ihn sein."
 

„Das kann man ihnen nur vorleben“

Förster und Jäger Toni Streif hat stets versucht, seinen beiden Söhnen die Liebe zum Wald und Respekt zur Natur zu vermitteln.

"Das kann man ihnen nur vorleben"
Toni Streif und seine Söhne Anton und Valentin

Seine Söhne – Anton ist 19, Valentin 15 – sind mit dem Wald schon von Klein auf vertraut. „Meine Frau und ich haben die Buben mitgenommen, da sind sie fast noch in den Brombeerstauden steckengeblieben“, erzählt Förster und Jäger Toni Streif aus Weilbach im Bezirk Ried. Bis heute helfen die Burschen bei der Arbeit. „Zum Beispiel, wenn wir die Tannenwipferl einstreichen, um sie vor Verbiss zu schützen“, erzählt Streif. Im Winter nehme ich sie mit zum Wildfüttern und gerade erst haben wir gemeinsam einen Hochstand gebaut.“

Und wenn seine Kinder – der älteste Sohn macht gerade die Matura an der Försterschule in Bruck – später in seine Fußstapfen treten wollen, dann würde sich der 49-Jährige „riesig freuen.“ Aber: „Das ist nur ein Angebot: Man kann den Jungen heute nichts mehr anschaffen, die sind zum Glück viel zu selbstständig. Man könne nur versuchen, ihnen ein positives Beispiel zu geben und ihnen die Freude an dem Beruf vorleben.

Toni Streif selbst ist auf Umwegen zu seinem Traumjob gekommen. „Eigentlich war ich nämlich als Erbe für den Bauernhof und das Gasthaus meines Onkels vorgesehen und habe dafür sogar die Tourismusschule besucht. Doch dann habe ich mich umentschieden – und eine Ausbildung zum Förster gemacht.“

Heute hat sich der Innviertler nicht nur den Traum vom eigenen Forstgut erfüllt, wie er erzählt, sondern auch eine erfolgreiche Waldbewirtschaftungsfirma aufgebaut. „Wir beraten mittlerweile Waldbesitzer in ganz Österreich“, sagt Streif. Begonnen haben er und seine Frau Sonja vor 20 Jahren zu zweit – heute haben sie 25 Mitarbeiter. „Es war auf jeden Fall ein steiniger Weg, denn es wird einem nichts geschenkt im Leben.“

Toni Streifs Glücksrezept

Genau das ist es, was er seinen Söhnen mitgeben will: „Macht euren Weg – aber macht das, was ihr tut mit Leidenschaft. Denn, wenn man eine Familie hat und gesund ist – und man dann auch noch eine Arbeit hat, die man gern macht, dann passt schon ganz viel im Leben.“ Natürlich braucht man auch Glück – aber man muss auch daran arbeiten. Was ihn zum Vatertag erwartet? „Ich lasse mich überraschen. Aber mittlerweile gibt es für die Buben schon coolere Sachen, als Zeit mit dem Papa zu verbringen. Ich bin schon froh, wenn sie mit mir eine Mountainbike-Runde drehen.“
 

„Ich hab von ihm den Ehrgeiz“

Papa Stephan Selinger radelt oder läuft, während sein Sohn Jan beim Triathlon-Training ist; manchmal sporteln sie auch gemeinsam.

"Ich hab von ihm den Ehrgeiz"
Stephan und Jan Selinger

Die Selingers sind eine sportliche Familie. „Das ist mir auch sehr wichtig, dass meine Buben – Jan und David – Sport machen“, sagt Papa Stephan Selinger (46) aus Linz. Vor etwa drei Jahren ist er auf den Triathlon-Verein TriRun gestoßen, als dieser gerade mit dem Aufbau einer Junioren-Mannschaft begann. „Das taugt mir wirklich sehr, weil es so abwechslungsreich ist. Wir trainieren Schwimmen, Laufen und Radfahren“, sagt der elfjährige Jan.

Während der Schüler fünf bis sieben Stunden pro Woche am Pleschingersee oder auf der Gugl trainiert, dreht sein Papa auf dem Rad oder mit den Laufschuhen seine Runden. „Beim speziellen Rennrad-Training sind wir auch gemeinsam unterwegs“, sagt Selinger. Das sei seine Lieblingsdisziplin, die er seit Jugendtagen betreibt. „Früher bin ich auch Radrennen gefahren. Zum Triathlon bin ich eigentlich erst mit meinem Sohn gekommen“, sagt er.

Als junger Bursche war er noch sehr ehrgeizig, jetzt trainiert Stephan Selinger nur mehr zum Spaß. „Den Ehrgeiz habe ich von meinem Papa geerbt“, sagt Jan . Dieser nennt das lieber Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen. „Das Training soll Spaß machen. Es geht darum, herauszuholen, was in ihm steckt, und sich immer weiter zu steigern. Jeder für sich.“

Freude über einen Sieg

Dennoch: Wenn Jan Selinger bei einem Triathlon-Bewerb antritt, möchte er gewinnen. „Und mir taugt es natürlich, wenn er auf dem Podest landet, weil er sich so freut“, sagt Stephan Selinger. Beim Duell Vater gegen Sohn gewinnt er nicht mehr in jedem Fall. „Beim Schwimmen bin ich besser als mein Papa“, sagt Jan. Sein erklärtes Ziel lautet, in allen Disziplinen schneller zu sein als er. „Und das wird mir auch gelingen.“ Vorerst nutzen die beiden noch die Team-Stärke und treten demnächst bei einem Staffel-Bewerb in Tschechien an, bei dem der Elfjährige schwimmt und der 46-Jährige radelt und läuft.

Beruflich will Jan Selinger aber nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten, der an der FH Hagenberg Professor für Softwaretechnik ist. „Ich möchte Sportarzt werden“, sagt Jan. Darüber und über viele andere Vater-Sohn-Themen reden die beiden bei ihren gemeinsamen Unternehmungen. „Wir gehen sehr gerne Burger essen, so einen richtig guten“, sagen die Selinger-Männer einhellig. 
 

„Ich bewundere die Ruhe, die er ausstrahlt“

Zwei Ärzte – eine Familie: Jörg und Florian Ardelt betreiben in Marchtrenk gemeinsam eine Praxis. Neben dem Beruf verbindet Vater und Sohn auch die Liebe zur Musik.

"Bewundere die Ruhe, die er ausstrahlt"
Eingespieltes Team

„Fachgespräche? Die gibt es bei uns jeden Tag“, sagt Florian Ardelt. Der Hausarzt ist 2013 in die Praxis seines Vaters in Marchtrenk eingestiegen. In diese Rolle ist der 40-jährige Linzer langsam hineingewachsen. „Ich habe schon als Jugendlicher Schulkollegen beim Fußballspielen Verbände angelegt“, erinnert sich der Junior. Für den Arztberuf entschied er sich auch, „weil ich gesehen habe, wie gut der Vater mit seiner Berufung umgeht. Ich bewundere die Ruhe, die er ausstrahlt. Er hat ein gesamtheitliches Bild vom Menschen und ich lerne jeden Tag von ihm. Ich schätze die Großzügigkeit, mit der er sein Wissen und seine Zeit an mich weiter gibt.“

Auch Jörg Ardelt streut seinem Sohn Rosen: „Er ist sehr klar und hat in der Praxis seinen eigenen Stil. Es gefällt mir, dass er mich nicht kopiert. Ich frage ihn auch gerne um Rat, zum Beispiel wenn er bei Fortbildungen war.“ Dass sein Kind denselben Beruf wie er ergriffen hat, freut den Senior. „Ich habe aber nie erwartet, dass mein Sohn bei mir in die Ordination einsteigt“, sagt der erfahrene Hausarzt. Doch seine Praxis sei sehr groß gewesen und jetzt habe er mehr Zeit für seine Patienten.

Übrigens gibt es in dem Team keinen Chef, die Arbeit wird gerecht aufgeteilt: Einmal sitzt der eine in der Ordination und betreut die Patienten, während der andere Blutabnahmen und ähnliches macht; an anderen Tagen ist es dann umgekehrt.

Neben der Liebe zur Medizin ist Florian Ardelt auch ein begeisterter Musiker: „Das hätte ich mir auch als Beruf vorstellen können. So spiele ich jetzt eben beim Musikverein Marchtrenk.“ Auch eine Leidenschaft, die er mit dem Vater teilt.
 

„Einer gibt immer nach“

Lukas und Peter Haudum arbeiten im Gasthaus zusammen – das Vater-Sohn-Team bewährt sich.

"Einer gibt immer nach"
Vater-Sohn-Gespann im Wirtshaus

„Ich hab’ mir das Arbeiten mit dem Papa viel komplizierter vorgestellt – nach einem Jahr zeigt sich jetzt, dass wir ein super Team sind“, erzählt Lukas Haudum (26).

2017 ist der Junior ins allseits bekannte gleichnamige Familiengasthaus in Helfenberg zurückgekehrt. Und der Papa hat seinem Sohn, der auf der ganzen Welt viel gastronomische Erfahrung sammeln durfte, gleich Platz in der Küche gemacht.

„Es tut einfach gut, wenn frischer Wind ins Haus kommt. Und ich muss sagen, dass der Lukas ein bewundernswertes Fachwissen hat“, streut Peter Haudum, 56, seinem Nachwuchs Rosen. „Wir haben eine Gaudi und lernen voneinander“, sagt der Vater von drei Kindern, der sich jetzt um viele andere Sachen im Gasthaus kümmert. „Es gibt eh viel zu tun.“

Die Haudums sind stolz darauf, echte Familienmenschen zu sein. Der neue Küchenchef Lukas und seine frisch angetraute Frau Fina wohnen bei den Eltern im Haus. Sogar die Freizeit wird gemeinsam genossen. Das gute Verhältnis zwischen Vater und Sohn bestehe seit der Kindheit. „Der Papa hat immer zu mir gehalten, wenn’s etwas gegeben hat. Er war mir immer Stütze und Vorbild“, sagt der Sohn.

Zum Vatertag wird nicht gefeiert, sondern gearbeitet. „Da ist das Gasthaus voll“, freuen sich Vater und Sohn, die Konflikte auf eine ganz besondere Art lösen. „Einer gibt einfach immer nach.“

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