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Spezial

„Der Mann war der Chef“

Von Elisabeth Kropf   19. Mai 2018 00:04 Uhr

"Der Mann war damals der Chef – das war einfach so"
Zeitzeugin Christine Sutrich im Gespräch mit Schülerin Elisabeth Kropf

Christine Sutrich lebte 1968 als junge Mutter und Ehefrau in Linz. Damals sei der Mann der Chef in der Ehe gewesen, sagt sie im Interview mit Elisabeth Kropf: „Ein Mann war ein Mann.“ Sie träumte davon, sich im Modesalon die Kleider schneidern zu lassen, während ihre Schwester aus Hamburg von den zerstörerischen Aktionen der „Revoluzzer“ in einem Geschäft berichtete.

Wie war das Leben damals? 

Man hat sich gesittet verhalten. Man legte Wert darauf, dass Männer gutes Benehmen haben, den Frauen in den Mantel helfen und so weiter. Es gab eine gewisse Aufbruchstimmung. Jeder hatte einen Job. Bei uns in der Schule waren die Wände voll mit Zetteln von den Firmen, die Leute suchen. Man hat sich die Jobs aussuchen können. 

Wo gab es Unterschiede zwischen Männern und Frauen? 

Man hat die Unterschiede nicht als Differenz empfunden, es war einfach so. Ein Mann war ein Mann, und der war der Haushaltsvorstand. Der Mann war der Chef. Es wäre zum Beispiel ein Scheidungsgrund gewesen, seinem Mann nicht zu folgen, wenn er etwa nach Düsseldorf versetzt wird. 

Welche Träume hatte man?

Vielleicht war man damals nicht so verwöhnt. Es wurde einem ja nichts vorgegaukelt. Im Fernsehen gab es FS 1 und FS 2. Man war froh, dass man sein Auskommen hatte. Mein Traum war es, mir in einem Modesalon Kleider schneidern zu lassen. Ich wollte gut aussehen. 

Wie hast du die 68er-Bewegung in Linz erlebt? 

Die Gesellschaft war in dieser Frage gespalten. Bei den einen gab es blankes Entsetzen, den anderen war es egal. Die Demos waren ja im fernen Wien. Aber es gab natürlich Auseinandersetzungen, für die ich ein gewisses Verständnis gezeigt habe. Aber sonst war es ziemlich still in Linz. 

Hat sich das Leben nach dem 68er Jahr stark verändert? 

Ja, es ist schon einiges in Bewegung gekommen, etwa, was die Rechte der Frauen anlangt. In den 1970er Jahren gab es dann eine eigene Staatssekretärin für Frauenangelegenheiten. Aber die Gesellschaft hat sich natürlich nicht so schlagartig verändert, das ging langsam, aber merkbar. 

Woran erinnerst du dich im 68er Jahr? 

Ich kann nur erzählen, was mir meine Schwester geschildert hat, die in Hamburg lebte. Da ging es ja etwas munterer zu als bei uns, zum Beispiel bei Demonstrationen. Meine Schwester war mit dem Kinderwagen in einem Kaufhaus. Plötzlich kamen Revoluzzer hinein und haben das ganze Kriegsspielzeug, das man damals noch völlig selbstverständlich verkauft hat, zerschlagen. Meine Schwester hat natürlich die Flucht ergriffen, bekam aber noch mit, wie sie in der Geschirrabteilung das Geschirr zertrümmert haben. Da merkte man, wie sich das Ganze entfesselt, die ganze Aktion ist etwas außer Kontrolle geraten. Durch das Fernsehen konnte man sehen, was zum Beispiel in Paris los ist. In Amerika gab es ja die großen Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg. Auch ich habe einmal gegen den Vietnamkrieg demonstriert. Das war, als ich noch in London lebte. Das war die einzige Demonstration, die ich jemals mitgemacht habe.

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