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Biene

Bild: colourbox.de

Hilfe für Bienen: Damit das Summen nicht verstummt

Die Bestände der Fluginsekten sind um 80 Prozent geschrumpft. Ohne Bienen wären die Regale im Supermarkt halb leer. Retten wir die Bienen!

Von Alfons Krieglsteiner, 21. März 2018 - 00:04 Uhr
Retten wir die Bienen!

"Von 100 Äpfeln sind 80 überhaupt nur da, weil sie von Bienen bestäubt werden", sagt Heinz Wahlmüller vom Landesverband für Bienenzucht: Nach Rind und Schwein ist die Honigbiene unser wichtigstes Nutztier. Doch in einer zunehmend unwirtlichen Welt hat sie einen schweren Stand.

Und alle anderen Fluginsekten auch. Denn die Honigbiene ist ein Indikator für ein weltweites Phänomen: das Insektensterben. Das fällt jedem auf, der im Auto übers Land fährt. Anders als noch vor 20 Jahren, findet man heute auch nach längerer Fahrt kaum "zerdetschte" Insekten auf der Windschutzscheibe. Den Schwund belegen wissenschaftliche Studien: 1989 hatten Insektenkundler auf einer Wiese in Krefeld (Deutschland) eine Insektenfalle aufgestellt. Darin fingen sie Insekten mit einer Gesamtmasse von 1400 Gramm. Als sie 2013 den Versuch wiederholten, waren es nur noch 300 Gramm. Eine flächendeckende Untersuchung an 63 Standorten in drei deutschen Bundesländern zeigt, dass die jährlich gesammelte Insektenmasse seit 1989 um fast 80 Prozent geschrumpft ist. "Das gilt auch für Österreich", sagt Arno Aschauer vom WWF.

Laut Roter Liste sind 50 Prozent der Fluginsekten gefährdet. "Analog dazu verschwinden Vögel und Fledermäuse, die auf Insekten als Nahrung angewiesen sind", schreibt der Philosoph und Freizeit-Imker Timm Koch in seinem neuen Buch "Herr Bien und seine Feinde" (Westend-Verlag). Die Hauptschuld am großen Sterben lastet er der chemieintensiven Landwirtschaft, Klimafaktoren und dem Nahrungsrückgang infolge des Lebensraumverlustes an.

"Bienen schenken dem Menschen Honig, aber was vielleicht mehr Wert hat: Sie öffnen ihm das Herz für den Zauber der schönen Jahreszeit."
Maurice Maeterlinck (1862-1949), Literaturnobelpreisträger und Bienenzüchter

"Auf den Raps-Monokulturen und den überdüngten Löwenzahnwiesen blüht alles auf einmal, und wenn es verblüht ist, finden die Bienen oft nichts mehr", erklärt Wahlmüller. Die ganze Insektenvielfalt leidet. Auch Hummeln, Wildbienen und Schmetterlinge machen sich rar. Dabei können gerade sie eine beachtliche Bestäubungsleistung vorweisen.

Auch Karl Zimmerhackl von der Naturschutzjugend Haslach (Bez. Rohrbach) registriert das stille Sterben. Ein Beispiel ist die Orchideenwiese der Naturschutzjugend in Klaffer, auf der Falter, Wildbienen, Hummeln von Jahr zu Jahr weniger werden. Vor allem die Entwässerung der angrenzenden artenreichen Feuchtwiesen wirkt sich negativ aus.

Ein ökologisches "Armageddon" droht

Die Folgen des ökologischen "Armageddon" würden uns alle treffen. Stellen Sie sich vor, Sie gehen in den Supermarkt, und die Regale in der Obst- und Gemüseabteilung sind gähnend leer. Noch ist es ein hypothetisches Szenario, das die US-Biosupermarktkette "Whole Foods" 2016 durchgespielt hat. Man entfernte in einem Laden alle Produkte, die es ohne Bienen und andere Bestäuberinsekten nicht mehr geben würde. Und siehe da: 52 Prozent des Sortiments fielen weg! Im Vorjahr dehnte "Whole Foods" die Aktion auf die Milcherzeugnisse aus. Da würde ohne Bestäuber ein Großteil an Milch, Joghurt, Butter und Käse verschwinden – weil es weniger Futterpflanzen für die Kühe gäbe und die Früchte als Geschmackgeber für Joghurtsorten und Speiseeis ausfielen.

Die Ergebnisse der US-Studie hält Lukas Sövegjarto, Leiter der Abteilung "Nachhaltigkeit" von Spar Österreich, für plausibel. Ohne Insektenbestäubung könne man Obst, Gemüse, Getreide und Weintrauben nicht mehr vermehren, Gebäck und Obstsäfte würden Mangelware, sagt er. Ob Kirschen, Äpfel, Marillen, Kürbisse, Tomaten: 75 Prozent unserer Nahrungspflanzen sind von der Bienenbestäubung abhängig.
 

So können Sie helfen

Retten wir die Bienen! So läuft die Aktion

Den Bienen geht es gar nicht gut - sie bedürfen unseres Schutzes. Allein wenn sich diese Erkenntnis weiter verbreitet, ist schon viel erreicht.

Wir wollen in ganz Oberösterreich "Bienenfreunde" gewinnen: Menschen, die in ihrem Garten ein Eck wuchern lassen, damit Bienen dort Nahrung finden. Menschen, die bewusst auf Pestizide und Spritzmittel verzichten. Menschen, die auf die Herkunft ihres Honigs schauen - und so die regionalen Imker unterstützen.

Es gibt viele einfache Möglichkeiten, den Bienen das Überleben zu erleichtern. Man muss sie nur kennen. Wir werden sie aufzeigen - als Teil unserer OÖN-Frühjahrserie "Retten wir die Bienen".

Rund 80.000 Bienenvölker gibt es derzeit in Oberösterreich. Trachten wir danach, sie zu vermehren. Imkern macht Spaß: Informieren Sie sich in unserer Serie und bei unseren Partnern vom Landesverband für Bienenzucht. Wir stellen Ihnen das Einmaleins der Hobbyimkerei vor.

Imkern ist auch in der Stadt ein Thema. Lassen Sie sich überraschen, wo überall Honig gewonnen wird. Für das Aufstellen von Bienenstöcken eignen sich auch Firmenareale oder Flachdächer von Bürogebäuden gut.

Will Ihre Firma, Ihr Unternehmen die Patenschaft über einen oder mehrere Bienenstöcke übernehmen? Wir vermitteln Ihnen einen Imker, der einen Bienenstock bei Ihnen betreut und ihn nach der Saison wieder abholt.

Alternativ können Sie auch eine Patenschaft über einen neu angeschafften Bienenstock eingehen, den der Imker bei sich belässt. Alle Bienenpaten werden mit Bild in den OÖNachrichten vorgestellt.

Das Geld aus den Patenschaften kommt unter anderem der Arbeit an einer eigenen "Oberösterreich-Zuchtlinie" zugute: "Wir werden in den kommenden Jahren eine besonders sanftmütige, produktive und robuste Zuchtlinie selektieren", sagt Imkerchef Johann Gaisberger.

So werden Sie ein OÖN-Bienenpate

Ihr Unternehmen übernimmt die Patenschaft für einen oder mehrere zusätzlich angeschaffte Bienenstöcke in Oberösterreich. So mehren wir die Bienenvölker.

Wir vermitteln Ihnen einen Imker, der Ihren Patenstock bei Ihnen auf dem Firmengelände betreut oder ihn - versehen mit Ihrem Logo - bei sich belässt und betreut.

Der daraus gewonnene Honig gehört Ihnen - auf Wunsch abgefüllt in Gläsern mit dem Aufdruck Ihrer Firma. Die Patenschaft gilt für eine Saison. Danach holt der Imker den Bienenstock wieder bei Ihnen ab.

Der Kostenbeitrag für den ersten Stock beträgt 800 Euro. Daraus werden zur Hälfte der Ankauf des Bienenstocks und die Unkosten des Imkers finanziert, die andere Hälfte fließt an Bienen-Schutzprojekte (u.a. Carnica-Zucht). Für jeden weiteren Stock (bis zu fünf Stöcke sind möglich) vermindert sich der Kostenbeitrag um je 100 Euro. Alle Bienenpaten werden in den OÖNachrichten mit Bild vorgestellt.

Haben Sie Interesse? Dann schicken Sie uns ein Mail an bienen@nachrichten.at Wir informieren Sie über weitere Details.

So leben Bienen

Bienen und Blumen: So leben die Honigerzeuger
Ein Imker und seine Stöcke: Je Stock ein Volk – je Volk bis zu 50.000 Bienen (vowe)  
Bild: VOLKER WEIHBOLD

Bienen und Blumen: So leben die Honigerzeuger

Bienen kennt jeder, wie sie leben wissen schon weniger: Wie alt werden Bienen, wie viele Bienen ergeben ein Volk? Ein OÖNachrichten-Kurzglossar über die Bienen.

  • Bienenvolk
    Ein Bienenvolk besteht aus 10.000 (Winter) bis 50.000 Bienen (Sommer)
  • Königin
    Je Volk gibt es nur eine Königin: Sie ist für die Fortpflanzung zuständig und kann bis fünf Jahre alt werden.
  • Arbeiterinnen
    Sie machen den Großteil des Bienenvolkes aus. Im Sommer hat ein Volk bis zu 50.000 Arbeiterinnen, im Winter sind es 10.000. Sommer-Arbeiterinnen leben kurz, maximal sechs Wochen denn die Nektar-Sammelarbeit an den Blüten ist energieraubend. Arbeiterinnen, die im Herbst geboren werden, leben bis zu sechs Monate lang.
  • Drohnen
    Sie sind die männlichen Bienen. Ihre Aufgabe ist die Befruchtung einer Königin. Drohnen werden maximal vier Wochen alt. Pro Volk gibt es zwischen 500 und 1500 Drohnen.
  • Wie viel Honig kann ein Imker je Volk und Saison gewinnen?
    Zwischen 20 und 50 Kilo je nach Region, in schlechten Jahren auch nur zehn: Zur eigenen Energieversorgung benötigt ein Volk pro Saison rund 70 Kilo Honig. Der Imker erntet nur das, was die Bienen darüber hinaus sammeln.
  • Wie viele Blüten müssen Bienen für ein Kilo Honig besuchen?
    Je nach Blütengröße sind zwischen einer und sechs Millionen Blütenbesuche für ein Kilo Honig nötig. Eine einzelne Biene sammelt im Lauf ihres Lebens rund neun Gramm Nektar, das ergibt drei Gramm Honig.

Interview

"Wir wollen zeigen, dass die Bienen eine Lobby haben"

"Wir wollen zeigen, dass die Bienen eine Lobby haben"

Seit 2016 ist Johann Gaisberger (64) aus Bad Goisern "Chef" der 8000 Freizeitimker im oö. Landesverband für Bienenzucht. Im OÖN-Gespräch beantwortet er die Frage, was man für die Bienen tun kann, kurz und bündig: "Bei unserer gemeinsamen Aktion mit den OÖN mittun – und Imker werden!"

  1. OÖNachrichten: Was hat den Imkerverband zu der Initiative mit den OÖN bewogen?

    Johann Gaisberger: Wir wollen damit zeigen, dass die Bienen eine Lobby haben. Uns Imkern ist wichtig, dass die breite Öffentlichkeit mehr über Bienen, ihre Bedeutung, ihren Schutz und die Imkerei erfährt.
  2. Was erwarten Sie sich von der Aktion?

    Dass die Öffentlichkeit sachlich informiert und für die Thematik sensibilisiert wird. Die Menschen sollen wissen, dass sie mit uns in Kontakt treten können. Und dass sie bei uns unverfälschten Qualitätshonig kaufen können, keinen gepanschten aus China.
  3. Firmen können auch eigene Bienenstöcke aufstellen?

    Ja, das hat eine Signalwirkung. Nach dem Motto: Uns liegt die Natur am Herzen. So wird ein positives Image vermittelt: ,Wir wollen eine gut gehende Firma in einer intakten Umwelt sein.'
  4. Wollen Sie die Öffentlichkeit auch auf das aktuelle Insektensterben aufmerksam machen?

    Das ist natürlich ein Hauptanliegen unserer Aktion. Jüngste Studien zeigen einen alarmierenden Rückgang der Fluginsekten. Auch die Bienen sind betroffen.
  5. Was sind die Ursachen?

    Der "Hauptfeind" der Honigbiene ist nach wie vor die Varroamilbe. Man kann aber auch die chemie-intensive Landwirtschaft nicht ausnehmen. Als besonders kritisch wurden von der EU-Kommission zuletzt die Neonicotinoide eingestuft. Wir müssen endlich kapieren, dass wir sie nicht brauchen. Derzeit schrillen bei den Pestiziden generell die Alarmglocken. Die Konzerne tun so, als würde es ohne Spritzmittel nicht gehen. Viele Bio-Bauern beweisen aber das Gegenteil.
  6. Inwiefern werden die Bienen von den "Neonics" geschädigt?

    Einerseits büßen sie ihren Orientierungssinn ein, finden nicht zurück in den Stock und verenden. Auch der Verdauungstrakt wird geschädigt. So werden sie viel anfälliger für Krankheiten.
  7. Was macht die Honigbiene zum wichtigsten Bestäuber?

    Dass die Blüten vieler Wild- und Nutzpflanzen exakt an die Bestäubung durch die Bienen angepasst sind. Hinzu kommt die Menge der Einzeltiere, die die Blüten besuchen: Ein Bienenvolk hat 50.000 Individuen, ein Hummelvolk bringt es auf höchstens 600.
  8. Wie kann man als Gartenbesitzer den Bienen helfen?

    Allein schon, wenn man fünf Prozent der Gartenfläche "wuchern" lässt und auf Pestizide verzichtet. Lassen wir Gänseblümchen, Margeriten, Klee wachsen. Die Bienen werden es danken. 

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Kommentare

„Schöne Aktion der OÖN.Leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein.Da passt es ja, wenn z.B. “ kleinerdrache Schöne Aktion der OÖN.Leider nur ein Tr...
„P.S. Warum erscheint dieser Artikel eigentlich nicht unter "Meistkommentiert" auf?“ kleinerdrache P.S. Warum erscheint dieser Artikel eige...
„Danke OÖN!“ kleinerdrache Danke OÖN!

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