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Elsa Schlader   Bild: (wjh)

Mostdipf 2017: Von Träumen, Klopapier und einer Botschaft aus dem Krankenhaus

Elsa Schlader, BlöZinger und Oliver Glasner sind die Mostdipf-Preisträger 2017. Sie wurden bei der Mostdipf-Gala in der Hofbühne Tegernbach mit dem begehrten OÖN-Preis ausgezeichnet. Und wussten zu unterhalten. Auch wenn zumindest eine von ihnen gar nicht dabei war.

10. Mai 2017 - 00:04 Uhr

Das Genussland Oberösterreich, die Landwirtschaftskammer und die OÖNachrichten hatten geladen, und alle kamen. Fast alle. Eine Preisträgerin musste passen, als in der Hofbühne Tegernbach in Schlüßlberg der Mostdipf verliehen wurde. Urfahrmarkt-Original Elsa Schlader grüßte per Videobotschaft aus dem Krankenhaus. OÖN-Oberösterreich-Chef Markus Staudinger hatte sie dort besucht und ihr den Mostdipf überreicht. Die 92-Jährige hatte sich ausgerechnet vor dem Jubiläumsmarkt, der vergangene Woche mehr als 500.000 Besucher anlockte, das Kreuzbein gebrochen. 

Im Herbst wolle sie wieder in ihrer Schießbude stehen, sagte Schlader, die sich "ganz besonders" über den Mostdipf, "dieses Manderl", freute. Das verband sie mit Oliver Glasner, der den LASK als Trainer in die Bundesliga führte. "Das ist die erste Auszeichnung, die ich bekomme, die nichts mit Sport zu tun hat", sagte der Riedauer, der an diesem doch eher frischen Abend ganz trachtig, in kurzer Lederhose, erschienen war. Für ihn habe diese Auszeichnung etwas mit Bodenständigkeit zu tun, mit der Verbundenheit zu Oberösterreich, und so gesehen war der Mostdipf in besten Händen. Sportchef Christoph Zöpfl erinnerte in seiner Laudatio daran, dass Glasner einst das Angebot ausgeschlagen hatte, als Kotrainer von Roger Schmidt nach Leverkusen zu wechseln. Glasner wollte seine Familie nicht entwurzeln, und eine Fernbeziehung kam schon gar nicht in Frage.

Nun hat er den LASK zum Titel geführt - und bleibt bescheiden. "Wenn ich es mir wünschen könnte, würde ich natürlich gerne Bundesliga-Meister werden. Das wird es aber nicht spielen. Wir wollen uns im Mittelfeld festigen, und dann schauen wir weiter."

Weiter schauen, das muss auch das Kabarettduo BlöZinger, zu dem Robert Blöchl und Roland Penzinger zumindest namentlich verwachsen sind. Der Mostdipf, überreicht von OÖN-Kulturchef Peter Grubmüller, wanderte von einer Hand in die andere und wieder zurück. "Wer wird sich den Mostdipf nun zu Hause aufstellen dürfe?", fragte Moderatorin Sabine Lindorfer. Antwort: "Wir werden eine Münze werfen." Ins Klo komme der Mostdipf jedenfalls nicht, dort stehe schon etwas anderes. Der allererste Preis, den das Duo bekommen hatte, sei der Goldene Neulingsnagel gewesen. Ein vergoldeter Nagel, getrieben durch einen Ast. Und dieser Preis eigne sich wunderbar, Klopapierrollen darauf aufzuhängen. Sprachen sie und ließen einen Ausschnitt aus ihrem aktuellen Programm folgen, sehr zur Freude des Publikums.

Das "Mostln" war auch heuer wieder eine Leistungsschau der besten Mostproduzenten Oberösterreichs, die für ihre herausragenden Produkte von Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Reisecker auf die Bühne geholt wurden. Das schmackhafte Menü, das dazu serviert wurde, kam von der Grieskirchner Haubenköchin Elisabeth Grabmer. Na dann: Prost! Und Mahlzeit.
 

Die Mostdipf-Preisträger im Porträt:


Elsa Schlader: "Tante Elsa" - mit Charme und Schmäh auf dem Urfahranermarkt

"Wo ist die Tante Elsa?": Wenn man heuer auf dem Urfahraner Markt eine Frage besonders häufig gehört hat, dann war es diese.

Seit 70 Jahren hat unsere Mostdipf-Preisträgerin Elsa Schlader kaum einen Urfahraner Markt ausgelassen – meist traf man sie in der Schießbude ihrer Familie an. Heuer ist sie kurz vor dem Start des Markts daheim gestürzt, hat sich das Kreuzbein gebrochen und musste ins Spital.

Ein bisschen grantig und traurig sei sie schon gewesen, dass sie ausgerechnet beim 200-Jahr-Jubiläum des Marktes nicht dabei sein konnte, hat uns Elsa Schlader im Spital gesagt. Aber vom Markt zu erzählen hat sie viel, die Tante Elsa, wie sie fast jeder auf dem Linzer Volksfest nennt.

Angefangen bei den Russen, die die ersten Jahre nach dem Krieg auf dem Urfahraner Markt geprägt haben. Und wie sich ein paar Soldaten einmal den Spaß gemacht haben, ihre Treffsicherheit an der Schießbude der Schladers zu überprüfen.

Was am Urfahraner Markt manchmal nicht mehr so leicht ist – nach ein paar Halben Bier und Stamperl Schnaps. Aber gut. Die Russen haben geschossen und sind gegangen – ohne zu zahlen.

Das hat sich eine Elsa Schlader natürlich nicht bieten lassen. Schnurstracks ist sie zu deren Offizieren gegangen und hat sich beim Dolmetscher beschwert: Wer schießt, muss auch zahlen. Die Offiziere waren zuerst ein bisschen verwundert über den Schneid der jungen Dame – Elsa Schlader war damals Anfang 20. Aber sie hat ihr Geld bekommen. "A bisserl Federn hab’ ich scho ghabt bei der Aktion", hat sie uns vergangene Woche, rund 70 Jahre danach, erzählt.

Elsa Schlader hat ganze Familiengenerationen auf dem Urfahraner Markt erlebt. "Zuerst sind sie als Kinder gekommen, dann als Väter und Mütter mit ihren Kindern – und dann als Großeltern mit ihren Enkeln."
Im Herbst ist wieder Urfahraner Markt – da hoffen ihr Enkerl Walter und ihre Schwiegertochter Anni, die das Geschäft mittlerweile führen, dass die Elsa wieder dabei ist. Weil erstens: "Der Urfahraner Markt ist meine Medizin", hat uns die rüstige 92-Jährige verraten. Zweitens: "Warum soll ich zu Hause sitzen, ich bin lieber unter Menschen", sagt sie. Und drittens: Der Mostdipf will auch auf den Urfahraner Markt.     (mst)

Aus dem Archiv: "Mit 84 Jahren ist noch lange nicht Schluss" (Portrait von Elsa Schlader, erschienen im September 2009)

 

BlöZinger    
Bild: (Volker Weihbold)

BlöZinger: Der clowneske Witz von Robert Blöchl und Roland Penzinger

Die beiden sind Fans von Dick und Doof, aber Robert Blöchl und Roland Penzinger bloß mit Stan Laurel und Oliver Hardy zu vergleichen, greift zu kurz. Als Kabarett-Duo BlöZinger erinnern sie auch an Oleg Popow und Charlie Rivel, zwei der größten Clowns, die in diesem Fall sprechen können. Und dennoch sagen sie nicht mit lustigen Gesichtern, der Finanzminister sei doof – und dann lachen alle, die sich selbst für klüger halten. Mit solchen Plattitüden halten sie sich nicht auf.

Die beiden Linzer schauen ihre Programme vom Leben ab. Sie kreieren dramaturgisch ziselierte und gleichsam clowneske Theaterabende. Sie pfeffern Familienkonflikte wie in ihrem Programm "ERiCH". Sie überhöhen menschliche Untiefen als Facebook-Junkie Richie und geerdeter Tierpfleger Kurt, der "Conny’s Telefonsex" auf Kurzwahl hat (aus "Und wenn sie nicht gestorben sind"). Mit dem Abend "Kopfwaschpulver" verhandeln sie eine schwelende Kulturdebatte, in dem sie Romanfiguren schrumpfen lassen, sofern diese nicht gelesen werden. Und "bis morgen" – aus ihrem gleichnamigen jüngsten Programm – sagt jedes Mal der Tod zu seinem lieb gewonnenen Freund Franz, der miesepetrig mit 82 im Altersheim vor sich hindämmert. Der Tod pflegt die Abschiedsfloskel voller Hoffnung, weil er durch Franz erstmals so etwas wie das Leben erfährt.

Zynismus ist nicht ihr Mittel. Das Werkzeug ihrer Unterhaltungskunst ist die aus Einfühlungsvermögen gewonnene Übersteigerung von uns allen. Insgesamt sieben Programme haben BlöZinger seit 2004 auf die Bühne gebracht – und sechs Preise gewonnen: Goldener Neulingsnagel, Steyrer Kleinkunstpreis, Ennser Kleinkunstkartoffel, Hirschwanger Wuchtel, Goldener Kleinkunstnagel, Österreichischer Kabarettpreis. Mit dem Mostdipf sind es sieben. (pg)

 

Oliver Glasner    
Bild: (GEPA pictures)

Oliver Glasner - Ein Aufsteiger, der immer bodenständig geblieben ist

Er könnte jetzt alte Rechnungen begleichen und seinen gar nicht so wenigen Kritikern die lange Zunge zeigen. Ällabätsch, jetzt habe ich trotzdem das geschafft, was ihr mir nicht zutrauen wolltet! Aber Oliver Glasner ist keiner, der sich auf solche Spielchen einlassen würde. Der 42-jährige Riedauer, der als Trainer den LASK in dieser Saison zum Titel in der Ersten Liga und in die Bundesliga geführt hat, bleibt in der Stunde des Erfolges so, wie er ist: bescheiden, bodenständig und frei von Allüren. Das hat ihn früher schon als Fußball-Profi ausgezeichnet.

Mehr als 400 Liga-Spiele hatte Glasner in den Beinen, als er 2011 seine Karriere beenden musste. Ein Blutgerinnsel zwischen Gehirn und harter Hirnhaut – offensichtlich eine späte Folge eines Kopfballduells – konnte damals zwar operativ entfernt werden, die Ärzte stellten aber auf dem Karriereweg des damals 37-Jährigen eine Stopptafel auf. Glasner blieb dem Fußball treu, wechselte als Sport-Koordinator in die Geschäftsleitung von Red Bull Salzburg und wurde dort später Co-Trainer des Deutschen Roger Schmidt. Dieser hätte ihm später die Tür ins Fußball-Schlaraffenland namens "Deutsche Bundesliga" geöffnet. Aber anstelle Schmidt als Co-Trainer zu Bayer Leverkusen zu begleiten und dort sein Gehalt zu vervielfachen, blieb Glasner im Land der fußballerisch eher begrenzten Möglichkeiten. Viel wichtiger als eine Rolle auf der großen deutschen Bundesliga-Bühne war ihm die des Familienvaters. Seiner Frau Bettina und den Kindern Julian, Niklas und Alina das Nomadenleben eines Fußballtrainers anzutun, das würde er nie wollen.

Der LASK lockte Glasner schließlich mit einem Vier-Jahres-Vertrag nach Linz. Ihm wurden dort keine Vorschusslorbeeren gestreut, sondern eher Vorwürfe gemacht, er sei noch kein richtiger Coach, sondern erst ein Lehrling. Glasner, der parallel zu seiner Profi-Laufbahn ein BWL-Fernstudium ins Ziel gebracht hat, parierte die Vorbehalte mit harter und penibler Arbeit. Gemeinsam mit seinem Freund und Co-Trainer Michael Angerschmid schaffte er jetzt souverän die Meisterprüfung. Sie sind wieder da, in der Bundesliga: der LASK und Oliver Glasner.     (chz)  
 

Mostdipf-Gala

Am 16. Mai 1970 hatte der Mostdipf seinen ersten großen Auftritt in den OÖNachrichten. In Form gebracht vom legendären OÖN-Karikaturisten Rudolf "Florian" Nemec, einem begnadeten "Manderlmaler", wie er sich selbst bezeichnete, kommentiert der Mostdipf seit damals auf seine typisch launische Art das Tagesgeschehen in Oberösterreich und der Welt.

Seit 1972 werden Persönlichkeiten mit dem Mostdipf ausgezeichnet, die einen Schuss davon haben sollen, was das OÖN-Original ausmacht: bodenständigen Humor, gewürzt mit Herzlichkeit.

200 Gäste feierten am Dienstag in der Hofbühne Tegernbach in Schlüßlberg die Preisträger 2017. Alles über diese  Mostdipf-Gala lesen Sie am Donnerstag in den OÖNachrichten.

Alle Mostdipf-Preisträger seit 1972 sehen Sie in unserer Bildergalerie.

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