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"Das Leben ist auch jetzt schön"

Von Roswitha Fitzinger   26.März 2016

"Das Leben ist auch jetzt schön"
Auf dem Weg zurück in ein normales Leben: Kira Grünberg
  • Kira Grünberg ist seit einem Unfall beim Stabhochspringen querschnittgelähmt. Für die Sportlerin kein Grund zu hadern. Sie kämpft und blickt nach vorne.
  • Über Kampfgeist, Auferstehung und ihre Zukunft sprach sie mit Roswitha Fitzinger

Kira Grünberg

Auferstehung: Ein falscher Schritt, eine falsche Bewegung, eine falsche Reaktion und schon ist es passiert. Niemand ist dagegen gefeit. Für die meisten endet so ein kurzer Moment der Unachtsamkeit glimpflich. Kira Grünberg wurde dieses Glück nicht zuteil. Die 22-jährige Tirolerin galt als größte Stabhochsprung-Nachwuchshoffnung in unserem Land, sie war die Beste in ihrer Disziplin. Den Traum als Sportlerin, Erfolge zu feiern, zu Weltmeisterschaften, vielleicht sogar Olympischen Spielen zu fahren, Medaillen zu gewinnen, den musste sie nach ihrem Trainingssturz und ihrer Querschnittlähmung begraben. Jetzt hat sie einen neuen Traum – wieder ein selbstständiges Leben führen zu können.

Ein wichtiger Schritt in Richtung normales Leben und Alltag ist getan. Nach sieben Monaten Krankenhaus und Reha ist die Tirolerin seit zwei Wochen wieder zuhause in Kematen. "So lange war ich noch nie weg von daheim, und es fühlt sich einfach super an. Mit der Familie zusammen am Tisch zu sitzen, das bedeutet mir am meisten."

Auch Ostern wird Kira Grünberg im Kreise der Familie verbringen, gemeinsam mit ihrer Mutter Osterlamm backen. Kann sie mit dem Begriff der Auferstehung etwas anfangen? Durchaus. "Für mich bedeutet Auferstehung, dass man sich nach einem Schicksalsschlag nicht niederdrücken lässt, sondern probiert, wieder aufzustehen und Freude am Leben zu finden. Ich bin überzeugt, dass das Leben auch jetzt schön sein kann und nicht irgendwie zu Ende ist." Worte, die nicht bloß von einer positiven Lebenseinstellung zeugen, sondern auch ein Wesenszug der 22-Jährigen sind. Immer schon sei sie eine Kämpferin gewesen, sagt sie. Etwas, das sie nicht zuletzt auch der Sport lehrte. "Wenn ich eine Verletzung hatte, habe ich mich davon nicht unterkriegen lassen, sondern sie auskuriert und wieder von vorne angefangen."

Manchmal ein Gebet

Die 22-Jährige ist nicht nur eine Kämpfernatur, sondern auch ein gläubiger Mensch. "Das hat in meinem Leben jetzt nicht so mit Kirche zu tun. Jeder glaubt auf seine Weise. Ich mache viel Mentaltraining und meditiere." Ab und zu bete sie aber auch, räumt sie ein. Das letzte Mal liege allerdings schon einige Zeit zurück. "Das war vor dem Unfall."

Dennoch gibt es im Leben der Kira Grünberg Tage, die nicht so leicht von der Hand gehen. " Das kennt jeder, ich bin da keine Ausnahme." Es ist die ungewisse Zukunft, die ihr manchmal zu schaffen macht. "Ob ich das alles bewältigen kann und ob beziehungsweise wie sehr ich einmal auf fremde Hilfe angewiesen sein werde." Dann fließe auch schon einmal die eine oder andere Träne. "Aber das geht immer schnell wieder vorbei. Meist sind es gerade einmal zehn Minuten oder eine halbe Stunde, und wenn ich kurz geweint und darüber nachgedacht habe, geht es mir gleich wieder besser." Zukunftssorgen hindern die Tirolerin jedoch nicht daran, Pläne für ihr neues Leben zu machen. "Ich will auf alle Fälle mein Pharmaziestudium fortsetzen und ich kann mir auch gut vorstellen, Motivationstrainings abzuhalten." Und der Sport? Der soll ebenfalls weiter Bestandteil in ihrem Leben bleiben. Wenn auch vorerst nur hobbymäßig, um fit zu bleiben, wie sie sagt. "Ich will auf alle Fälle Handbike fahren. Das habe ich in der Reha ausprobiert und das hat mir gut gefallen. Das war mein Einstieg in den Rollstuhlsport, und dann muss man weiterschauen, was sich entwickelt." Ob es ein Comeback im Wettkampfsport geben wird, das wisse sie noch nicht.

Größtmögliche Unabhängigkeit

Derzeit gibt es im Leben der Kira Grünberg andere Prioritäten: Der Terminkalender ist vollgepackt mit Physiotherapie und Training. Schultermuskulatur, Bizeps und den Unterarm-Streckmuskel kann sie bereits wieder bewegen und trainieren. "Ich schaffe es, mir die Zähne zu putzen, selbständig zu essen, die Nägel zu lackieren. Mein Ziel ist es auch, selber die Zahnpasta auf die Bürste zu tun, mich anzuziehen und so unabhängig wie möglich zu sein."

 

Die Auferstehung Jesu – Glaube ohne Vernunft?

Auferstehung Jesu

„Sucht den Lebenden nicht bei den Toten!“, rieten die Engel den weinenden Frauen am Grab Jesu. Nach jüdischem Verständnis müsste Jesus bis zur Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag im Totenreich verweilen. Doch die ersten Christinnen und Christen haben eine unglaubliche neue Sichtweise: Jesus ist schon auferstanden. Als Erster der Toten. Seitdem kommt dieses Thema nicht mehr zur Ruhe.

Anfangs bezichtigte man die Anhänger Jesu des Betrugs: Sie hätten den Leichnam Jesu gestohlen und das Märchen von seiner Auferstehung verbreitet. Moderne Gelehrte meinten, die Auferstehung sei nur ein Bild für den tröstenden Gedanken, dass Jesus nicht sinnlos gestorben sei. Viele Bibelleser dagegen nehmen die so genannten Erscheinungsberichte des Neuen Testaments wortwörtlich. Als Art Comeback ins irdische Leben. Die aktuelle Theologie teilt weder die wortwörtliche Sichtweise noch die reine Symboldeutung. Die Erscheinungserzählungen sind erst 40, 50 Jahre nach Tod und Auferstehung Jesu entstanden. Sie sind Veranschaulichungen eines Ereignisses, das sich dem Verstand und den Sinnen entzieht. Historisch begann vielmehr der Osterglaube mit einem provozierenden Bekenntnis: Jesus ist aus dem Tod gerettet worden! Gegenüber seinem Schrei am Kreuz: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ blieb Gott nicht stumm. Wir wissen nicht, wie seine Auferstehung geschehen ist, wir wissen nur, dass sie bezeugt wurde, und zwar sehr bald nach seinem Tod von vielen Menschen.

Wahrheitsanspruch – Liebesanspruch

Worum geht es im Streit um die Auferstehung Jesu? Letztlich um die Fragen: Hat der Tod das letzte Wort über den Menschen? Bedeutet seine biologische Zerstörung seine Auslöschung für alle Zeiten? Triumphieren die Täter über ihre Opfer auf alle Zeit? Reagiert Gott auf das Leid der Menschen? Auf diese Fragen geben Philosophie und Wissenschaft keine Antwort. Der Philosoph Jürgen Habermas sagt, die Vernunft verfüge über kein gesichertes Wissen über ein Leben nach dem Tod, sie gibt keinen Trost für die Opfer der Geschichte. Aber diese Fragen sind zu wichtig, um sie zu vergessen. Ist die Auferstehung Jesu also ein Glaube ohne Vernunft? Nein, antwortet die Theologie. Denn im Glauben geht es um die Frage: Wer ist Gott? Wer an Gott glaubt, vertraut einer letzten absoluten Wirklichkeit. Er ist Schöpfer und Erlöser. Er ist kein Gott, der abseits der Welt steht. Er selbst ist Mensch geworden und in Jesus bedingungslos solidarisch mit dem Los des Menschseins: leben dürfen, lieben können, sterben müssen. Jesu Tod war die Konsequenz seines Menschseins. Das Kreuz konnte seine Botschaft nicht zerstören: Liebe Gott mit aller Kraft! Und deinen Nächsten wie dich selbst! Liebe deine Feinde! Teile deinen Besitz! Geh zu den Armen und Kranken und hol sie ins Leben zurück! Vertraue der Gegenwart Gottes in deinem Leben! Die Auferstehung Jesu ist ein Wahrheitsanspruch: Gott rettet die Opfer! Sie ist ein Liebesanspruch: Gott steht zum Leben! Jesu Hingabe für andere war keine Dummheit.

Die Auferstehung ist ein Hoffnungsanspruch: Unser Leben ist größer, als wir sehen und begreifen. Sie ist offen für eine neue Schöpfung. Der Tod ist darum nicht das Ziel des Lebens, sondern „nur“ sein Ende. Der Glaube an die Auferstehung Jesu hat die Welt verändert, auch wenn dieser Glaube in unserer Zeit schwindet. Doch er ist Hoffnung, er ist Kraft für Solidarität und humane Weltgestaltung. Jürgen Habermas meint, dass unsere Kultur auf die Ressourcen dieses Glaubens nicht verzichten sollte. Aber an Auferstehung zu glauben, bleibt eine persönliche Entscheidung jedes Menschen. In aller Freiheit.

Dr. Franz Gruber ist Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie und Rektor der Katholischen Privat-Universität Linz.

 

Auferstandene

Auferstandene

Konstantin Wecker, Liedermacher

Konstantin Wecker
Konstantin Wecker

„Genug ist nicht genug“, sang der bayerische Komponist, Sänger, Autor und Schauspieler im Jahr 1977. Am 29. November 1995 holten ihn der Titel und seine Drogenvergangenheit wieder ein. Wegen des Besitzes von 1,77 Kilogramm Kokain wurde er fünf Jahre später in letzter Instanz zu 20 Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldbuße verurteilt.

„Aus Geistern, die man rief, wurden Dämonen“, sagte Wecker später. „Für mich war diese brutale Version des Zwangsentzuges die vielleicht einzige mögliche Rettung.“ Heute hat der 68-Jährige Abhängigkeit und Krise abgeschüttelt. Poetisch, kraftvoll und kritisch macht er weiter, denn: „Ich singe, weil ich ein Lied hab’.“

Thomas Geierspichler, Olympiasieger

uferstandene
Thomas Geierspichler

Kurz vor seinem 18. Geburtstag geriet das Dasein des Salzburgers aus der Bahn. Auf der Heimfahrt von der Disco raste sein Freund gegen eine Mauer. Auf dem Beifahrersitz: Thomas Geierspichler. Diagnose: Querschnittlähmung. Als ihm die Ärzte eröffneten, er werde nie wieder gehen können, dachte er: „Jetzt ist mein Leben vorbei.“ Drei Jahre lang „habe ich meine ganze Energie fürs Kiffen und Saufen aufgebraucht“.

Über die Bibel fand er zu seinem Lebensmotto: „Dem Glaubenden ist alles möglich.“ In kurzer Zeit kämpfte er sich als Rennrollstuhlfahrer an die Weltspitze. Bei den Paralympics in Athen (2004) und in Peking (2008) gewann er Goldmedaillen. Der 39-Jährige, der an „Wunder, Visionen und Gott“ glaubt, ist auch als Vortragender gefragt.

Josef Zotter, Chocolatier

uferstandene
Josef Zotter

Vertraut man Zahlen, ist anzunehmen, dass der 55-jährige Südsteirer auf der Schokoladenseite des Lebens zuhause ist. Der Chocolatier, der mehr als 365 Schokoladensorten anbietet, beschäftigt in Bergl nahe der Riegersburg 120 Mitarbeiter. Sein Schoko-Laden-Theater zieht jährlich 220.000 Besucher an. 2014/15 erzielte das Familienunternehmen 20 Millionen Euro Umsatz.

Der gelernte Koch, Kellner und Konditor hat auch bittere Zeiten erlebt. Als 26-Jähriger eröffnete er mit seiner Frau in Graz eine Konditorei, deren ungewöhnliche Tortenschöpfungen sich schnell herumsprachen. Zotter expandierte und schlitterte 1996 in die Insolvenz. „Der Misserfolg macht einen zum Menschen“, sagt Zotter. Er gab nicht auf und verwirklichte seinen Traum.

Mickey Rourke, Schauspieler

uferstandene
Mickey Rourke

In den 1980er Jahren stieg der irischstämmige New Yorker mit Filmen wie „Rumble Fish“, „Angel Heart“ und an der Seite Kim Basingers im erotischen Leckerbissen „9½ Wochen“ in den Hollywood-Olymp und in Sexsymbol-Listen auf. Dann kam der tiefe Fall mit Drogenexzessen, Gewaltausbrüchen, Niederschlägen im Boxring und verhunzten Schönheitsoperationen.

„Ich habe alles vermasselt. Ich verlor meine Glaubwürdigkeit, meine Ehe, mein Geld, meine Seele“, sagte der Schauspieler, der an Selbstmord dachte. Nach Jahren der Therapie, in der er seine von Gewalt geprägte Kindheit aufarbeitete, gelang mit „The Wrestler“ (2008) ein fulminantes Comeback. „Ich bin dankbar für diese Chance.“ (beli)

 

Auferstehung

  • Auferstehen ist ein uralter Traum der Menschheit. Wieder zum Leben erwachen, weiterleben, niemals sterben. Wie oft hat man nicht schon Auferstehung gefeiert?

Von Roman Sandgruber

Nach einer wirtschaftlichen Krise, einer schweren Krankheit, einem dramatischen Schicksalsschlag. Auferstehung und Tod, Aufschwung und Niedergang gehören zusammen. Dem beschwörenden „Auferstanden aus Ruinen…“ der Nationalhymne der alten DDR folgte eine ziemlich lange Periode der Kälte. Und es wird nach der politischen Warmzeit, die nach 1989 endlich eintrat, mit Sicherheit wieder eine Zeit der Kälte und Erstarrung kommen.

Ostern ist das Fest dieses immer wiederkehrenden Wechsels von Tod und Auferstehung. Einerseits das jedes Jahr anstehende Wiedererwachen der Natur nach einem heuer allerdings eher recht milden Winter. Andererseits das Gedenken an den Tod und die Auferstehung Christi. Die Erwartung einer Auferstehung und eines ewigen Weiterlebens ist nicht nur ein zentraler Bestandteil der christlichen Lehre, sondern praktisch aller Religionen. Die fernöstlichen Religionen stützen sich auf die Vorstellung von einer Seelenwanderung in einem ewigen Kreislauf der belebten Natur.

Die drei großen monotheistischen Religionen Christentum, Islam und Judentum hingegen warten auf ein finales Weltgericht. Man werde auferstehen und vor dem ewigen Richter stehen. Diese Auferstehung ist eine frohe Botschaft, aber nicht für alle. Unser vom Fortschritt beseeltes Zeitalter ist zwar überzeugt, dass ein Weiterleben nach dem Tode auf alle Fälle ein besseres Leben bedeuten müsse. Aber das ist eine ziemlich junge Sichtweise.

Die ältere Überzeugung lautete, dass im Jenseits nicht nur der Himmel, sondern ebenso gut auch die Hölle drohen könne. Dante Alighieri hat in seiner Göttlichen Komödie deren niemals endende Qualen ziemlich drastisch geschildert und dort auch einige vermeintlich gute Christen landen lassen, ja sogar Kardinäle und einen Papst. „Die ihr hier eintretet, lasset alle Hoffnung fahren!“, schreibt er über das Höllentor.

Die Angst vor dem Jenseits ist heute verdrängt. Man versammelt sich nicht mehr zu einer Totenmesse, bei der für das ewige Seelenheil gebetet wird, sondern zu einer Auferstehungsmesse. Das hilft, Ängste zu nehmen und Trauer abzubauen. Doch in Wahrheit wartet man gar nicht mehr auf eine Auferstehung im Jenseits, sondern auf ein friedvolles Abschiednehmen im Diesseits. Die Auferstehung, modern interpretiert, bedeutet, das diesseitige Leben so zu gestalten, dass es nicht mehr notwendig ist, auf ein besseres jenseitiges Leben zu warten.

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13. November 2019