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„Musste mich nie abnabeln, weil ich immer frei war“

Interview zum Vatertag am Sonntag: Wenn der Papa dem Sohn alle nur erdenklichen Freiheiten lässt

„Musste mich nie abnabeln, weil ich immer frei war“

Der Franzose André Stern mit Vater Arno und Sohn Antonin Bild: Peter Lindbergh

Unbeschwert spielen, bis die Nacht hereinbricht. Nur das lernen, was einen gerade interessiert. Und nie, nie bei Schularbeiten, Tests oder Prüfungen bestehen müssen: Was sich viele Kinder wünschen, ging im Leben des Franzosen André Stern in Erfüllung. Seine Eltern entschlossen sich, ihren Sohn nicht zur Schule zu schicken. Alles, was er in sich aufgesaugt hat, geschah aus freien Stücken – auch, dass er heute fünf Sprachen spricht. Dass er sich heute, mit 42, ohne klassische Ausbildung als Gitarrenbauer, Musiker, Journalist und Vortragender selbst erhalten kann, findet er ganz normal. Im OÖNachrichten-Gespräch erzählt er über das besondere Verhältnis zu seinem Vater und über seine Vorstellung von einem gelungenen, glücklichen Kinderleben.

Wie erleben Sie Ihren Vater?

Ich lebe seit der ersten Minute mit meinem Vater, mit meinen Eltern, zusammen. Er hat zwei Grundsehnsüchte erfüllt: die nach Geborgenheit und die nach Wachstum und Autonomie. Mein Vater bewahrte und schützte meine Freiheit. Ich musste mich nie abnabeln, musste mir keine Freiheit erringen, weil ich sie immer hatte. Ich musste nicht um die Aufmerksamkeit meines Vaters kämpfen, weil ich sie immer hatte. Ich musste nicht auffallen, um gesehen zu werden. Das unterscheidet mich von vielen.

Wie hat Ihr Vater Sie beeinflusst?

Er hat für meine Puppe Kleider gemacht, mit meiner Mutter habe ich Eisenbahn gespielt. Er ist Forscher und hat mich für seine Arbeit begeistert. Ich bin immer in der Vertrautheit und Verbundenheit mit meinem Vater (und meiner Mutter) geblieben.

Sie haben das Buch „Mein Vater, mein Freund. Das Geheimnis glücklicher Söhne“ geschrieben. Können Vater und Sohn Freunde sein?

Ja, das geht.

Was verdanken Sie Ihrem Vater?

Er hat immer meine Freiheit bewahrt und beschützt.

Ist Ihre Situation nicht außergewöhnlich? Glauben Sie nicht, dass andere Kinder vielleicht anders reagiert hätten?

Nein, das glaube ich nicht. Ich bin weder hochbegabt noch speziell. Was mich unterscheidet, sind vor allem die Bedingungen, unter denen ich aufgewachsen bin.

Sie haben einen kleinen Sohn. Was für ein Vater möchten Sie für ihn sein?

Davon habe ich keine Vorstellung. Mein Sohn bestimmt mit, was für ein Vater ich bin. Ein Baby kommt mit der Hoffnung auf die Welt, dass da jemand ist, der einen mag. Ein Vater spielt im Leben von einem Sohn eine wichtige Rolle – genauso wie die Mutter. Ein Verhängnis sind nur die Rollenbilder und Erwartungen, die wir in uns tragen. Ich bin gegen Erziehung, dafür aber für Beziehung. Mein Job ist nicht, zu erzählen, wie es geht, sondern dass es geht.

Brauchen Kinder starke Väter?

Stark und mit klaren Überzeugungen, ja. Aber keine männlichen Machos. Kinder brauchen Menschen, an denen sie sich orientieren können, die authentisch und zärtlich sind.

Sie haben mit dem Neurobiologen Gerald Hüther die Initiative „Männer für morgen“ gegründet. Wie soll diese Zukunft aussehen?

Ich habe keine fertige Lösung. Hätte ich etwas zu verkaufen, so wäre das verdächtig. Frauen sind schon dabei, die Welt von morgen zu bestimmen. Männer entdecken erst jetzt, dass die Rollenbilder von gestern nicht mehr in die Welt von heute, geschweige denn von morgen passen.

Was möchten Sie mit ihren Workshops in Puchberg erreichen?

Ich möchte einladen, ermutigen, inspirieren. Und zeigen, dass andere Wege möglich sind, als man bisher dachte. Lasst uns in einen Dialog treten und die Zukunft gemeinsam entwickeln.

Bildungshaus Puchberg

Zum Themenkomplex „Humanität entwickeln“ bieten die Referenten Gerald Hüther (Professor für Neurobiologie, Leiter der Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der Psychiatrischen Klinik der Universitäten Göttingen und Mannheim/Heidelberg) und André Stern in Puchberg folgende Veranstaltungen an:

Vortrag von Professor Gerald Hüther: „Was wir sind und was wir sein könnten“, Freitag, 14. Juni, 19.30 Uhr
Workshop von Professor Gerald Hüther: „Jedes Kind ist hochbegabt“, Freitag, 14. Juni, 14 bis 17 Uhr
Workshop mit André Stern: „Männer für morgen“, Samstag, 15. Juni, 9.30 bis 12.30 Uhr
Workshop mit André Stern: „Lernen und Leben aus Begeisterung“, Samstag, 15. Juni, 14 bis 18 Uhr
Vortrag von André Stern: „Begeisterung – Kompetenz – Erfolg“, Samstag, 15. Juni, 19.30 Uhr

Mehr Informationen finden Sie unter www.bildungshaus-puchberg.at

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Artikel 08. Juni 2013 - 00:04 Uhr
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