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"Manchmal brodelt es im Parlament"

SIGHARTING. ÖVP-Klubobmann August Wöginger zu Gast beim OÖN-"Heimspiel" im Schloss Sigharting.

"Manchmal brodelt es im Parlament"

August Wöginger (l.) im Gespräch mit Wolfgang Braun, stellvertretender Chefredakteur der OÖNachrichten Bild: Volker Weihbold

Seit gut 16 Jahren ist der Innviertler August Wöginger Nationalratsabgeordneter. "Auch wenn ich vier Tage die Woche in Wien bin und die Stadt schön ist, ein Wiener werde ich nie", sagte der ÖVP-Klubobmann am Donnerstagabend im Schloss Sigharting (Bezirk Schärding). Die OÖNachrichten hatten Wöginger zum "Heimspiel" in seiner Heimatgemeinde eingeladen. 150 Gäste, Wegbegleiter, Freunde und Wögingers Familie waren gekommen. Es war ein lockerer Auftritt des 44-Jährigen, auch die Lachmuskeln der Besucher wurden trainiert.

"Man darf nie vergessen, woher man kommt", sagte der dreifache Vater, der immer noch Gemeinderat in Sigharting und Bezirksparteiobmann ist. Als Klubchef im Parlament agiert er als Drehscheibe zwischen Regierung und ÖVP-Abgeordneten. Wöginger ist dafür zuständig, Mehrheiten für die Vorhaben der schwarz-blauen Koalition zu organisieren.

"Ich mache Politik aus Leidenschaft, derzeit macht es wieder richtig Spaß", sagte Wöginger. In der Regierung werde nicht gestritten. "Wir bringen viel weiter." Er räumte ein, dass auch in den rot-schwarzen Vorgängerregierungen gute Dinge umgesetzt worden seien. "Aber es war mühsamer."

"Manchmal brodelt es im Parlament"

Eine Arena, keine Kirche

Viel Raum nahm der Stil der politischen Diskussion ein. Es sei auch früher hart zwischen Regierung und Opposition diskutiert worden, das gehöre dazu, sagte Wöginger: "Aber die Permanenz ist heute herausfordernd, es gibt keine Ruhephasen." In der Debatte solle jeder Politiker überlegen: "Was sage ich, und wie sage ich es? Die Bürger wollen keine persönliche Untergriffe, die verletzen oder Furcht einflößen." Er nehme sich da gar nicht aus, wahrscheinlich sei auch ihm so etwas schon passiert. Wobei Wöginger betonte, dass das Parlament keine Kirche sei, in der man nichts sagen dürfe. Vielmehr sei es eine "Arena, in der es manchmal brodelt. Vor allem, wenn die Sitzungen zwölf Stunden oder länger dauern."

Video:


Bauchweh beim Rauchverbot

Als Wöginger im Dezember 2017 Klubchef wurde, stand er vor der Aufgabe, 34 neue mit 28 bestehenden ÖVP-Abgeordneten zusammenzuführen. "Das geht mit viel Reden, Einbinden, Fortbilden und gemeinsam Feiern." Bei heiklen Themen werde zuerst in einer internen Klubsitzung abgestimmt und dann die Mehrheitsentscheidung von allen getragen.

Ein Beschluss, bei dem es Wöginger und anderen ÖVP-Abgeordneten nicht gut ging, war die Aufhebung des Rauchverbots in der Gastronomie, was die FPÖ unbedingt wollte. "Manchmal muss man gewisse Dinge mittragen in einer Koalition." Das sagte er auch zur Diskussion über seine Doppelrolle als ÖAAB-Obmann und Klubchef. Wie berichtet, gibt es Kritiker, laut denen die Arbeitnehmerinteressen nicht mehr an erster Stelle stünden. Wöginger zählte hingegen die Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge, den Familienbonus und "Akzente bei der Anrechnung von Karenzzeiten" als Maßnahmen auf. Und kündigte eine Steuerentlastung an.

 

Wögingers politische Laufbahn

Er sei „ganz normal vom damaligen JVP-Obmann in Esternberg angeworben worden“, sagte August Wöginger auf die Frage, wie er in die Politik gekommen ist. Das war 1990. Die Politik ließ ihn nicht mehr los. In seiner jetzigen Heimatgemeinde Sigharting ist er immer noch Gemeinderat.

Bei der Nationalratswahl 2002 kandidierte Wöginger im Innviertel auf Listenplatz zwei. Weil die ÖVP so stark dazugewann, schaffte er es überraschend ins Parlament. Im Dezember 2017, als die ÖVP/FPÖ-Regierung unter Kanzler Sebastian Kurz angelobt wurde, stieg Wöginger zum Klubobmann auf. Er gilt als einflussreichster Oberösterreicher der ÖVP auf Bundesebene. Seit 2016 ist er auch ÖAAB-Obmann.

Vor seiner Tätigkeit als Klubchef war Wöginger 22 Jahre Angestellter beim Bezirkssekretariat Schärding des Roten Kreuzes.

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Artikel Alexander Zens 16. März 2019 - 00:05 Uhr
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