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„Plötzlich wurde ich gefragt, ob ich Deutsch spreche“

LINZ. Mit Marie-Edwige Hartig könnte Linz ab Herbst die bundesweit erste farbige Gemeinde-rätin haben. Im OÖN-Interview spricht sie über ihre Erfahrungen mit Ausländerfeindlichkeit und über Barack Obama.

„Plötzlich wurde ich gefragt, ob ich Deutsch spreche“

Marie-Edwige Hartig will für die Grünen in den Linzer Gemeinderat einziehen. Bild: Weihbold

OÖN: Sie haben beste Chancen, künftig für die Grünen im Linzer Gemeinderat zu sitzen. Damit wären Sie bundesweit die erste Afro-Österreicherin in dieser Position. Wie werden Sie diesen Status nutzen?

Hartig: Ein Viertel der Linzer Bevölkerung hat Migrations-Hintergrund. Diese Leute können nicht – wie EU-Bürger – aktiv im Gemeinderat mitarbeiten, da sie kein passives Wahlrecht haben und somit nicht gewählt werden können. Das will ich auf kommunaler Ebene ändern.

OÖN: Der neue US-Präsident Barack Obama hat speziell bei Farbigen Hoffnung auf ein Ende von Diskriminierungen geweckt. Glauben Sie, dass Ihr Einzug in den Gemeinderat in kleinem Maße auch so etwas auslösen kann?

Hartig: Ich glaube, dass sich generell in Österreich durch Obamas Antritt der Respekt gegenüber Farbigen nicht geändert hat. Die Österreicher sind für manche Änderungen noch nicht so weit. Das wird ihnen ja auch in den obersten Reihen so vorgemacht: Zum einen spricht man sich gegen den Nationalsozialismus aus, nominiert dann aber Martin Graf (FP, Anm.) zum Dritten Nationalratspräsidenten. Das passt nicht zusammen.

OÖN: Sie leben seit 22 Jahren in Österreich. Sind Sie dennoch mit Ausländerfeindlichkeit konfrontiert?

Hartig: In den 90er Jahren gab es kaum Probleme. Ich bin bereits in Linz in die Volksschule gegangen. Als einziges farbiges Kind war ich „exotisch“, etwas Besonderes. Seit 2000 (in dem Jahr wurde die VP-FP-Bundesregierung angelobt, Anm.) verschärfte sich das Klima. Plötzlich wurde ich auf der Straße gefragt, ob ich Deutsch spreche.

OÖN: Sie haben die österreichische Staatsbürgerschaft. Fühlen Sie sich auch wie eine Österreicherin?

Hartig: Ich bin zwar Österreicherin, fühle mich aber als Austro-Bamileke. Zweiteres ist der Name meines afrikanischen Stammes.

OÖN: Was halten Sie als Mutter einer zehnjährigen Tochter von Forderungen der Landes-FP, den Anteil von Kindern mit nicht deutscher Muttersprache in Kindergärten und Volksschulen zu beschränken?

Hartig: Nichts. Gerade die ersten Kindergartenjahre sind für die Sprachentwicklung sehr wichtig. In dem Alter können Kinder viel voneinander lernen – eben auch die Sprache. Außerdem haben ja auch österreichische Kinder Sprachdefizite...

OÖN: Die Diskussion um den Gratis-Kindergarten dominiert derzeit die Landespolitik. Als Ihre Tochter geboren wurde, gingen Sie selbst noch zur Schule. Waren Sie auf Kinderbetreuung angewiesen?

Hartig: Erst später. Zu Beginn konnte ich die Kleine in den Unterricht mitnehmen, da ich eine reine Frauenschule besuchte und während der Stunde stillen konnte.

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Artikel Von Gerhild Niedoba 25. März 2009 - 00:04 Uhr
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