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Oberösterreichs FPÖ will liberalen „Attersee-Kreis“ wiederbeleben

Neugründung und Auftaktveranstaltung am 25. Oktober – Obmann des neuen Attersee-Kreises wird FP-Budgetsprecher Gradauer.

Landes-FP belebt Attersee-Kreis wieder

Gradauer Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Das Reizwort funktioniert in der FPÖ noch nach Jahrzehnten: „Attersee-Kreis“ nannte sich jene Runde, die sich rund um Friedhelm Frischenschlager und Norbert Steger Anfang der 70er Jahre als liberales Gegengewicht zu allzu stramm-nationalem Denken in der FPÖ gegründet hatte. Wirtschaftsliberale Gedanken wälzten im Attersee-Kreis neben vielen anderen auch Norbert Gugerbauer oder Peter Fichtenbauer. Letzterer ist einer der wenigen von damals, die heute noch aktiv in der FPÖ Politik betreiben.

Parteiintern stiegen die Attersee-FPler einst zügig auf. Nachdem sich Jörg Haider 1986 gegen Norbert Steger als FP-Chef durchgesetzt hatte, fand der Attersee-Kreis allerdings rasch ein Ende.
 
Ein Vierteljahrhundert später will Oberösterreichs FPÖ jetzt wieder an die Attersee-Tradition anknüpfen. Auf Initiative von FP-Landeschef Manfred Haimbuchner wird der Attersee-Kreis am 25. Oktober in Nußdorf als Verein neu gegründet. Obmann wird Alois Gradauer, FP-Budgetsprecher im Nationalrat. Sein Stellvertreter ist Heinz-Peter Hackl, ebenfalls FP-Nationalratsmandatar. Auch FP-Landesparteisekretär Gert Bachmann engagiert sich im Attersee-Kreis.
 
Die Rückbesinnung auf den Attersee-Kreis hat parteiinternes Irritations-Potenzial, sowohl am Rechtsaußen-Flügel rund um Martin Graf als auch bei den Vertretern eines stimmenmaximierenden populistischen Kurses. Konflikte wollen die Oberösterreicher aber vermeiden. Zur Gründungsveranstaltung wurde parteiintern breit eingeladen, angefangen bei Parteichef Heinz-Christian Strache. Der hat dem Vernehmen nach keine Einwände gegen die Neugründung, betrachtet das Ganze aber vorerst aus der Ferne – und schickt seinen Bürochef Reinhard Teufel.
 
In der Landes-FP nennt man den neuen Attersee-Kreis eine „interne Denkfabrik für den Austausch zwischen Jung und Alt, zwischen Mandataren und Experten“. Das liberale Signal ist vollauf beabsichtigt. „Das ist ein Element freiheitlicher Politik, das nicht untergehen darf – und das auch offensiver kommuniziert werden sollte“, sagt ein Attersee-Planer. Als strikten Gegensatz zu oder gar Kampfansage an andere Parteiflügel dürfe man das aber nicht sehen, vielmehr sei eine breitere Aufstellung für die FPÖ von Vorteil.
 
Ein Signal an rechtsliberale Wähler mag wahlstrategisch auch Sinn ergeben – wenngleich sich beim FP-Nationalratswahlkampf wohl erneut die Frage stellen wird, inwieweit sich bürgerlicher Liberalismus mit so manchem Plakatslogan vereinbaren lässt.
 
Die Gründungsversammlung des neuen Attersee-Kreises beginnt am Donnerstag mit der historischen Betrachtung des alten Attersee-Kreises – dargeboten von FP-Historiker Lothar Höbelt. Zum ersten Tagungsthema – ländlicher Raum und Föderalismus– präsentiert OGM-Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer eine Umfrage.
 
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Artikel Markus Staudinger 20. Oktober 2012 - 00:04 Uhr
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