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Helmut Kohl und der Wolfgangsee

ST. GILGEN. Über 30 Jahre hinweg verbrachte Helmut Kohl seine Sommerurlaube stets am Wolfgangsee. Mit seiner alljährlichen Einkehr rückte er das Salzkammergut jeden Sommer einen Monat lang ins politische Blickfeld Deutschlands.

Der deutsche Kanzler und der Wolfgangsee

Helmut Kohls alljährlicher Sommerurlaub in St. Gilgen war auch ein Medienereignis – inklusive süßlich-inszenierter Bilder des Ehepaares Kohl. Bild: apa

In der Konditorei Dallmann in St. Gilgen erinnert die Kanzlertorte – eine Komposition aus weißer und dunkler Schokolade – an den einstigen Stammgast. Von Beginn der Siebziger Jahre an bis ins Jahr 2000 kam Helmut Kohl jeden Sommer für vier Wochen an den Wolfgangsee.

Im salzburgischen St. Gilgen, immer im selben Haus mit Seegrundstück, das an der Mondseestraße in Richtung Brunnwinkl steht, verbrachten Helmut und Hannelore Kohl ihre Ferien. Nach dem Tod von Hannelore – seiner ersten Ehefrau, die sich 2001 das Leben nahm – stellte Helmut Kohl seine Urlaube am Wolfgangsee ein.

Zu Beginn, als Kohl noch Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz war, hatte das Ehepaar Kohl stets die Söhne Peter und Walter an ihrer Seite. Ab 1982 stand Helmut Kohl als Kanzler an der Spitze der deutschen Bundesregierung, seinem Urlaubsort blieb er treu. Was die meisten St. Gilgener freute – denn rasch war sowohl ihr Ort als auch der Wolfgangsee in ganz Deutschland ein Begriff. Nicht zuletzt, nachdem auch deutsche Fernsehanstalten ihre alljährlichen Sommerinterviews mit dem Kanzler in St. Gilgen führten.

Margaret Thatchers Besuch

Um die Macht der Bilder wusste auch Kohl. Zur Urlaubs-PR gehörten stets süßlich-inszenierte Pressebilder des Ehepaars Kohl – mal beim Herzen von Hunden oder Kätzchen, mal beim Füttern eines Rehkitzes. „Mal kucken, ob wa den Helmut sehen“ – für nicht wenige Urlauber aus Deutschland war der Wolfgangsee jedenfalls bald um eine Attraktion reicher.

Wegen Kohl an den Wolfgangsee kamen nicht nur Touristen, auch Staatsgäste fanden sich ein. 1984 war beispielsweise Englands Premierministerin Margaret Thatcher zu einem Treffen angereist. „St. Gilgen war ja ein Monat lang inoffizieller Sitz des deutschen Kanzlers“, sagt Franz Mayrhofer, Besitzer der Konditorei Dallmann und örtlicher Fremdenverkehrsobmann. Thatcher soll, so eine verbreite Fama, übrigens „not amused“ gewesen sein, dass Kohl das Gespräch nach einer Stunde mit dem Hinweis beendete, er habe noch einen wichtigen Termin. Insbesondere, da sie ihn kurz darauf gesehen haben soll, wie er in einem Cafe ein Stück Kuchen verzehrte.

Am Mondsee, nicht weit von Kohls Urlaubsdomizil entfernt, verbringt auch Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer seine Sommerurlaube. Das erste von vielen Treffen der beiden, aus denen sich eine Freundschaft entwickeln sollte, fand 1995 statt. „Wie ich ihm gegenüberstand – doch ein Stück kleiner und leichter als der 1,93 Meter große Kohl – hat er zu mir gesagt: ,Wenn Du jetzt ein so hohes Amt hast, musst Du noch ein paar Knödel essen“, erinnert sich Pühringer, der wenige Monate zuvor erstmals zum Landeshauptmann gewählt worden war.

Bleibende Freundschaft

Auch als Kohl nach 2000 nicht mehr an den Wolfgangsee kam, hielt die Verbindung. Als 2002 eine oberösterreichische Delegation Berlin mit fünf Christbäumen beschenkte und das Friedenslicht überbrachte, stellte sich Kohl zum Treffen in der österreichischen Botschaft ein. 2003 hielt Kohl in Linz beim VP-Wahlkampfauftakt für die Landtagswahl die Ehrenrede.

„Mit seiner Rolle beim Fall der Berliner Mauer, bei der Wiedervereinigung Deutschlands und beim europäischen Einigungsprozess ist Helmut Kohl einer der größten Friedenspolitiker des 20. Jahrhunderts“, sagt Pühringer heute über Kohl, mit dem er nach wie vor in Briefkontakt steht. Und so sandte Helmut Kohl zu Pühringers 60er im November 2009 Glückwünsche, verbunden mit Erinnerungen an „unsere guten, vertrauensvollen Gespräche“. Genauso wie Pühringer seinem Freund in Deutschland jetzt per Brief das Beste zum Geburtstag wünscht. „Du hast für Deutschland, Du hast für Europa, Du hast für die ganze Welt Großes geleistet“, schreibt Pühringer.

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Artikel Von Markus Staudinger und Gary Sperrer 31. März 2010 - 00:04 Uhr
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