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Franz Dinghofer war NSDAP-Mitglied

LINZ/WIEN. Eine Anfrage beim Berliner Bundesarchiv ergab neue Fakten über den „Säulenheiligen aus Ottensheim“.

Franz Dinghofer: Der Mann, der die Republik ausrief

Franz Dinghofer Bild: OON

Die beiden Herren taten empört. In den OÖN werde Franz Dinghofer „völlig falsch dargestellt“, sagte FPÖ-Obmann Heinz Christian Strache am 18. Februar in Wien bei der Vorstellung der ORF-Dokumentation über einen „Baumeister der Republik“ (Titel der Sendereihe).

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz nannte es bei dieser Veranstaltung „eigenartig, dass gerade die OÖN einen Oberösterreicher so minder qualifizieren.“ Beide haben unrecht. Der am 14. Februar erschienene Artikel über den deutschnationalen "Säulenheiligen aus Ottensheim“ war korrekt. Jetzt kommen sogar neue Fakten ans Licht.

In der Dokumentation, die am 23. Februar im Hauptabendprogramm lief, wurde der in Ottensheim geborenen großdeutsche Politiker Dinghofer (1873-1956) als Mann der Mitte präsentiert, „eigentlich ein Patriot“ (so die konservative Historikerin Gudula Walterskirchen im ORF-Beitrag). Ähnlich hatte zuvor der FPÖ-Politiker Martin Graf argumentiert; er nannte es „absurd, Dinghofer in die Nähe des Nationalsozialismus zu rücken.“ Das TV-Publikum musste glauben, Dinghofer habe die NS-Ideologie abgelehnt.

Doch der frühere Linzer Bürgermeister Dinghofer war ein aktiver Antisemit: Er trat für den „Auszug“ der jüdischen Bevölkerung ein. Die Großdeutsche Volkspartei, deren Mitgründer und zeitweiliger Obmann er war, propagierte den Judenhass.Und er war NSDAP-Mitglied.

Das ergab eine Anfrage des Mauthausen-Komitees  beim Bundesarchiv in Berlin. Der angebliche „Baumeister der Republik“ und vermeintliche „innere Emigrant“  bemühte sich ab 1940 um die Aufnahme in die Hitler-Partei. Bereits nach zweieinhalb Monaten durfte er beitreten (Mitgliedsnummer 8450902).

„Warum haben die Historiker der aufwändigen ORF-Dokumentation diesen selbstverständlichen Faktencheck nicht geschafft, sondern stattdessen regelrecht ins Blaue fabuliert?“, fragt Robert Eiter, Sprecher des oberösterreichischen Netzwerks gegen Rassismus und Rechtsextremismus. „War das bloß eine grobe Fahrlässigkeit - oder sollte da ein vorgefasstes Bild der Person Dinghofer nicht gestört werden?“
Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen-Komitees und Mitglied des ORF-Publikumsrates,  fordert  die ORF-Führung auf, „diese Geschichtsfälschung nicht länger zu verbreiten“, Wrabetz solle sich bei den Zuschauern entschuldigen.

Diskussion um Straßenschilder in Linz

Die Linzer Grünen fordern, die Straßenschilder in der Dinghofer-Straße mit Zusatztafeln zu versehen, die auf eine NSDAP-Mitgliedschaft des ehemaligen Bürgermeisters Franz Dinghofer hinweisen. 

Der Grüne Klubobmann in Linz, Helge Langer, findet "die Verklärung eines überzeugten Antisemiten und Nationalsozialisten" unerträglich. Die Stadt müsse "ein klares Zeichen setzen und die Straßenschilder in der Dinghoferstraße umgehend um die Information ergänzen, dass Dinghofer NSDAP-Mitglied war". Auch eine Diskussion um eine Umbenennung sei "mehr als angebracht", so Langer.

Schatz (SP) fordert Konsequenzen

Die SPÖ-Sprecherin für Gedenkkultur Sabine Schatz hat am Donnerstag weitere Konsequenzen verlangt. Sie schloss sich zum einen der Forderung Mernyis nach einer Entschuldigung und einer "klaren Distanzierung des ORF" an. Zum anderen verlangte sie von der FPÖ die Umbenennung des FPÖ-nahen Franz-Dinghofer-Instituts.

"Die Verharmlosung und versuchte Reinwaschung der FPÖ ist skandalös und inakzeptabel", so Schatz. Dinghofer "war weder Patriot, noch ein Baumeister. Das muss auch die FPÖ zur Kenntnis nehmen". Wahre Patrioten seien vielmehr "jene mutigen Menschen, die Widerstand gegen das NS-Regime geleistet haben und dafür gequält und ermordet worden sind", gewesen.

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Artikel Christoph Kotanko 14. März 2019 - 15:49 Uhr
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