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Ziffernnoten, Sitzenbleiben und ein neues Türschild für die Mittelschule

WIEN. Bildungsminister Heinz Faßmann legt für nächstes Jahr ein umfangreiches Schulpaket vor

Ziffernnoten, Sitzenbleiben und ein neues Türschild für die Mittelschule

Die Taferlklassler werden noch alternativ beurteilt, ab dem Ende der zweiten Klasse Volksschule wird es Ziffernnoten für alle geben. Bild: APA/HARALD SCHNEIDER

Bildungsminister Heinz Faßmann (VP) versuchte zu Beginn der Pressekonferenz am Montag etwaigen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. "Es geht mir nicht um bildungspolitischen Revanchismus oder ein zwangsweises Alles-muss-anders-Werden", leitete er die Präsentation des neuen Schulpakets ein. Tatsächlich werden viele von SP-Bildungsministerinnen eingeführte Maßnahmen ab dem nächsten Schuljahr (2019/20) zurückgenommen bzw. neu gestaltet.

Volksschule: An den Volksschulen werden künftig im Jahreszeugnis der zweiten Klasse wieder verpflichtend Ziffernnoten stehen. Erst 2016/17 war ein alternatives Beurteilungssystem in den ersten drei Volksschulklassen eingeführt worden. Die Entscheidung, ob in einer Klasse Noten oder eine andere Form von Leistungsbeurteilung erfolgte, trafen Lehrer und Eltern.

Faßmann setzte sich erfolgreich gegen die Forderung der Freiheitlichen zur Wehr, diese hatten Noten bereits ab der ersten Klasse gefordert. Bis zum Semesterzeugnis der zweiten Klasse können die Schulen künftig autonom entscheiden, welche Form der Beurteilung sie wünschen. Wählen sie Ziffernnoten, muss zusätzlich auch verbal beurteilt werden.

Die Eltern werden in Bewertungsgesprächen über den Leistungsstand ihrer Kinder informiert. Ab der zweiten Klasse können Kinder künftig wieder sitzenbleiben – was derzeit erst ab der vierten möglich war. Werden Schwächen festgestellt, müssen die Kinder verpflichtend am Förderunterricht teilnehmen.

Im letzten Volksschuljahr soll es zudem eine Art Test geben, den das Bildungsforschungsinstitut (Bifie) ausarbeiten wird. Er soll zusätzlich zu den Schularbeiten den Lehrern eine Hilfe geben. Im Ministerium wird darauf hingewiesen, dass in den Städten Eltern oftmals Druck auf die Lehrer ausüben, ihrem Kind ein besseres Zeugnis für die Aufnahme in ein Gymnasium zu geben. Gerade in Wien würden zu viele Kinder die AHS besuchen.

Mittelschule: Die Attraktivität der Mittelschule soll gehoben werden. "Sie ist keine bildungspolitische Sackgasse", sagte Faßmann. Er wies darauf hin, dass in Oberösterreich jeder zweite Mittelschüler im Anschluss eine höhere Schule besuche, in Wien sind es 20 Prozent. Die Neue Mittelschule wird ihren Zusatz verlieren. "Wie lange ist das Neue schon neu?", sinnierte Faßmann. Ressourcen soll es keine zusätzlichen geben.

Nach der Abschaffung der Leistungsgruppen soll die Mittelschule in Zukunft wieder "leistungsorientierter" werden. Teamteaching – also der Unterricht mit zwei Lehrern – bleibt erhalten. Doch können in Deutsch, Mathematik und Englisch ab der sechsten Klasse dauerhafte Gruppen – für tendenziell gute Schüler – eingerichtet werden. Die siebenteilige Notenskala wird abgeschafft und durch eine zweimal fünfteilige Skala (Sehr gut bis Nicht genügend auf AHS-Niveau und Standard-Niveau) ersetzt. Ein Dreier auf AHS-Niveau entspricht einem Sehr gut auf Standard-Niveau.

Polytechnische Schule: Rund 400 Schüler haben das Problem, ohne Abschluss die neunte Schulstufe zu vollenden. Sie erhalten eine zweite Chance und können ein freiwilliges zehntes Schuljahr am Polytechnikum absolvieren. 

Video: Am Montag hat Bildungsminister Faßmann (ÖVP) die Schulreform präsentiert. Dabei feiern Noten in der Volksschule und Leistungsgruppen in der Mittelschule ein Comeback. Bildungsexperten kritisieren die Änderungen.

 

"Damit wurden Langzeitforderungen von uns erfüllt"

"Damit wurden Langzeitforderungen von uns erfüllt"

Zu euphorisch möchte Lehrergewerkschafter Paul Kimberger in der Bewertung des „Pädagogik-Pakets“ nicht klingen, aber etwas Genugtuung ist durchaus festzustellen, wenn er bemerkt: „Damit wurden Langzeitforderungen der Gewerkschaft erfüllt.“ Vor allem die Leistungsdifferenzierung gehe „in die richtige Richtung“. Man sei jetzt „durchaus einmal zufrieden“. Nun gelte es, die Gesetzesentwürfe genau zu studieren. Ein Teil der Genugtuung ist auch darin geschuldet, dass die Lehrergewerkschaft intensiv an den Faßmann-Plänen mitgewirkt hat. Nach der Begutachtungsphase wird man noch einmal mitreden, wenn es darum geht, was in den endgültigen Gesetzesentwurf einfließt. „So eine Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern habe ich bisher nicht gekannt“, streut Kimberger dem Bildungsminister Rosen. Nachsatz: „Man hat aus dem Fiasko mit den Deutschklassen gelernt.“

Kritik am „Pädagogik-Paket“ von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) übt die Opposition. SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid sprach sich gegen eine „Rückkehr in die Nachkriegszeit“ und „Notendruck auf die Jüngsten“ aus. Auch die Neos sehen ein Zurück in die „50er-Jahre“. „Ziffernnoten wieder einzuführen und die Türschilder der Neuen Mittelschule auszutauschen“ sei kaum zu unterbieten, so Bildungssprecher Douglas Hoyos. Die Liste Pilz sprach vom „Rückschritt als neuem Fortschritt“. Lob kam von Vertretern der Regierungsparteien auch aus Oberösterreich. Bildungslandesrätin Christine Haberlander (ÖVP) sprach von einer „Weiterentwicklung der Bildungslandschaft“ und Familienlandesrat Manfred Haimbuchner (FPÖ) von notwendigen „Leistungsanreizen“. 
 

Video: Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) erklärt im "ZIB 24"-Interview, dass von vielen Seiten der Wunsch nach Wiedereinführung der Noten in der Volksschue geäußert wurde.

Kritik des Bildungsforschers: "Symbolpolitik"

Bildungsforscher Stefan Hopmann von der Uni Wien ließ gestern auf Ö1 kaum ein gutes Haar an der geplanten Reform.

Die Wiedereinführung der Ziffernnoten nannte er „Symbolpolitik“. Das Sitzenbleiben sei schädlich und fördere schlechte Schulkarrieren.

Als „zunächst verständlich“ beurteilte er die Wiedereinführung von Leistungsgruppen, auch wenn es leichter gewesen wäre, zum alten Modell zurückzukehren. Doch würden soziale Trennwände verstärkt. Die Mittelschule sei in den vergangenen Jahren schwer beschädigt worden, „die Eltern, die können, flüchten“.

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Artikel (gana), (eiba) 02. Oktober 2018 - 00:04 Uhr
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