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Wie das Klassenzimmer digital wird

Bildungsminister Heinz Faßmann über Gratis-Laptops oder Tablets für alle Schüler und die Wünsche der JKU.

Wie das Klassenzimmer digital wird

Künftig könnte es normal sein, dass Schüler im Klassenzimmer auch mit dem Tablet arbeiten. Bild: colourbox

Bildungs- und Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (VP) legt einen Masterplan für die Digitalisierung des Schulsystems vor. Im OÖN-Gespräch während einer Reise der Regierung nach Südostasien erläutert Faßmann, wie schnell die Schulen digital werden sollen und was er von der geforderten Mehrdotierung für die JKU hält.

 

OÖNachrichten: Die Digitalisierung soll über eine Änderung der 18 Jahre alten Lehrpläne, die Aus- und Weiterbildung der Lehrer und die Ausstattung erfolgen. Hört sich nach einem Monsterprogramm in einem System an, das nicht für seine Geschwindigkeit bekannt ist.

Faßmann: Umso wichtiger ist es, dass wir die Veränderungen in Angriff nehmen. Es gab und gibt viele Vorarbeiten, die zu erledigen sind, und ich bin optimistisch.

Wann soll man von den Veränderungen etwas spüren?

Ich gehe davon aus, dass das noch in dieser Legislaturperiode der Fall sein wird. Wir fangen ja nicht bei null an, sondern sind auf halbem Weg. Das heißt aber auch, dass der halbe Weg noch vor uns liegt.

Lässt sich schon abschätzen, wie viel dieses Projekt kosten wird?

Nein, aber die Vorarbeiten sind so weit erledigt, dass sich eine seriöse Kosteneinschätzung in absehbarer Zeit machen lassen wird.

Wenn man sich vor Augen führt, dass viele Schulen kaum mit Geräten und WLAN ausgestattet sind, wird es noch ein langer Weg, bis das Glas voll ist.

Es wird darauf ankommen, wie gut die Zusammenarbeit mit dem Infrastrukturministerium läuft.

Wie das Klassenzimmer digital wird

Wie wird sich die Digitalisierung im Unterricht manifestieren?

Zum einen wird man in den einzelnen Fächern schauen müssen, welchen Einfluss sie auf die Themen hat. Das wird in Deutsch anders sein als in Mathematik. Gleichzeitig startet schon jetzt das Fach Digitale Grundbildung.

Mit welchen Geräten?

Da werden wir es nicht so halten wie die Franzosen, die das Handy aus den Schulen verbannen, sondern die Kinder ermuntern, ihre eigenen Geräte mitzunehmen, um auch ihre eigenen Lebenswelten in der Schule zu reflektieren und den verantwortungsvollen Umgang mit den Geräten zu lernen.

Mittelfristig wird es neben dem Gratisschulbuch auch den Gratis-Laptop oder das Tablet geben?

Das ist für mich keine Schreckensvision, auch was die Kosten betrifft. Bestimmte Dinge erspart man sich damit.

Welche inhaltlichen Akzente wollen Sie setzen?

Bei der Lern- und Lehrsoftware soll ein individuellerer Unterricht möglich werden, der mehr Rücksicht auf die jeweiligen Neigungen und den Lernfortschritt nimmt. Und daneben geht es um Programmierung und das algorithmische Denken. Am Ende soll ein reflektierter und kompetenter Umgang mit dem Thema stehen.

In Singapur, wo die Lernerfolge der Schüler gut sind, werden auch die hohe Wertschätzung und die Bezahlung für die Lehrer als Erfolgsgeheimnis genannt. Haben wir da Nachholbedarf?

Was die Wertschätzung betrifft, mit Sicherheit, die Bezahlung ist im OECD-Vergleich gut.

Oberösterreich hat sich zu einer Phalanx formiert, um mehr Geld für die Linzer Johannes Kepler Universität (JKU) zu fordern, konkret 60 Millionen Euro mehr. Wie stehen die Chancen?

Ich war überrascht über diese Phalanx und halte fest, dass hier der Bund nicht mit dem Land verhandelt, sondern mit den einzelnen Universitäten.

Aber ist es illegitim, wenn ein Bundesland für die eigene Uni eine höhere Dotierung fordert, weil sie bisher im Vergleich zur Wirtschaftskraft zu wenig bekommt?

Illegitim ist es nicht, aber empirisch nicht nachweisbar. Die Verteilung ist kein freies Spiel der Kräfte, das hängt von messbaren Parametern ab. Wobei besondere Anstrengungen honoriert werden. Es braucht nicht nur Geld, sondern auch eine langfristige Strategie.

Sehen Sie diese bei der JKU?

Jetzt schon, eine Zeitlang wusste man das nicht. Jetzt konzentriert man sich auf die Vernetzung mit dem Industriestandort Linz und die Verfügbarkeit von Fachkräften, und das gefällt mir recht gut.

 

Masterplan

Der Masterplan Digitalisierung der Bundesregierung für die Schulen enthält diese Punkte:

Lehr- und Lerninhalte: Bei der Überarbeitung der Lehrpläne werden digitale Kompetenzen in allen Schultypen und Schulstufen berücksichtigt. Digitale Lernutensilien werden angeschafft. In der AHS-Unterstufe und Neuen Mittelschule wird in diesem Schuljahr flächendeckend die verbindliche Übung „Digitale Grundbildung“ mit zwei bis vier Wochenstunden eingeführt.

Weiterbildung: Bei der Fortbildung der Pädagogen geht es verstärkt um Digitales.

Infrastruktur: Die technische Infrastruktur an den Schulen wird ausgebaut, die Ausstattung mit digitalen Endgeräten wird ausgerollt. Die Schuladministration soll mit praxisorientierten Programmen vereinfacht werden.

 

Was sich ändert im neuen Schuljahr

 

Mit Beginn des Schuljahres 2018/19 gibt es einige Änderungen – nebenan fünf wesentliche Aspekte.

 

Rauchverbot: Das Rauchverbot in Schulen wird praktisch auf die gesamte Liegenschaft ausgedehnt, etwaige per Hausordnung mögliche Ausnahmeregelungen wurden aufgehoben. So darf etwa auf Freiflächen wie dem Schulhof nicht mehr geraucht werden – weder von Schülern noch von Lehrern.

 

Deutschklassen: Rund 730 Deutschförderklassen werden bundesweit eingerichtet, davon 150 in Oberösterreich. Für Kinder, die dem Unterricht aus sprachlichen Gründen nicht ausreichend folgen können, gibt es hier 15 bis 20 Wochenstunden nach eigenem Lehrplan. Die Klassen werden ab acht solchen Schülern pro Standort etabliert. Es ist eine der umstrittensten Maßnahmen der Bundesregierung.

Bildungsdirektor: Am 1. Jänner lösen die Bildungsdirektionen die bisherigen Doppelstrukturen mit Landesschulrat und Landes-Bildungsabteilung ab. Es handelt sich um eine gemeinsame Bund-Länder-Behörde. Bildungsdirektor in Oberösterreich ist Alfred Klampfer (Bild), bisher Vizerektor der Pädagogischen Hochschule der Diözese.

Autonomie: Das Schulautonomie-Paket tritt in Kraft: Unter anderem können sich Schulen zu Clustern zusammenschließen und die Möglichkeit zur Bildung flexibler Klassengrößen bekommen: Schülermindest- und -höchstzahlen bzw. Teilungsziffern fallen weg. Direktoren können sich ihre Lehrer (mit Einschränkungen) aussuchen.

Schwänzen: Die Regelung für das Schulschwänzen wird verschärft: Es wird ein Verfahren bei der Bezirksverwaltungsbehörde eingeleitet, sobald ein Schüler im Laufe der neunjährigen Schulpflicht den vierten (vollen) Tag ungerechtfertigt der Schule fernbleibt – wobei diese Tage nicht unbedingt aufeinanderfolgen müssen. Außerdem wird eine Mindeststrafe von 110 Euro eingeführt.

 

 

 

 

 

 

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Artikel Dietmar Mascher aus Hongkong 01. September 2018 - 00:04 Uhr
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