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"Wenn es jetzt einmal eine Zeit ohne Grundsatzreformen gibt, ist das gut"

LINZ. Bildungsminister Heinz Faßmann (VP) ist gegen "überstürzte" Reformideen für die Schule

"Wenn es jetzt einmal eine Zeit ohne Grundsatzreformen gibt, ist das gut"

Bildungsminister Faßmann: "Genug Gestaltungsmöglichkeiten" Bild: VOLKER WEIHBOLD

Bildungsminister Heinz Faßmann (VP) war anlässlich des Lehrertags gestern in Oberösterreich. Im OÖN-Interview spricht er über nötige und unnötige Reformen, Bildungspflicht und Studiengebühren.

 

OÖNachrichten: Sie planen Änderungen bei der Neuen Mittelschule (NMS). Hat sie sich Ihrer Meinung nach nicht bewährt?

Heinz Faßmann: Wir hören viele Klagen über die NMS. Daher haben wir gesagt, wir sollten uns die Erfolge der NMS ansehen, aber auch kritisch prüfen, was weniger gut gelaufen ist. Es ist der Beginn eines Prozesses, an dessen Ende wir Änderungen durchführen werden. Vorgeschlagen haben wir einmal Änderungen beim Notensystem und beim Einsatz zusätzlicher Lehrer, Stichwort Team-Teaching.

Das klingt für Kritiker wie eine Rückkehr zur alten Hauptschule mit einem neuen Türschild?

Wir werden sicher nicht zum alten System zurückkehren.

Grundsätzlich gefragt: War die Einführung der NMS sinnvoll?

Da muss ich ein wenig passen, das lag vor meiner Zeit. Es hat auch wenig Sinn, die Vergangenheit zu reflektieren. Die NMS ist ein Teil des Bildungssystems, und wir müssen schauen, was wir in Zukunft daraus machen.

Da klingt nicht nach Begeisterung.

Ich bin grundsätzlich nicht so schnell zu begeistern.

Alle Erhebungen zeigen: Es gibt das Riesenproblem, dass bis zu 20 Prozent der Schüler am Ende der Neuen Mittelschule nicht sinnerfassend lesen können. Wie will man das in den Griff bekommen?

Das ist dringend: Daher steht das auch im Regierungsübereinkommen. Wenn das Absitzen von Schulpflicht nicht ausreicht, sollte man in Richtung Bildungspflicht gehen. Dann muss man vielleicht noch ein Jahr anhängen, um die Grundkompetenzen zu stärken.

In Oberösterreich wird ein massiver Lehrermangel befürchtet, laut Landesschulrat sollen in den nächsten Jahren 200 Deutschlehrer fehlen. Wie kann man dem Lehrermangel begegnen?

Ich bin nicht sicher, ob der Lehrermangel auch wirklich so gegeben ist. Ich habe mir nur die Zahlen für Österreich insgesamt angeschaut, es ist kein so gravierendes Problem, wie es scheint. Die Wartelisten sind noch lang – aber es will nicht jeder überall unterrichten. Ich meine, etwas Mobilität gehört auch zum Lehrerberuf.

Im Herbst sollen die Bildungsdirektionen die Landesschulräte ablösen. Ist das überhaupt eine Kompetenzbereinigung?

Für die Landeslehrer bleibt weiter das Land zuständig, für die Bundeslehrer der Bund. Aber sie sind in einer Institution und werden von einem Bildungsdirektor geleitet. Es ist ein one-stop-shop für Lehrer, und das ist schon ein großer Vorteil.

Wäre es nicht sinnvoller gewesen, die Kompetenzen für alle Lehrer dem Bund oder den Ländern zu geben?

Man hat hier nicht den harten Schnitt gemacht, aufgrund der spezifischen Situation in Österreich mit einer starken föderalen Struktur. Aber auch das ist eine Sache von gestern. Man sollte das eher als Chance begreifen und vernünftig umsetzen.

Neue Mittelschule, Bund-Länder-Aufteilung, Sie haben viele Fixpunkte, nach denen Sie sich richten müssen. Hätten Sie lieber mehr Gestaltungsmöglichkeiten?

Ich bin gar nicht unglücklich darüber. Das österreichische Schulsystem hat in der Vergangenheit genug Reformen erlebt. Wenn es jetzt einmal eine Zeit ohne Grundsatzreformen gibt, sondern eine vernünftige Reformimplementierung und eine kritische Evaluierung, dann ist das gut. Im Detail gibt es noch genügend Gestaltungsmöglichkeiten.

Zu den Universitäten: Für berufstätige Langzeit-Studenten wird es wieder Studiengebühren geben. Sind Sie ein Verfechter von Studiengebühren?

Um das zu verdeutlichen: Beim Bachelor-Studium werden sie nach drei Jahren plus einem zusätzlichen Toleranzjahr mit 61 Euro pro Monat zur Kasse gebeten. Studiengebühren, wie sie in Österreich üblich sind, eignen sich nicht wirklich zur Finanzierung der Universitäten. Aber sie eignen sich, so etwas wie Verbindlichkeit beim Studium herzustellen. Sie haben also in erster Linie einen psychologischen Zweck.

Wird es generell Studiengebühren geben?

Sie stehen nicht vor der Tür. Wir haben eben erst die neue Studienfinanzierung beschlossen, das müssen die Universitäten erst umsetzen. Dann wird man schauen, wie sich die neue Uni-Finanzierung auswirkt und ob es weitere Schritte gibt. Das könnte aber erst gegen Ende der Legislaturperiode sein.

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Artikel Heinz Steinbock und Markus Staudinger 09. März 2018 - 00:04 Uhr
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