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Sollen die Schulen zu handyfreien Zonen werden?

Sollen die Schulen zu handyfreien Zonen werden?

Sollen die Schulen zu handyfreien Zonen werden? Bild: bilderbox

Jede Schule kann für sich entscheiden, ob und in welchem Ausmaß Schüler Handys benützen dürfen. Während das Ausschalten der Mobiltelefone während des Unterrichts sowie das Abgeben bei Schularbeiten gang und gäbe sind, werden immer mehr Schulen zu handyfreien Zonen – das Mitführen ist dann zwar erlaubt, eingeschaltet werden dürfen die Handys jedoch nicht.

Fritz Enzenhofer, Landesschulratspräsident
Ich befände es für gut, wenn Schulen zu handyfreien Zonen gemacht werden. Die Schule hat ohnehin die Möglichkeit, im Rahmen der Schulordnung derartige Regelungen zu treffen. Schüler sollen mehr Zeit miteinander verbringen und miteinander kommunizieren. Gerade mit modernen Geräten kann außerdem auch Unfug getrieben werden. Es passiert immer wieder, dass Videos oder Fotos von Mitschülern veröffentlicht werden, wo sie sich in komischen Situationen befinden. Ausnahmen bestätigen die Regel: Wenn ein Notfall eintritt, sollte das Handy benutzt werden dürfen.

Claudia Schmied, Unterrichtsministerin (SP)
Lehrer dürfen seit jeher Gegenstände, die den Unterricht stören, abnehmen. Das gilt auch, wenn der Schüler wegen der Ablenkung durch das Handy dem Unterricht nicht mehr folgen kann.
Um Klarheit zu schaffen und Missverständnisse zu vermeiden, befürworte ich den Dialog: Ich empfehle transparente Verhaltensvereinbarungen der Schulpartner, die an der gesamten Schule gelten und nicht von Klasse zu Klasse unterschiedlich gehandhabt werden. Mit ihrer Unterschrift verpflichten sich Pädagogen, Eltern und Schüler, klare Regeln einzuhalten.

Wolfgang Kaiser, Prov. Leiter HTL Grieskirchen
Bei uns ist das Problem relativ entschärft, weil es im neuen Schulzentrum in Grieskirchen nur wenige Punkte gibt, wo das Handy auch einwandfrei funktioniert. Wir sind eine Informatik-HTL, und da brauchen wir das Mobiltelefon teilweise auch im Unterricht, wenn wir Handyanwendungen programmieren. Ansonsten gilt natürlich, dass die Schülerinnen und Schüler das Handy während des Unterrichts ausgeschaltet haben müssen. Wer sich nicht daran hält, muss damit rechnen, dass das Mobiltelefon eingezogen wird. Aber das kommt nur sehr selten vor.

Fritz Steinparz, kaufmänn. Angestellter
Ja. Da bin ich voll und ganz dafür. Ich finde, dass ein Handy vom Wesentlichen ablenkt. In der Schule ist das der Unterricht. Meine Tochter nimmt zwar ihr Handy in die Schule mit, dort wird es aber abgeschaltet. Das hat immer gut funktioniert. Zumindest weiß ich nichts Gegenteiliges.
Dass junge Leute heute ein Handy haben und es entsprechend nutzen, das gehört natürlich dazu. Gänzlich auf ein solches Kommunikationsmittel zu verzichten, funktioniert wahrscheinlich gar nicht mehr. Da geht es mir gar nicht anders.

Sebastian Peterstorfer, Schüler
Prinzipiell nein. Aber ich finde es okay, wenn Handys vor Schularbeiten abgegeben werden müssen, damit mit ihnen nicht geschummelt wird. In der Pause sollte aber jedem selbst überlassen sein, was er mit seinem Handy machen möchte. Den Unterricht kann man mit dem Handy aber auch vereinfachen: Ich habe zum Beispiel eine Anwendung für ein Französisch-Wörterbuch. Damit finde ich schneller etwas als beim Blättern in einem Buch. Das Handy immer ausschalten und in der Tasche lassen zu müssen, würde mir nicht so taugen.

Gertrude Ruttner, Lehrerin
Unser Schulforum hat bereits vor Jahren beschlossen, dass wir eine handyfreie Schule sind. Handys dürfen während des Unterrichts, aber auch in den Pausen nicht verwendet werden. Die Kinder akzeptieren das auch einwandfrei, im Jahr kommt es bloß etwa drei Mal vor, dass ein Handy abgenommen und in der Direktion deponiert werden muss. Natürlich kann ein Handy auch praktisch sein, wenn etwa ein Kind krank wird, um die Eltern zu verständigen. Der sinnvolle und korrekte Umgang mit den Neuen Medien ist an unserer Schule ein wichtiges Thema.

Paul Kimberger, Chef der Pflichtschullehrergewerkschaft
In unserer so modernen Welt ist das Kommunikationsmittel Handy nicht mehr wegzudenken.
Wo es allerdings nichts verloren hat, ist im Unterricht. Hier sollten sich unsere Kinder auf das Wesentliche konzentrieren. Lesen, Schreiben, Rechnen und die persönliche Entwicklung stehen als Ziele im pädagogischen Mittelpunkt und es wäre schade, im Sinne der Zukunftsfähigkeit unserer Kinder, sie durch störende Außeneinflüsse aus den Augen zu verlieren.
Darum: Unterrichtszeit ist handy-freie Zeit.

Franz Siegesleuthner, Unternehmer
Volksschulen könnten handyfrei bleiben. Ab dann sollte es aber möglich sein, mit aufklärenden und erzieherischen Maßnahmen – sowohl von Seiten der Eltern als auch der Lehrer – entsprechend auf die Schüler einzuwirken, um das Handy (s)einer sinnvollen Verwendung zuzuführen. Reine Verbote würden, wie in vielen anderen Fällen, auch hier nur dazu führen, dass die Möglichkeit der Umgehung allzu kreativ genutzt wird. Handys kann man ein- und ausschalten, das trifft im Übrigen nicht nur auf Jugendliche zu.

Anna Lischka, Maturantin
Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass Handys im Unterricht auch nützlich sein können. Beispielsweise bei selbstständigen Arbeitsaufträgen durch Internetrecherche. Bei Referaten benutzen einige mittlerweile statt eines Stichwortzettels Word-Dokumente vom Handy aus. Für Tests und Schularbeiten müssen wir Handys sowieso abgeben, als Schummel-Möglichkeit fällt das weg. Ich habe aber schon mitbekommen, dass Schüler im Unterricht auch abgelenkt werden können. Wie ein Handy-Verbot in der Praxis durchgeführt werden soll, kann ich mir aber nicht vorstellen.

Sven Schwerer, Hauptschullehrer
An unserer Schule dürfen die Schüler das Handy zwar mitnehmen, es muss aber lautlos oder ausgeschaltet sein. Auch in den Pausen darf es nicht verwendet werden. Wir empfehlen den Schülern, es im Spind zu lassen. So ist das Handy für Notfälle zwar da, stört aber das Schulgeschehen nicht.
Ich halte diese Regelung für sinnvoll. Sie wird auch von den Schülern sehr gut angenommen. Würden wir das Handy erlauben, würde in den Pausen wohl das Chaos ausbrechen, weil jeder telefonieren, Musik hören oder Videos anschauen würde.

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Artikel 14. Mai 2011 - 00:04 Uhr
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