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"Das Verhalten der FPÖ drückt einem immer wieder aufs Gemüt"

WIEN. Erwartung, Ernüchterung, Lichtblicke: Psychoanalytiker Martin Engelberg über sein erstes Jahr als ÖVP-Nationalratsabgeordneter.

"Das Verhalten der FPÖ drückt einem immer wieder aufs Gemüt"

Martin Engelberg, Ehefrau Spera (APA) Bild: APA/HANS KLAUS TECHT

Martin Engelberg ist Psychoanalytiker, Unternehmensberater und ÖVP-Abgeordneter zum Nationalrat. Im Internet-Forum "Schlaglichter" beschreibt er sein erstes Jahr als politischer Quereinsteiger.

Der 58-Jährige, der mit der Museumsdirektorin Danielle Spera verheiratet ist, wurde 2017 "als erstes aktives Mitglied der jüdischen Gemeinde Wiens seit der NS-Zeit angelobt". Es schien ihm "für uns Juden hoch an der Zeit, die Seitenout-Linie zu verlassen und uns am politischen Prozess zu beteiligen."

Doch "von jüdischer Seite kam schnell die Ernüchterung", schildert Engelberg. "Dass meine Fraktion mit der FPÖ eine Koalition einging, wollten mir einige nicht verzeihen." Daran habe sich wenig geändert. "Noch ein Jahr später begegne ich Menschen, die mich seit meiner Kindheit kennen, die mich nicht einmal grüßen wollen."

Engelberg sieht seinen Förderer, Kanzler Sebastian Kurz, als Garant gegen jede Form des Antisemitismus. Trotzdem verhehlt er eine gewisse Ernüchterung nicht: "Das Verhalten der FPÖ drückt einem immer wieder aufs Gemüt."

Parteichef Heinz-Christian Strache mache in seinen Reden "einmal einen Schritt nach vorn", dann wieder "einen großen Schritt zurück", etwa in der Liederbuch-Affäre.

"Fast stupide" Plenardebatten

Auch am Parlamentsalltag missfällt Engelberg einiges. 14-stündige Plenarsitzungen seien "verdammt lang"; es sei "frustrierend", die "fast stupide Wiederholung immer gleicher Argumente" zu hören.

Enttäuscht ist er aber nicht. Er sei nicht naiv in die Politik gegangen und habe im Klub und in den Ausschüssen mit hervorragenden Experten zu tun: "Ein großer Gewinn!" Bei seinen Schwerpunkten (Außenpolitik, ethische Fragen) habe es Fortschritte gegeben.

Engelbergs Resümee ist positiv: "Ein spannendes, emotional forderndes, letztlich sehr befriedigendes erstes Jahr liegt hinter mir."

Das können nicht alle Quereinsteiger, die Kurz "erfand", behaupten. Die meisten haben sich wenig profiliert. Einer flog aus dem Fraktion: Der Linzer Efgani Dönmez wurde nach einem sexistischen Tweet ausgeschlossen. Jetzt ist er wilder Abgeordneter und sagt: "Es gibt ein Leben nach der ÖVP."

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Artikel Christoph Kotanko 06. Dezember 2018 - 00:04 Uhr
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