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Anti-Kickl Anschober: Wie der Grüne zum Verbündeten der Wirtschaft wurde

LINZ/WIEN. Ungewöhnliche Allianz: Mehr als 400 Unternehmen unterstützen die Initiative gegen die Abschiebung gut integrierter Lehrlinge. Der Zuspruch wächst, obwohl die Regierung auf einer anderen Route ist.

 Anti-Kickl Anschober: Wie der Grüne zum Verbündeten der Wirtschaft wurde

Landesrat Anschober mit Flüchtlingsbildern: "Viele Unternehmer sagen mir, ich weiß nicht mehr, was ich tun soll." (OÖN) Bild: OÖN

Diese Unterstützung kam unerwartet. "Der Fachkräftemangel ist ein aktuelles, aber auch ein strukturelles Problem. Alleine heuer fehlen 10.500 Fachkräfte. Ein Teil lässt sich durch qualifizierte Zuwanderung lösen", schrieb Georg Kapsch, Präsident der österreichischen Industriellenvereinigung, kürzlich an den grünen oö. Landesrat Rudolf Anschober. "Mittelfristig brauchen wir eine strategische Zuwanderungspolitik. Die Migrationsphobie, die es im Land gibt, muss endlich abgebaut werden."

Kapsch und sein machtvoller Verein gelten als Masterminds der rigiden Regierungspolitik. Trotzdem ist der High-Tech-Unternehmer – wie hunderte Arbeitgeber, von Putenzüchtern, Weinbauern und Bootsbauern bis zu Fabrikanten, Hoteliers und Leinenwebern – ein Unterstützer der Initiative "Ausbildung statt Abschiebung".

In Wien und mehreren Bundesländern hat Anschober namhafte Verbündete. In Linz gilt er weniger. Erst am Montag lehnte die Landesregierung seine Resolution gegen die Abschiebung gut integrierter Lehrlinge ab. "Durch ein Lehrverhältnis darf geltendes Asylrecht nicht ausgehebelt werden" – mit diesen Worten unterfütterte VP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer das Njet der ÖVP- und FPÖ-Mehrheit.

Schwarz-blaue Sprachregelung

Das deckt sich mit der Sprachregelung, die Kanzler Kurz und Innenminister Kickl ausgegeben haben: Das Gesetz unterscheide nicht zwischen Asylwerbern mit oder ohne Lehrplatz, Punkt.

Trotzdem wächst der Zuspruch. In Oberösterreich gibt es 70 Gemeinderatsbeschlüsse, darunter viele ÖVP-regierte Kommunen. Anschobers Petition erhielt bisher 52.000 Unterschriften.

Der gebürtige Welser wurde auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle 2015 Integrations-Landesrat und sah die Notwendigkeiten: Die Wirtschaft braucht qualifizierte Arbeitskräfte, Asylwerber können helfen. Dass exzellente Mitarbeiter weg müssen, missfällt auch konservativen Firmenchefs. "Mir sagen viele, ich weiß nicht mehr, was ich tun soll", berichtet der Grüne, der unvermutet zum Verbündeten der Wirtschaft wurde.

Früher war das anders. Als Umwelt-Landesrat (2003 bis 2015) ging er vielen Wirtschaftstreibenden arg auf die Nerven.

Dass sich nun Salzburgs ÖVP-Landeschef Wilfried Haslauer gegen den Kurz-Kickl-Kurs stellt und ein Bleiberecht für Lehrlinge will, ermutigt Anschober: "Bisher verweigerten sich Kanzler und Innenminister jedem Gespräch. Damit muss es vorbei sein."

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Artikel 12. Juli 2018 - 04:59 Uhr
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