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„Alleine habe ich sicher keinem das Leben gerettet“

WIEN. Ein Diplomat ist ein Diplomat ist ein Diplomat. Peter Launsky-Tieffenthal ist ein Spitzen-Diplomat. Und als solcher sehr bedacht und reserviert.

„Alleine habe ich sicher keinem das Leben gerettet“

Peter Launsky-Tieffenthal (54) wird ab Herbst in New York ranghöchster Österreicher bei den Vereinten Nationen. Bild: APA

Der Wiener, der bald nach New York übersiedelt, um bei der UNO der ranghöchste Diplomat Österreichs zu werden, hat als Sprecher des Außenministeriums vielen Österreichern in Not geholfen. Sei es ein verlorener Reisepass oder wenn es um Leben und Tod geht – etwa beim Verhandeln mit den Entführern von Landsleuten. Ein Diplomat – nach leichten Anlaufschwierigkeiten – ganz persönlich.

 

OÖNachrichten: Herr Launsky-Tieffenthal, wie vielen Menschen haben Sie schon das Leben gerettet?

Launksy-Tieffenthal: Sie werden verstehen, dass man diese Schicksale nicht in Zahlen ausdrücken kann. Alleine habe ich sicher keinem das Leben gerettet. Unsere Erfolge basieren auf dem Teamgeist in den mehr als 100 Botschaften und Konsulaten weltweit und dem Außenministerium.

OÖNachrichten: Wie sind Sie gestrickt?

Launksy-Tieffenthal: Ich bin ein Teamplayer, weil ich weiß, dass meine Arbeit nur funktioniert, wenn verschiedenste Menschen an verschiedensten Orten der Welt an einem Strang ziehen. Das Wort, mit dem ich mich am ehesten identifiziere, ist Brückenbauer.

OÖNachrichten: Manchmal mussten Sie auch Brücken zwischen Terroristen und Geiseln bauen. Wie gehen Sie das auf diesem dünnen Eis an?

Launksy-Tieffenthal: Ich kann Ihnen erzählen von einer Entführung, die gut ausgegangen ist, von zwei Grazern. Zu Weihnachten 2005 im Jemen. Ich wurde vom Außenministerium hingeschickt und konnte mit Vertretern der Regierung, mit Stammesvertretern sprechen, um mitzuhelfen, an der Freilassung der beiden Steirer.

OÖNachrichten: Welchen Spielraum hatten Sie, wer gab Ihnen den Spielraum?

Launksy-Tieffenthal: Es gibt ein regelmäßiges Treffen von den drei höchsten Beamtenvertretern von Außen-, Innen- und Verteidigungsministerium, das nennt sich „Dreierlage“. Mit diesen Vertretern bespricht man gemeinsam eine Strategie. Im Fall der Grazer war es so, dass die Forderungen der Entführer gegen die Regierung im Jemen gerichtet waren. Sie wollten Besuchsrechte und Anwälte für Stammesmitglieder erwirken, die im Gefängnis saßen. Ich habe mich bemüht, der Regierung klarzumachen, dass in unserem Rechtssystem derartige Forderungen selbstverständlich erfüllt werden. Die Brücke war irgendwann so tragfähig, die Sache ist gut ausgegangen.

OÖNachrichten: Wie gehen Sie vor: Pokerface oder freundliches Gesicht?

Launksy-Tieffenthal: Entscheidend ist, dass man in der Sache hart bleibt und im Ton respektvoll und verbindlich.

OÖNachrichten: Wie gehen Sie mit dieser Verantwortung um? Schließlich können Menschen sterben, wenn Sie ungeschickt verhandeln.

Launksy-Tieffenthal: Um helfen zu können, muss man sich in die Situation jener hineinversetzen, die in der Notlage sind, aber auch die Mentalität jener verstehen, die die Notlage verursachen. So baut man emotionale Bande auf und lebt und leidet mit am Schicksal mit jenen, um die man sich bemüht. Es ist wie bei einem Arzt. Man muss Empathie empfinden, sich aber abgrenzen können.

OÖNachrichten: Es heißt, dass viele Entführungen mit Geld gelöst werden, dass es aber Teil des Deals ist, niemals öffentlich darüber zu reden.

Launksy-Tieffenthal: Das sehe ich nicht. Es geht ja oft gar nicht um Geld, sondern um sehr praktische Dinge des Lebens. Respektierung von Grund und Boden, die Nutzung von Bodenschätzen. Mit den Entführungen will man dafür Aufmerksamkeit erregen.

OÖNachrichten: Was war bei all diesen schwierigen Fällen Ihr größter Erfolg?

Launksy-Tieffenthal: Die größte Befriedigung herrscht, wenn es gelungen ist, diesen kleinen Unterschied im Leben eines anderen zu machen, der das Problem gelöst hat. Natürlich hat es mich gefreut, dass es möglich war, zwei Salzburger nach acht Monaten in die Arme zu schließen und zurück nach Österreich zu bringen.

OÖNachrichten: Was war Ihre größte Niederlage?

Launksy-Tieffenthal: Der Tod von Bert Nussbaumer. Das war der traurigste Moment, weil ich sehr engen Kontakt mit der Mutter hatte und eigentlich immer noch habe. Sie informieren zu müssen, dass es trotz vieler Bemühungen nicht gelungen ist, ihn wieder gesund nach Hause zu bringen. Ja.

OÖNachrichten: Menschen, die in gefährlichen Ländern in Not geraten sind, werden vom Volksmund oft verurteilt. Sie seien selber schuld, sollen doch schauen, wie sie da rauskommen, und alle Kosten, die deswegen entstehen, gefälligst selber begleichen.

Launksy-Tieffenthal: Zunächst hilft das Außenministerium einmal. Man fragt nicht, wer es ist, warum es dazu gekommen ist. Es gab Anlassfälle, in denen die Öffentlichkeit das kritisch hinterfragt hat. Es gibt eine gesetzliche Grundlage, dass man von Personen, die sich schuldhaft in eine derartige Lage gebracht haben, Regress fordern kann. Im Fall der Salzburger wurde das geprüft, und es kam eindeutig heraus, dass kein schuldhaftes Verhalten vorlag.

OÖNachrichten: Wo hat der Brückenbauer persönliche Schwächen?

Launksy-Tieffenthal: Wenn ich hungrig bin, werde ich ein wenig ungeduldig.


Portrait

Mehr als 27 Jahre ist Peter Launsky-Tieffenthal (54) Diplomat. Er war in Washington, Los Angeles, Indien und Saudi-Arabien. In den vergangenen fünf Jahren war er Sprecher des Außenministeriums. Als solcher wickelte er mit rund 1300 Mitarbeitern Problemfälle von Österreichern im Ausland ab – vom verlorenen Pass bis hin zu Verhandlungen mit Entführern – rund 400.000 pro Jahr. Nun erlebt der Kino-, Natur- und Tennisfreak einen Karrieresprung. Ab Herbst wird Launsky in New York die Presseabteilung der Vereinten Nationen (700 Mitarbeiter) leiten und somit ranghöchster Österreicher bei der UNO.


Stationen aus dem Leben eines Diplomaten

Dem Bad Ischler Mediziner Eugen Adelsmayr (52) wird in Dubai der Prozess gemacht. Ihm wird Mord wegen unterlassener Hilfeleistung im Rahmen einer Operation vorgeworfen. Nach langwierigen Verhandlungen mit dem Außenministerium stimmen die Behörden in Dubai zu, dass Adelsmayr am 28. September 2011 aus humanitären Gründen nach Hause zu seiner schwer kranken Frau darf.
Im November 2006 wird der damals 26 Jahre alte Bert Nussbaumer aus Altmünster als Mitarbeiter einer US-Sicherheitsfirma im Irak entführt. Schon eine Woche später soll er ermordet worden sein. Allerdings wird erst am 29. März 2008 traurige Gewissheit, dass Nussbaumer tot ist. Alle Versuche des Außenministeriums rund um Peter Launsky-Tieffenthal fruchten nichts.
Die Salzburger Andrea Kloiber (43) und Wolfgang Ebner (51) werden am 22. Februar 2008 in Algerien von Terroristen entführt. Nach intensiven Verhandlungen mit den Terroristen gelingt es nach 252 Tagen, die beiden Salzburger freizubekommen. Außenamt und Verteidigungsministerium erklären, dass kein Lösegeld an die Entführer gezahlt worden sei.

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Artikel OÖN 09. Juni 2012 - 00:04 Uhr
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