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Äußerlich brav katholisch, im Geheimen evangelisch

LINZ. Luthers Lehre fand in Oberösterreich schnell Anhänger, die ihr sogar trotz Verboten treu blieben.

toleranzbethaus

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Fast 50.000 evangelische Christen leben in Oberösterreich, damit ist es das Bundesland mit den meisten Gläubigen dieser Konfession nach Wien. Die meisten von ihnen sind mit rund 7000 Personen in der Landeshauptstadt zuhause, wo die vier Gemeinden Innere Stadt, Linz-Süd, Urfahr und Dornach beheimatet sind, vor Wels mit etwa 3500 Personen. Dahinter folgt, nur auf den ersten Blick ein wenig überraschend, die 7500-Einwohner-Gemeinde Bad Goisern mit rund 3400 Gläubigen.

Das Salzkammergut war schon früh ein Zentrum der evangelischen Lehre in Oberösterreich. Gmunden, mit fast 2800 Seelen jetzt eine der größten evangelischen Gemeinden des Landes, galt schon 1525 als "lutherisches Nest" – nur acht Jahre nachdem Martin Luther in der deutschen Stadt Wittenberg seine Thesen veröffentlicht hatte. Dank des Salzhandels hatte die Region gute Kontakte nach Deutschland, was dazu beitrug, dass Luthers Lehre rasch bekannt wurde und Anhänger fand.

Unerschütterliche Anhänger

Im Salzkammergut stieß auch die Gegenreformation, die Ende des 16. Jahrhunderts begann, auf besonders heftigen Widerstand, selbst als der evangelische Glaube mit dem Reformationspatent Kaiser Ferdinands II. 1624 überhaupt verboten wurde. Unerschütterliche Anhänger Luthers aus der Region wurden ab 1734 zwangsweise nach Siebenbürgen im heutigen Rumänien umgesiedelt, da sie sich weigerten, katholisch zu werden.

Andere wiederum gaben sich nach außen hin als brave Katholiken, im Verborgenen waren sie aber weiterhin in ihrer evangelischen Gemeinde aktiv.

Erst das Toleranzpatent von Kaiser Joseph II. beendete 1781 die Gegenreformation. Jene Kirchengemeinden, die sich aufgrund dieses Erlasses bildeten, wurden als "Toleranzgemeinden" bezeichnet.

In Oberösterreich gab es neun davon: Wels, Thening, Scharten, Eferding, Wallern, Neukematen, Bad Goisern, Gosau und Rutzenmoos. Der erste offizielle evangelische Gottesdienst nach Ende der Gegenreformation fand am 9. Juni 1782 in Scharten statt, rund 4000 Gläubige feierten mit. Der Pfarrer von Scharten, Johann Christian Thielisch, wurde im darauffolgenden Jahr zum ersten Superintendenten Oberösterreichs ernannt.

Kirchtürme verboten

Das Toleranzpatent bedeutete aber nicht, dass die evangelischen Christen den Katholiken gleichgestellt waren. Ihre Gotteshäuser durften beispielsweise keine Kirchtürme haben und mussten abseits der Hauptstraßen stehen. Strebten evangelische Christen ein öffentliches Amt an, wurden sie benachteiligt. Rechtlich gleichgestellt wurden die Angehörigen beider Konfessionen 1861, die evangelische Kirche als Institution erhielt ihre volle rechtliche Freiheit erst 1961.

Derzeit bestehen 34 evangelische Gemeinden in Oberösterreich, sowie acht Tochtergemeinden. Es gibt 52 evangelische Gotteshäuser, in denen 60 hauptamtliche Pfarrerinnen und Pfarrer wirken. Die jüngste evangelische Gemeinde des Landes ist jene von Leonding, die 2006 gegründet wurde. Sie bietet 850 Gläubigen eine spirituelle Heimat.

Toleranzbethaus

In Thening wurde, zwei Jahre nachdem Kaiser Joseph II. 1781 das Toleranzpatent erlassen hatte, das Bethaus errichtet. Es durfte jedoch nicht wie eine Kirche aussehen – also kein Turm und keine Rundbogenfenster. Das Toleranzbethaus wurde 1784 fertiggestellt. Davor gab es in Thening einen besonders stark ausgeprägten Geheimprotestantismus.

Die Evangelische Kirche im Feld wurde 1856 bis 1859 in neuromanischer Form erbaut. 1867 folgte der Bau des Kirchturms.

80 Prozent der oberösterreichischen Bevölkerung war im Jahr 1576 bereits evangelisch. Oberösterreich war also damals in dem Maß lutherisch, wie es heute römisch-katholisch ist. Der Steyrer Chronist Jakob Zetl sprach von einem „erzlutherischen Land“.

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Artikel Luise Walchshofer 31. Oktober 2017 - 00:04 Uhr
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