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NSA dreht den Spieß um: „Europäische Partner halfen uns beim Bespitzeln“

US-Geheimdienst wies Berichte über das Abhören von Millionen Europäern als falsch zurück.

NSA dreht den Spieß um: „Europäische Partner halfen uns beim Bespitzeln“

Proteste bei der Anhörung im Repräsentantenhaus mit NSA-Chef Keith Alexander (M.) und dem Direktor der Nationalen Geheimdienste, James Clapper. Bild: Reuters

Angriff ist bekanntlich die beste Verteidigung. Während hohe deutsche Regierungsbeamte im Weißen Haus ein Ende der Bespitzelung durch die Supermacht verlangten, drehten der Direktor der Nationalen Geheimdienste James Clapper und NSA-Chef Keith Alexander den Spieß um: Scheinheilig seien die Klagen der Europäer, deren Spione selbst bespitzelten – auch in den USA.

Europäische Politiker, die sich öffentlich aufplusterten, wüssten oft nicht, „was ihre Geheimdienste tun“, erklärte Clapper süffisant bei einer dreistündigen Anhörung im Repräsentantenhaus. Im Vergleich dazu gebe es „kein anderes Land auf diesem Planeten“, dass seinen Spionen so sehr auf die Finger schaue, wie die USA.

Parallel zu dem kämpferischen Auftritt auf dem Capitol Hill streuten „hohe Mitarbeiter“ Informationen, wonach der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) 2008 ungewollt eine Liste mit 300 Telefonnummern von US-Bürgern ausgehändigt habe. BND-Chef Gerhard Schindler wies den impliziten Vorwurf der Amerikaner in der „Zeit“ entschieden zurück. „Aus der deutschen Botschaft in Washington wird keine Fernmeldeaufklärung durchgeführt.“

Ihr Fett bekamen auch Franzosen und Spanier ab. Diese regten sich über Dinge auf, die ihre eigenen Geheimdienste angestellt hätten und schöben sie nun den Amerikanern in die Schuhe. Die Rede ist von den 70 Millionen abgegriffenen Telefon-Daten in Frankreich und den 60 Millionen Datensätzen in Spanien. „Das sind keine Informationen, die wir über europäische Bürger gesammelt haben“, behauptete NSA-Chef Alexander. Ein großer Teil davon sei von den „ausländischen Partnern“ selbst geliefert worden.

Clapper sagte, dass die Aufregung um Merkels Handy übertrieben sei: „Die Intentionen anderer Führer herauszufinden, egal in welcher Form sie ausgedrückt werden, gehört zum Kernbestand dessen, was wir sammeln.“

Europa plant Gegenoffensive

Europa rüstet unterdessen zum Gegenangriff: Als Konsequenz aus den mutmaßlichen Lauschattacken des US-Geheimdienstes fordern immer mehr Politiker, Europa müsse die technologische Vorherrschaft der USA brechen und sich im IT-Bereich unabhängig machen. „Die Digitalisierung der Welt darf nicht zu einer digitalen Weltherrschaft führen, die sich die USA und China teilen“, sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. Und aus Paris verlautete von Handelsministerin Nicole Bricq: „Wirtschaftsspionage ist Realität. Da nützt kein Jammern. Ich denke, wir müssen besser sein und besser organisiert.“

Wurde auch der Papst Abgehört?

Der Skandal um angebliche US- Spionageaktivitäten zieht weitere Kreise und soll jetzt auch den Vatikan betreffen. Der US-Geheimdienst NSA soll auch den Papst abgehört haben, berichtet das italienische Nachrichtenmagazin „Panorama” in seiner heutigen Ausgabe.

Wohnheim der Kardinäle: Demnach wurden Gespräche von hochrangigen Geistlichen im Vatikan bis vor dem Konklave am 12. März abgehört. Bespitzelt seien auch Telefongespräche worden, die in der „Domus Internationalis Paul VI.“ in Rom geführt wurden, der Residenz, in der Kardinal Jorge Mario Bergoglio – der künftige Papst Franziskus – mit anderen Kardinälen vor seiner Papst-Wahl wohnte.

Bergoglio soll bereits im Jahr 2005 ins Visier der NSA geraten sein, wie auch aus WikiLeaks-Berichten hervorgeht.

 

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Artikel Thomas Spang, Washington 31. Oktober 2013 - 00:04 Uhr
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