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Merkel-Vertraute, Wirtschaftsanwalt, junger Minister: Wer wird CDU-Chef?

HAMBURG. Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn treten heute beim Parteitag an.

die Kanidaten für den CDU-Vorsitz

Wer wird Chef der deutschen Christdemokraten: Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer oder Jens Spahn? Bild: Reuters

Acht Regionalkonferenzen, unzählige Interviews – die drei aussichtsreichsten Kandidaten für den CDU-Vorsitz haben einen heftigen Wahlkampf hinter sich. Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn treten heute auf dem Bundesparteitag in Hamburg an, um die 1001 Delegierten zu überzeugen und Nachfolger Angela Merkels nach 18 Jahren an der Spitze der Christdemokraten zu werden.

Verhältnis zu Angela Merkel?

Kramp-Karrenbauer wehrt sich gegen den von Konservativen bewusst genährten Eindruck, sie sei eine "Mini-Merkel". Also betont die Saarländerin Härte in der Flüchtlingspolitik – setzt sich aber nicht von der Person Merkel ab.

Merz betont, dass er keinen Groll gegen Merkel hegt, die ihn 2002 von der Fraktionsspitze verdrängt hat, und versichert, er werde mit Merkel als Kanzlerin aus Respekt vor dem Amt und der Person "loyal" zusammenarbeiten.

Auch Spahn sagt, er wolle gut mit Merkel zusammenarbeiten. Mehr muss er nicht tun – zumal er als nicht stark genug gesehen wird, die Kanzlerin zu stürzen.

Einstellung zu Europa?

2019 fallen grundsätzliche Entscheidungen über Europas Zukunft, zudem findet die Europawahl statt. Merz, früher Europaparlamentarier, bekennt sich zu einer weiteren Integration und betont, Deutschland müsse mehr zahlen. Auch Kramp-Karrenbauer gilt als klar pro-europäisch, hat aber außer geforderten Experimentierklauseln für Grenzregionen keine neuen Positionen bezogen. Spahn wiederum gilt als klassischer Innenpolitiker.

Steuer- und Rentenpolitik?

Alle drei befürworten die Abschaffung des Solidaritätszuschlags Soli bis 2021. Alle sind dafür, dass die gesetzliche Pension verstärkt mit einer zweiten und dritten Säule abgesichert wird. Merz tritt für Investivanteile von Beschäftigten an ihren Betrieben und steuerliche Begünstigung von Aktienkäufen ein. Kramp-Karrenbauer pocht darauf, dass die CDU noch vor den Landtagswahlen im Osten 2019 ein langfristiges Pensionskonzept haben müsse. Spahn nimmt die härteste Position in der von der SPD angestoßenen Hartz-IV-Debatte ein.

Migrationspolitik?

Spahn gilt als Kritiker der Flüchtlingspolitik Merkels. Er betont, dass auch die Orientierungsgröße von 200.000 neuen Flüchtlingen und Migranten pro Jahr zu hoch sei. Merz besetzt mit einer Debatte über das Asylrecht und einen anhaltenden "Kontrollverlust" des Staates ebenfalls konservative Positionen. Auch Kramp-Karrenbauer versucht dies, in dem sie eine Wiedereinreisesperre für abgeschobene Gewalttäter in den Schengen-Raum fordert.

Video: Wer folgt auf Merkel?

Die Kanidaten für den CDU-Vorsitz

Friedrich Merz: Geboren am 11. November 1955 in Brilon im Sauerland (Nordrhein-Westfalen). Er studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn (1976–1981) und ist seit 1986 Rechtsanwalt. Von 1989 bis 1994 Mitglied im Europäischen Parlament, danach bis 2009 Mitglied im Bundestag – von 2000 bis 2002 Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion. Seit 2005 ist Merz bei der internationalen Anwaltskanzlei Mayer Brown und Mitglied in mehreren Aufsichts- oder Verwaltungsräten. Er ist Katholik, verheiratet und Vater dreier Kinder.

Annegret Kramp-Karrenbauer: Geboren am 9. August 1962 in Völklingen (Saarland). Jus- und Politikstudium in Trier und Saarbrücken (1982–1990). Ab 1999 im saarländischen Landtag, wurde sie 2000 Innenministerin im Saarland. Nach weiteren Ministerämtern im Saarland (Bildung/Familie/Kultur, Arbeit, Justiz, Wissenschaft/Forschung) wurde sie 2011 Ministerpräsidentin des Saarlands und blieb dies bis zum Wechsel ins Amt der CDU-Generalsekretärin 2018. Sie ist Katholikin, verheiratet und Mutter von drei Kindern.

Jens Spahn: Geboren am 16. Mai 1980 im münsterländischen Ahaus (Nordrhein-Westfalen). Nach der Matura Ausbildung zum Bankkaufmann; Studium der Politikwissenschaft an der Fernuniversität Hagen, Abschluss 2017. Von 1998 bis 2005 Vorsitzender des Bundes der Katholischen Jugend, wurde Spahn 2002 Mitglied des Bundestages. Von 2015 bis 2018 Parlamentarischer Staatssekretär beim Finanzminister, wurde er 2018 Bundesgesundheitsminister. Spahn ist Katholik und seit 2017 mit seinem langjährigen Partner verheiratet.

 

 

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Artikel 07. Dezember 2018 - 00:04 Uhr
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