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Der Moderate Rex Tillerson muss gehen, der Falke Mike Pompeo kommt

Der amerikanische Außenminister erfuhr von seinem Rauswurf via Twitter.

Mike Pompeo folgt Rex Tillerson Bild: Reuters

Als Rex Tillerson vor dem Morgengrauen auf der "Andrews Air Force Base" landete, wusste er nicht, dass dies seine letzte Rückkehr von einer Reise als Außenminister der Vereinigten Staaten war. Auch die Reporter und Mitarbeiter, die Trumps Chef-Diplomaten nach Afrika begleitet hatten, ahnten nichts von dem Drama, das den Minister in Washington erwartete.

Tatsächlich erfuhr der nicht in den sozialen Medien aktive Tillerson später als Millionen von Twitter-Nutzern von der Entscheidung, die der US-Präsident um 8.44 Uhr kundtat. "Mike Pompeo, Direktor des CIA, wird unser neuer Außenminister. Er wird einen fantastischen Job machen!", twitterte Trump kurz vor seiner Abreise nach Kalifornien.

Ein Mitarbeiter legte dem soeben via Twitter gefeuerten Minister die Kurznachricht vor. Wirklich überrascht haben dürfte Tillerson die Nachricht nicht, lag er mit seinem Chef doch schon seit Monaten über Kreuz: vom Ausstieg der USA aus dem Weltklima-Abkommen über die Absicht, den Atomvertrag mit dem Iran aufzukündigen, bis hin zu Trumps Alleingängen beim Freihandel und Nordkorea.

"Wir denken nicht gleich"

Das Fass zum Überlaufen brachte dem Vernehmen nach die deutliche Positionierung Tillersons zu dem mutmaßlichen Giftanschlag der Russen auf einen ehemaligen Doppelagenten in Salisbury. Während Trump verdächtig schwieg, benannte der Außenminister in einer öffentlichen Stellungnahme Ross und Reiter. "Wir denken wirklich nicht gleich", bestätigte Trump die anhaltenden Meinungsverschiedenheiten. "Er wird jetzt bestimmt glücklicher sein."

Was Tillerson sehr wohl überraschte, war das beispiellose Vorgehen des Präsidenten. Nachdem der ehemalige Exxon-Mobile-Chef 14 Monate für Trump das Außenministerium führte, reichte es am Ende nicht einmal für einen Telefonanruf. Sein Sprecher Steve Goldstein teilte offiziell mit, der Gefeuerte wäre gerne im Amt geblieben. "Der Minister hat nicht mit dem Präsidenten gesprochen, und er kennt die Gründe nicht."

Kurz nach Mittag war auch Goldstein seinen Job los. Gefeuert wie sein kalt abgefertigter Chef, der im vergangenen Herbst wegen eines Zitats in Ungnade fiel, das an die Medien durchgesickert war. Demnach soll Tillerson den Präsidenten einen "Schwachkopf" genannt haben. Trotz Dementis ging es von da an mit dem Verhältnis der beiden steil bergab.

Trump will ein neues Team

Im Weißen Haus hieß es, der Präsident wolle vor dem für Mai avisierten Treffen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-un ein neues Team haben. Danach sieht aber wenig aus, da der Senat frühestens im April Anhörungen für die Bestätigung Pompeos abhalten will.

Der designierte Nachfolger Tillersons stand bisher an der Spitze des CIA. Der Republikaner gilt als Alter Ego Trumps. Er plädiert für eine harte Linie gegenüber Nordkorea. "Pompeo spricht vor allem darüber, dass wir unsere Handschuhe ablegen müssen", sagt der Politologe Stephen M. Walt von der "Kennedy School" in Harvard. "Es gibt keinen Grund, davon auszugehen, dass er diese Sicht als Außenminister ändern wird."

Die Neue CIA-Chefin

Durch den Wechsel im US-Außenministerium rückt Gina Haspel (61) an die Spitze des US-Geheimdienstes CIA. Als erste Frau auf dieser Position schreibt sie Geschichte. Doch bereits ihre Ernennung zur Vizedirektorin des Geheimdienstes vor einem Jahr war umstritten. Denn sie soll in Thailand an den berüchtigten Waterboarding-Folterungen in einem geheimen US-Gefängnis beteiligt gewesen sein. Haspel war angeblich die Erste, die während der Präsidentschaft von George W. Bush die „erweiterten Verhörmethoden“ des CIA getestet haben soll. Die Agentin war damals 45 und bereits für weitreichende Geheimoperationen der CIA zuständig. So hatte sie unter anderem die Büros in London und New York geleitet.

Video: Nicht der Rauswurf von Rex Tillerson, sondern der Zeitpunkt und die Art und Weise seien überraschend gewesen, berichtet ORF-Korrespondentin Hannelore Veit aus Washington.

Der Aderlass - Rücktritte und Entlassungen unter Trump

Seit dem Amtsantritt Donald Trumps hat es im Apparat der US-Regierung viele Personalwechsel und Rücktritte gegeben. Eine Auswahl:

Sally Yates, 30. Januar 2017: Trump feuert die amtierende Justizministerin und Chefanklägerin, offiziell vor allem wegen ihres Widerstandes gegen seine Einwanderungspolitik.

Michael Flynn, 13. Februar: Nach nur 23 Tagen im Amt tritt Trumps nationaler Sicherheitsberater zurück. Er ist in die Russland-Affäre über eine etwaige Wahlbeeinflussung verstrickt.

James Comey, 9. Mai: Trump feuert den FBI-Chef, eine folgenreiche Sensation. Die Russland-Affäre nimmt immer weiter Fahrt auf.

Mike Dubke, 30. Mai: Nach nur drei Monaten im Amt wirft der Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses hin.

Walter Shaub, 6. Juli: Der Direktor des unabhängigen Büros für Regierungsethik gibt entnervt auf.

Sean Spicer, 21. Juli: Als sein Präsident ihm Anthony Scaramucci als Kommunikationsdirektor vorsetzen will, mag Trumps Sprecher nicht mehr und geht.

Michael Short, 25. Juli: Auch der stellvertretende Pressesprecher tritt zurück.

Reince Priebus, 28. Juli: Trumps Stabschef verlässt seinen Posten. Er sagt, freiwillig. Andere sagen, Trump habe ihn gefeuert.

Anthony Scaramucci, 31. Juli: Erst zehn Tage zuvor zum Kommunikationsdirektor bestallt, ist der Ex-Wallstreet-Banker seinen Posten schon wieder los.

Steve Bannon, 18. August: Trumps Chefstratege und früherer Wahlkampfchef verlässt das Weiße Haus.

Dina Powell, 8. Dezember: Die Vize-Sicherheitsberaterin kündigt ihren Rückzug an. Die Ex-Investmentbankerin sagt, sie gehe in gutem Einvernehmen.

Hope Hicks, 28. Februar 2018: Die Kommunikationschefin und enge Trump-Vertraute teilt mit, sie werde das Weiße Haus in den nächsten Wochen verlassen.

Gary Cohn, 6. März: Trumps Wirtschaftsberater kündigt seinen Rückzug an. Er war gegen die von Trump angedrohten Strafzölle.

Rex Tillerson, 13. März: Trump verkündet auf Twitter, dass der Außenminister seinen Posten räumt. Spekulationen gab es schon länger.

 
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Artikel Thomas Spang, Washington 14. März 2018 - 00:04 Uhr
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