Damals/Vor 100 Jahren

Menü
Facebook Twitter Google+ E-Mail
Damals Titelbild

Der erste Vorstand der neu gegründeten ÖVP im Herbst 1945: Dritter von links Mitgründer Felix Hurdes, Mitte: Bundesparteiobmann Leopold Figl, Dritter von rechts Julius Raab. Bild: APA/Archiv Vogelsang-Institut

Felix Hurdes: Von der Parteigründung zu "Der Papa wird’s schon richten"

In der Diskussion um Sebastian Kurz’ Konzept des Durchgriffs des ÖVP-Obmanns in Personal- und vielen Sachfragen kam auch ein lange Jahre vergessener Gründungsvater und Programmdenker der Schwarzen ins Gespräch.

Von Josef Achleitner, 06. Juni 2017 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Felix Hurdes, heute nur noch Kabarettkennern als Auslöser des Bronner-Qualtinger-Hits „Der Papa wird’s schon richten“ bekannt, hatte mit anderen schon nach seiner KZ-Haft ab 1940 zu „Ostmarkzeiten“ geheim am Konzept einer Volkspartei genannten Sammelpartei gearbeitet, die straff geführt den Gegensatz von Kapital und Arbeit durch „Solidarismus“ auflösen sollte. Eine solche Sammelpartei entstand nach 1945 für die Deutschsprachigen in Südtirol, wo die SVP sozialdemokratische, christliche und konservativ-liberale Elemente in sich vereint. In Österreich setzten sich die Interessen der Länder und der Bünde durch, deren Organisationen fast durchwegs vor der Bundespartei gegründet worden waren.

Felix Hurdes, ÖVP-Mitgründer und Mitautor der ersten „Programmatischen Leitsätze“ wurde zwar erster Generalsekretär der neuen Partei und war verantwortlich für den Erdrutschsieg im November 1945, bei der die Schwarzen die absolute Mehrheit im Bund und sieben Ländern erreichten. Er war in den ärmlichen Anfangsjahren nach dem Krieg Unterrichtsminister und versuchte in den NS-indoktrinierten Schulen „bedingungsloses Österreichbewusstsein“ einzuführen. Doch weder aus der starken Bundespartei noch aus dem Solidarismus (z. B. Gewinnteilung zwischen Unternehmern und Arbeitern) wurde etwas. Es blieb ihm die Macht als Multifunktionär: Generalsekretär, Abgeordneter und Regierungsmitglied. Für „Parteilinke“ wie Nachkriegs-Kanzler Leopold Figl und Hurdes war in den beginnenden 1950er Jahren in der ÖVP nicht richtig Platz. Figl holte sich zwar noch als Außenminister bleibende Popularität, in der nun wirtschaftsorientierten Partei war er jedoch kein entscheidender Faktor mehr.

Felix Hurdes als Nationalratspräsident  
Bild: ÖNB/Winkler

Hurdes musste zuerst als Parteisekretär und dann, 1952, als Minister gehen. Im Jahr darauf wurde Hurdes auf den hohen, aber einflusslosen Sitz des Nationalratspräsidenten gewählt. Er führte nebenbei seine Anwaltskanzlei weiter (was heute nicht mehr erlaubt wäre) und kam damit in Schwierigkeiten - in der Presse und im Kabarett. Wegen eines dubiosen Mandanten verlangte die Anwaltskammer vom Parlament Hurdes’ Auslieferung.

Und dann die Affäre um ein offiziell nie bestätigtes, aber in ganz Österreich umlaufendes Gerücht, wonach er für seinem Sohn, der einen Verkehrsunfall mit Todesfolge verursacht hatte, versucht habe, die Sache „intern“ zu bereinigen. Der Refrain „Der Papa wird's schon richten, der Papa wird's schon richten“, geschrieben von Bronner, gesungen mit Qualtinger, gehört inzwischen zum Volksgut. Hurdes aber musste 1959 als Nationalratspräsident gehen, die Partei hatte ihn fallengelassen.

Ab 1962 führte er noch für vier Jahre den ÖVP-Klub im Parlament. 1974 starb Hurdes nach langem, teilweise aus der KZ-Gefangenschaft herrührendem nervlichen und körperlichen Leiden.

Qualtinger hatte den sozial-konservativen Katholiken Hurdes schon vor dem „Papa“ aufs Korn genommen: Er forderte den Minister auf, den Buchstaben „U“ zu verbieten, weil dieser „unsittlich, unseriös und unschön“ sei. Der Kabarettist hatte ein U aus einer Leuchtreklame abmontiert und mit Brief ans Ministerium geschickt. Qualtinger spielte dabei auf eine Kampagne gegen „Schmutz und Schund“ an, die Hurdes gegen nach heutigem Geschmack harmlose Sexfilme, „Schundheftln“ aller Art, seien es erotische, comicsartige oder spannende, plante.

Unrecht getan wird Hurdes aber in einem Punkt: Man sprach von „Hurdestanisch“, weil Hurdes das Wort Deutsch im Zeugnis durch „Unterrichtssprache“ ersetzen ließ. Einerseits war die Order schon unter Kurzzeit-Vorgänger Ernst Fischer (KPÖ) gekommen, Hurdes hatte sie nur zugelassen. Andererseits wollte er nach den NS-Erfahrungen den deutschen Geist durch einen österreichischen ersetzen. Das „Österreichische Wörterbuch“, das das spezielle Deutsch hierzulande betont, ist auch in diesem Sinn entstanden.

»zurück zu Damals/Vor 100 Jahren«

Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden.
Was sagen Sie zum Thema? Jetzt kommentieren

Haben Sie bereits einen Benutzernamen? Dann melden Sie sich bitte hier an.
Um sich registrieren zu können müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort, Ihre E-Mail-Adresse und Ihre Handynummer mitteilen.
Gewünschter Benutzername
Gewünschtes Passwort
Wiederholung Passwort
E-Mail
Anrede
  Frau    Herr 
Vorname
Nachname
OÖNcard / Kundennummer (optional)
Handynummer
/

Sicherheitsfrage
Wie viel ist 8 + 2?